Das Bild zeigt eine Person, die ein Schild mit einem Kreuz vor ihren Kopf hält.
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Studie
Unter deutschen Studierenden besteht Cancel-Bereitschaft

Wie ist es um die viel beschworene Cancel Culture an Hochschulen bestellt? Eine aktuelle Studie befragt Studierende.

21.11.2025

Laut einer aktuellen Studie unterstützt ein substantieller Teil der deutschen Studierendenschaft meinungsbasierte Einschränkungen des akademischen Diskurses. Dies sei vor allem bei "konservativen" Standpunkten der Fall, die als sozial schädlicher empfunden würden. Als kritischer Wert galt in der Studie die Cancel-Bereitschaft von 20 Prozent der Befragten. Die im Fachmagazin PNAS erschienene Analyse führt drei Studien zusammen, die von einem Forschungsteam der Universitäten Konstanz, Mannheim, Hamburg und München durchgeführt wurden.

Im Rahmen von repräsentativen Online-Umfragen wurden mehr als 3.000 Studierenden fiktive Szenarien vorgelegt, die bewertet werden mussten. Darunter zählte zum Beispiel das Absagen von Gastvorträgen zu kontroversen Themen wie Genderidentität, dem Tragen eines Kopftuchs oder dem Nahost-Konflikt. Jedes Vortragsthema sei in einer "progressiven" und einer "konservativen" Ausprägung formuliert worden. Letzteres habe die Bereitschaft zum Canceln deutlich erhöht, berichten Soziologieprofessorin Claudia Diehl (Universität Konstanz) und Politikwissenschaftler Professor Richard Traunmüller (Universität Mannheim) in DIE ZEIT.

In manchen der Szenarien wurden laut Medienberichten auch mögliche politisch-gesellschaftliche Folgen der Standpunkte erwähnt. Die Sorge der Studierenden vor negativen Konsequenzen "konservativer" Positionen könne die höhere Cancel-Bereitschaft aber nur zur Hälfte erklären. Die andere Hälfte sei auf die Ablehnung bestimmter ideologischer Positionen zurückzuführen.

Breites Medienecho und Kritik

Für die Studie wurde ein Format gewählt, das sich insbesondere für die Untersuchung politisch umstrittener Themen eignet, erläutern Diehl und Traunmüller. Bei der sogenannten "adversarial collaboration" werden von Forschenden mit widersprechenden Positionen bereits vor der Datenerhebung Hypothesen aufgestellt und Auswertungsstrategien entworfen. Dann wird bestimmt, welches Ergebnis durch welches Team bestätigt werden soll.

Die Studie hat für ein großes Medien-Echo gesorgt und auch Kritik hervorgerufen. Diese bezog sich vor allem auf die Einordnung bestimmter Positionen als "konservativ". Mehrfach zitiert wird etwa Soziologieprofessor Carsten Sauer (Universität Bielefeld), der die hypothetischen Standpunkte eher "rechtsaußen" verortet.

hes