Kassetten der letzten Beatles Single 'Now and Then' vor dem Eingang der Abbey Road Studios in London.
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Publikationen
Über 3.000 wissenschaftliche Artikel setzen auf die Beatles

Zitate aus Beatles-Songs finden sich in zahlreichen Fachartikeln. Die Musiker inspirieren zu kreativen Wortspielen, selbst wenn es um Long Covid geht.

11.09.2026

"Love is all you need" – nötig erscheint einigen Forschungsteams aber auch die Unterstützung von einer der berühmtesten Popbands der Welt: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedienen sich zumindest beim Verfassen ihrer Fachartikel sehr gern bei den Texten der Beatles. Das zeigt eine am Mittwoch im Fachjournal "PLOS One" veröffentlichte Analyse eines niederländischen Forschungsteams.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten regelmäßig popkulturelle Referenzen, besonders häufig aus der Musik, erklärt das Team von der Technischen Universität Delft und der Radboud-Universität Nijmegen. Eine sorgfältig ausgewählte kulturelle Referenz könne dazu beitragen, dass sich Menschen besser an Inhalte erinnern – und somit Forschenden helfen, mit ihren Erkenntnissen ein größeres Publikum als nur die eigene Fachöffentlichkeit zu erreichen.

Beatles Titel liefern passende Metaphern für das Forschen

Die Forschenden glichen mit Hilfe von KI-Modellen eine kuratierte Liste populärer Beatles-Songtitel und -texte mit Studien verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen ab. Dafür nutzten sie Scopus, eine Datenbank wissenschaftlicher Publikationen. Insgesamt fand das Team darin 2.237 exakte Beatles-Referenzen und 963 Beispiele für kreative Wortspiele mit den Texten oder Titeln. Medizinische und sozialwissenschaftliche Studien dominierten dabei, aber auch in der Ökonomie, den Umweltwissenschaften oder künstlerischen Disziplinen kamen die Referenzen vor. Die Veröffentlichungen reichen von den 1970er-Jahren bis ins Jahr 2025. Dabei haben die Beatles-Referenzen vor allem ab den 1990er-Jahren zugenommen. Die Forschenden erklären dies damit, dass eine Generation in die Wissenschaft eingetreten sei, die mit der Band und ihren Songs aufwuchs. Der Stil wissenschaftlicher Veröffentlichungen sei zudem informeller geworden und die "Publish or Perish"-Kultur habe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu motiviert, sich besonders prägnante Titel für ihre Publikationen zu überlegen.

"Einige davon sind wirklich genial. 'The lung and winding road' ist ein Artikel über Long Covid, in dem lediglich ein Vokal ausgetauscht wurde", sagt Erstautor Budel mit Blick auf den Song "The Long and Winding Road" von 1970. Der Song "Everybody's Got Something to Hide Except Me and My Monkey" hingegen habe Patentrechts-Forscher zu dem Studientitel "Everybody's Got Something to Hide Except Me and My Patented Monkey" inspiriert. "Da hatte wohl jemand einen sehr guten Tag an seinem Schreibtisch", freut sich Erstautor Dr. Gabriel Budel.

Am häufigsten wurde auf den Songtitel "The Long and Winding Road" Bezug genommen (798 Referenzen), gefolgt von "With a Little Help from My Friends" (209 Referenzen) und "Here, There and Everywhere" (129 Referenzen). Die Titel seien zugleich passende Metaphern für die wissenschaftliche Arbeit, so schreibt das Autorenteam: für den Ablauf der Forschung, für Zusammenarbeit und für die Entdeckung von Neuem.

Forschung oft skeptischer als die Beatles

Das Forschungsteam stellte eine interessante Tendenz fest: Der Optimismus der Beatles-Texte werde in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen oft ins Gegenteil umgekehrt, erklärt Co-Autor Professor Michiel Tjepkema – etwa im Fall von "With a little help from my enemies" oder "Although it helps, love is not all you need". "Die Songs sind hoffnungsvoll, die Paper sind skeptisch", sagt Tjepkema.

Die Top-Ten-Beatles-Songs kamen in insgesamt 1.584 Titeln von Fachartikeln vor. Damit liegen die Briten weit vor den Musikern auf den Plätzen zwei und drei: Elvis Presley, dessen Top-Ten-Songs in 196 Artikeln zitiert wurden, und Michael Jackson mit 65 Referenzen zu seinen populärsten Songs.

dpa/cpy