Klimaprognosen
Weltwetter-Organisation rechnet mit Rekordjahren
Mindestens eins der kommenden fünf Jahre wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent das Rekordjahr 2024 noch übertreffen. Es war das bisher wärmste aufgezeichnete Jahr in 175 Jahren Beobachtung. Die Durchschnittstemperatur lag 2024 1,55 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900. Das geht aus dem Update des Klimaberichts der Weltwetterorganisation hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eins der nächsten fünf Jahre einen Temperaturdurchschnitt von 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Durchschnitt erreichen wird, bei 86 Prozent.
Die Prognosen sind schlechter im Vergleich zum Vorjahr: Der Fünfjahresdurchschnitt für den Zeitraum 2025 bis 2029 liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Stand. Im vergangenen Jahr war die Wahrscheinlichkeit noch mit 47 Prozent beziffert worden für die Jahre 2024 bis 2028, im Jahr davor sogar nur mit 32 Prozent für die Jahre 2023 bis 2027.
Die vergangenen zehn Jahre seien die wärmsten aufgezeichneten Jahre, berichtet die Stellvertretende Generalsekretärin der Weltwetterorganisation, Ko Barrett, laut Mitteilung ihrer Organisation. Der Bericht deute keine Besserung an: "Das bedeutet, dass unsere Volkswirtschaften, unser Alltag, unsere Ökosysteme und unser Planet zunehmend negativ beeinflusst werden", sagte sie. Der Klimabeobachtung und Vorhersage käme eine zentrale Bedeutung zu, um Entscheiderinnen und Entscheider mit wissenschaftsbasierten Informationen zu versorgen, damit sie die Klimaanpassung fördern können, so Barrett.
Extremwetterereignisse als unmittelbare Folgen der Erwärmung
Jeder Bruchteil eines Grads zusätzlicher Erwärmung verursache mehr schädliche Hitzewellen, Extremregen, Dürren, die Schmelze von Eisschilden, Meereseis und Gletschern, ein Aufheizen der Ozeane und den Anstieg der Meeresspiegel. Der Bericht prognostiziert, dass die Erwärmung in der Arktis in den kommenden fünf Wintern mit einem Anstieg von 2,4 Grad Celsius deutlich über dem globalen Durchschnitt der letzten dreißig Jahre liegen werde.
Die Prognose der Weltwetterorganisation zeigt, dass die Gefahr groß ist, dass das Pariser Klimaabkommen nicht eingehalten wird. 2015 wurde auf dem UN-Klimagipfel in Paris beschlossen, dass die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad über der vorindustriellen Zeit begrenzt bleiben sollte. Das Abkommen wurde von 195 Staaten und der Europäischen Union unterzeichnet. US-Präsident Donald Trump hatte im Januar per Dekret entschieden, dass die USA zum zweiten Mal seit Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens aus diesem aussteigen werde. Der Austritt gilt ab dem kommenden Jahr.
Ein einzelnes Jahr – wie etwa 2024 – stellt noch keinen Verstoß gegen das Abkommen dar. Dafür müsste die Temperatur im Durchschnitt von 20 Jahren über 1,5 Grad Celsius liegen. Um die Erwärmung dauerhaft unter der 1,5-Grad-Schwelle zu halten, müsste der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen deutlich gesenkt werden und bereits in der Atmosphäre befindliche Treibhausgase reduziert werden.
Das aktuelle Update wurde vom britischen Met Office erstellt. Es sind Daten von 15 Institutionen aus aller Welt berücksichtigt, auch der Deutsche Wetterdienst war beteiligt.
cpy