Deutscher Zukunftspreis 2026
Welches Team erhält die Ehrung?
Die Nominierten des 30. Deutschen Zukunftspreises stehen fest. Sie haben ein reversibles Brennstoffzellenkraftwerk, einen neuen Therapieansatz bei Multiorganversagen auf Intensivstationen und innovative Technologien für photonische Hochleistungschips entwickelt, wie am Mittwochvormittag im Rahmen einer Pressekonferenz im Deutschen Museum in München bekanntgegeben wurde. Am 18. November entscheidet die zehnköpfige Preisjury unabhängiger Fachleute aus Wissenschaft und Praxis unter der Leitung von Professor Frank Allgöwer von der Universität Stuttgart, welches der drei Teams den Zukunftspreis am selben Abend von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhält.
Die drei nominierten Teams
"Dunkelflaute und Hellbrise"
Dr. Stephan Herrmann, Felix Fischer und Professor Hartmut Spliethoff von der Reverion GmbH und der Technischen Universität München sind für ihr Projekt "Dunkelflaute und Hellbrise. Das reversible Kraftwert schließt die letzten Lücken der Energiewende" ausgewählt worden. Sie haben ein Kraftwerk entwickelt, das Energie verfügbar machen soll, wenn sie gebraucht wird – das heißt, es speichert überschüssige Energie zwischen, die anschließend wieder nutzbar gemacht werden kann. Ihr reversibles Brennstoffzellenkraftwerk kann aus Biogas, Erdgas oder Wasserstoff Strom erzeugen, bei Stromüberschuss wandelt es umgekehrt auch elektrische Energie in grünen Wasserstoff oder synthetisches Methan um und speichert diese.
Dabei hat es einen elektrischen Wirkungsgrad von bis zu 74,2 Prozent gegenüber klassischen Blockheizkraftwerken, die nur rund 40 Prozent der in Biogas enthaltenen Energie in Strom umwandeln können. "Mit seiner Entwicklung hat das nominierte Team die Rolle der Biogasanlage grundlegend verändert", heißt es in der Vorstellung der Nominierten auf der Website des Zukunftspreises. Die ersten Anlagen arbeiten demnach bereits im kommerziellen Betrieb.
"Wenn jede Stunde zählt"
Dr. Claus Jessen, Dr. Tobias Bingold und Christoph Hüßtege von ADVITOS GmbH München haben im Projekt "Wenn jede Stunde zählt" einen Therapieansatz bei Multiorganversagen auf Intensivstationen entwickelt. Ihre ADVOS-Therapie – ADVOS steht für Advanced Organ Support – versucht nicht, einzelne Organe separat zu behandeln, sondern stabilisiert das biologische System als Ganzes, indem eine integrierte Entgiftung aller relevanten Organe stattfindet und das innere Milieu des Körpers erhalten wird.
Die Grundidee für diese Therapie hatte der inzwischen verstorbene Firmengründer PD Dr. Bernhard Kreymann. "Aus einem Verfahren zur Blutreinigung entstand ein System, das mehrere lebenswichtige Regulationsmechanismen gleichzeitig unterstützen kann", heißt es auf der Website des Zukunftspreises. Mit dem System könnten die physiologischen Voraussetzungen wiederhergestellt werden, unter denen ein Körper seine Stabilität zurückerlangen kann. Schwerkranke Patientinnen und Patienten könnten so Zeit für Stabilisierung und Regeneration gewinnen. Die Therapie sei bereits in mehr als dreißig Intensivstationen in Deutschland und Österreich und bei über 11.500 Behandlungen eingesetzt worden.
"3D-Druck auf der Nanoskala"
Das dritte nominierte Team, bestehend aus Professor Christian Koos, Dr. Philipp Dietrich und Dr. Matthias Lauermann vom Karlsruher Institut für Technik (KIT), von Keystone Photonics GmbH und Vanguard Automation GmbH, hat Verfahren entwickelt, um optische Mikrochips effizient zu testen und präzise zu leistungsfähigen Systemen zu verbinden. Mit ihrem Projekt "3D-Druck auf der Nanoskala – Photonische Mikrochips und Lichtbrücken für die digitale Zukunft" tragen sie dazu bei, die Datenverarbeitung energieeffizienter zu machen. Sie machen sich die Tatsache zunutze, dass Licht größere Datenmengen bei geringeren Übertragungsverlusten und einem niedrigeren Energieverbrauch übertragen kann.
Die Teammitglieder haben eine Fertigungsmethode für die Herstellung und Qualitätsprüfung von photonischen Hochleistungschips erfunden, die auch den problematischen Übergang vom Chip zur Außenwelt - andere Chips oder Glasfasern - löst. Die Komponenten werden lediglich grob positioniert und durch einen in einem hochauflösenden 3D-Druckverfahren auf der Nanoskala hergestellten Lichtleiter verbunden. "Beides zusammen ist ein entscheidender Beitrag dazu, dass optische Datenübertragung im großen Maßstab eingesetzt werden kann", heißt es in der Projektvorstellung auf der Website des Zukunftspreises. Die beteiligten Unternehmen beliefern heute demnach international führende Kunden aus der Chip- und KI-Industrie.
Der jährlich verliehene Preis des Bundespräsidenten ist mit 250.000 Euro dotiert. Mit ihm sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ingenieurinnen und Ingenieure geehrt werden, die Lösungen für drängende gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln, die das Potential haben, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und neue Wachstumsfelder zu erschließen. 21 Institutionen sind berechtigt, Kandidatinnen und Kandidaten für eine Nominierung vorzuschlagen, darunter beispielsweise die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, das Bundesforschungsministerium und die Hochschulrektorenkonferenz.
cpy