Ein älteres Paar sitzt auf dem Sofa und blickt auf einen Laptop.
mauritius images / Westend61 / Gustafsson

Resilienz
Umgang mit Stress kann man in jedem Alter lernen

Der Mensch kann die Bewältigung herausfordernder Situationen im Alltag trainieren. Eine Studie zeigt, dass es dabei nicht auf das Alter ankommt.

25.02.2026

Wissenschaftlerinnen aus Deutschland und der Schweiz haben herausgefunden, dass sich nicht nur junge, sondern auch ältere Menschen einen anderen Umgang mit Stress aneignen können. Im Rahmen der Studie, die Communications Psychology im November 2025 veröffentlichte, wurden 165 Personen im Alter von 18 bis 80 trainiert. Die Präsenzzeit wurde von Aufgaben für den Alltag begleitet. Infolge der aktiven thematischen Auseinandersetzung sei bei den Teilnehmenden ein Wandel im Umgang mit herausfordernden Situationen erkennbar gewesen.

Das Kernanliegen der Studie war, die Veränderung von Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmalen von Personen unterschiedlichen Alters durch Intervention zu analysieren. Laut Pressemitteilung beschränkten sich solche Untersuchungen vielfach auf junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren. Die Ergebnisse anhand von Altersunterschieden zu analysieren sei daher ein Alleinstellungsmerkmal der Studie. Die Forscherinnen rechneten nach eigener Aussage zunächst damit, dass die erstrebten Veränderungen bei jüngeren Menschen stärker ausfallen würden.

Probandinnen und Probanden trainieren Sozialkompetenzen

Die Präsenzsitzungen fanden über acht Wochen hinweg an der Universität und dem Universitätsklinikum Heidelberg statt. In den ersten vier Wochen konzentrierten sich die Übungen auf Stressmanagement, Resilienz, Aufmerksamkeit und die Regulierung von Emotionen. In der zweiten Hälfte der Zeit wurden zwischenmenschliche Kompetenzen wie das Verstehen sozialer Dynamiken und soziale Interaktion trainiert. Die angewandten Methoden umfassten unter anderem praktische Übungen zu Sozialkompetenzen mit Videofeedback, Partnerarbeit, schriftlicher Selbstreflexion.

Die Forscherinnen testeten die Auswirkungen des Programms während der Präsenzzeit, im direkten Anschluss daran sowie bis zu einem Jahr danach. Dabei wurden über Fragebögen und computerbasierte Tests Werte in den Bereichen "Emotionale Stabilität" und "Extraversion" erhoben. Mit letzterem sind nach außen gerichtete Persönlichkeitsmerkmale gemeint, wie Geselligkeit oder Durchsetzungsfähigkeit.

Ältere Menschen investieren mehr Zeit in Übungen

Nach Ende der Trainingsphase beobachteten die Wissenschaftlerinnen eine Steigerung der emotionalen Stabilität und der Extraversion, die nicht mit dem Alter der Probandinnen und Probanden zusammenhing. Ältere Menschen konnten demnach genauso gut an ihrem Umgang mit Stresssituationen arbeiten wie jüngere. Dabei stellten die Forscherinnen fest, dass sie sich intensiver mit den Materialien und wöchentlichen Aufgaben befasst hatten. Eine höhere Motivation könne also gegebenenfalls kognitive Einschränkungen im Alter wettmachen.

Bemerkenswert sei auch, dass sich beide Altersgruppen gleichermaßen eine größere emotionale Stabilität wünschten. Ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer strebten jedoch weniger danach, extrovertierter zu werden. Laut Studie könne dies ein Zeichen dafür sein, dass sie geringeren Wert auf die Bildung neuer sozialer Kontakte als auf die Vertiefung enger, emotional bindender Beziehungen legten als jüngere Probandinnen und Probanden.

Unklar bleibt, so die Autorinnen, welche Maßnahmen die höchsten Effekte erzielt haben. Zukünftige Interventionsstudien müssten daher einzelne Trainingsmethoden vergleichend auf ihre Wirksamkeit hin untersuchen.

hae