Blick auf die Regale einer wissenschaftlichen Bibliothek, aufgenommen in der Universitätsbibliothek-Greifswald.
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Peer-Review
Wenn die Bewertung vor den Ergebnissen kommt

Peer-Reviews können wissenschaftliche Vorhaben vor der Umsetzung bewerten. Eine Studie untersucht, wie dies die Qualität der Forschung beeinflusst.

25.06.2021

Studien durchlaufen vor der Publikation in renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften in der Regel einen Peer-Review-Prozess, bei dem Experten die Forschungsergebnisse beurteilen. Das alternative Vorgehen der "registered reports" bewertet Forschungspläne und stellt ihre Veröffentlichung bereits in Aussicht, bevor sie umgesetzt wurden. Dieses Verfahren wird seit 2013 verwendet, wie Times Higher Education berichtet, und sei inzwischen von fast 300 wissenschaftlichen Zeitschriften eingeführt worden. Eine neue Studie des US-amerikanischen Center for Open Science vergleicht die Qualität der produzierten Forschungsergebnisse mit Studien, die den klassischen Peer-Review-Prozess durchlaufen haben. Sie stellt fest, dass die vor der Forschung bewerteten Artikel hinsichtlich ihrer Qualität besser abschnitten.

Für die Studie wurden 350 Experten versammelt, die 80 Forschungsprojekte bewerten sollten, darunter knapp 30, die als "registered reports" eingereicht worden waren. Die anderen Projekte seien so ausgewählt worden, dass sie von identischen Hauptautoren stammten beziehungsweise vom gleichen Journal parallel veröffentlicht wurden. Bewertet wurden neunzehn Kriterien, beispielsweise die Stringenz von Methode und Analyse, die Qualität der Fragestellungen oder die Kreativität des Forschungsprojekts. Die Bewertung sollte an drei Zeitpunkten durchgeführt werden: vor und nach Kenntnis der Forschungsergebnisse und nach der Veröffentlichung der Studie. Dabei erzielten die Studien, die zunächst als "registered reports" bewertet worden, bessere Ergebnisse.

Durch die Bewertung vor der Durchführung würde auch die Neigung von Zeitschriften umgangen, Studien eher zu veröffentlichen, wenn sich die ursprünglichen Annahmen der Forschenden bestätigen ließen. Dadurch befreie das Veröffentlichungskonzept der "registered reports" Wissenschaftlerinnen und Wissenschafler davon, sich in ihrer Forschung davon leiten zu lassen, welche Ergebnisse eine Veröffentlichung wahrscheinlicher machen würden. Allerdings sei das Format noch nicht allgemein anerkannt, wie der Hauptautor der Studie Times Higher Education gegenüber angab. Auch bei den Zeitschriften, die es eingeführt hätten, würden nur ein Bruchteil der Beiträge auf diesem Wege eingereicht.

cpy

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