Internationalisierung
Wissenschaftspolitik Trumps hat negative Folgen für Hessens Hochschulen
Rechtsruck, Projektstopps, Einsparungen, Entlassungen – die Einschnitte an US-Universitäten während der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump seit knapp einem Jahr haben auch Auswirkungen auf Hessens Hochschulen. Ihre Zusammenarbeit mit US-Universitäten gerät teils unter Druck, Unsicherheiten wachsen, das Interesse an USA-Studienaufenthalten sinkt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein Jahr nach Trumps neuem Amtsantritt zeigt.
Dabei stuft Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) die internationale Zusammenarbeit gerade zwischen Europa und Amerika "in Zeiten angespannter Geopolitik" als wichtig ein. Die USA und Hessen hätten 135 Hochschulkooperationen. "Allein mit unserem Partnerbundesstaat Wisconsin existieren 40 Kooperationsvereinbarungen", teilt Gremmels der dpa mit. Diese Beziehungen gelte es weiter zu stärken. "Wir haben globale Probleme zu lösen, das werden wir nur schaffen, wenn wir global exzellente Forschung vernetzen. Wissenschaft lebt von Freiheit und von Kooperation", betont der Minister.
Schwierigkeiten und Hoffnungen für Forscherinnen und Forscher
Laut der Technischen Universität (TU) Darmstadt verhindern gerade die Restriktionen bei der Visavergabe Reisen von Mitarbeitenden beziehungsweise sorgen für Unsicherheiten. Da viele Spitzenkonferenzen weiterhin in den USA stattfänden, "reduziert dies die Sichtbarkeit der Forschung und Forschenden der TU". Obendrein sind laut der Darmstädter Hochschule wegen des Shutdowns, also der wochenlangen Schließung der US-Bundesbehörden im Herbst 2025, universitäre Veranstaltungen mangels bundesstaatlicher Mittel ausgefallen. "Solche Unsicherheiten schränken die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern leider ein", konstatiert die TU.
"Solche Unsicherheiten schränken die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern leider ein."
TU Darmstadt
Zu Finanzierungskürzungen bei hessisch-amerikanischen Forschungsprojekten ist es laut dem Wissenschaftsministerium in Wiesbaden bislang nur vereinzelt gekommen. "Einige Forschungseinrichtungen halten Einschränkungen bei möglichen zukünftigen Kooperationsprojekten in Bereichen wie erneuerbare Energien oder Klimaforschung für möglich", ergänzt das Ministerium.
Hessen könnte aber auch profitieren. Die Universität Frankfurt berichtet von mehr Kooperationsanfragen aus den USA: "Deutlich wird von amerikanischer Seite betont, dass man verstärkt nach kooperationswilligen europäischen Partnern Ausschau hält, um gemeinsam (Drittmittel-)Projekte aufzusetzen in Bereichen, in denen die staatliche Forschungsförderung der USA zurückgefahren wurde." Also etwa in der Klima-, Konflikt-, Gender- und Migrationsforschung.
"Deutlich wird von amerikanischer Seite betont, dass man verstärkt nach kooperationswilligen europäischen Partnern Ausschau hält."
Universität Frankfurt
Die Goethe-Universität Frankfurt formuliert für die Zukunft die Hoffnung, "dass man vor allem hoch qualifizierte Studierende aus anderen Ländern, die sich früher um Studienplätze/Promotionsplätze in den USA bemüht hätten, auf den Wissenschaftsstandort Deutschland aufmerksam machen kann für englischsprachige MA- und PhD-Programme".
Rund ein Drittel weniger Interesse an USA-Studienaufenthalten
Mit dem Hessen-Massachusetts Landesprogramm können Studierende für ein Semester an einer der vier Partnerhochschulen in Amherst, Boston, Dartmouth oder Lowell studiengebührenfrei studieren.
Zum gesunkenen Interesse an US-Studienaufenthalten im Rahmen von Hessens entsprechenden Landesprogrammen mit Amerika erklärt das Wissenschaftsministerium in Wiesbaden: "Diese Entwicklung hatte sich bereits seit Herbst 2024 und erneut seit Sommer 2025 abgezeichnet." Für das akademische Jahr 2026/27 hätten sich gut ein Drittel weniger hessische Studentinnen und Studenten um einen Studienaufenthalt in den US-Staaten Wisconsin und Massachusetts beworben als in der Bewerbungsrunde ein Jahr zuvor.
Als Gründe für das gesunkene Interesse würden von den Hochschulen "neben den hohen Lebenshaltungskosten in den USA die politische Lage angeführt sowie Unsicherheiten insbesondere bei Studierenden mit Migrationshintergrund", erklärt das hessische Wissenschaftsministerium. Allerdings sei das Interesse an Studienaufenthalten im außereuropäischen Ausland insgesamt rückläufig, also auch etwa in China und Teilen Lateinamerikas. Zusammenhängen kann dies laut dem Ministerium ebenso mit einem sinkenden Angebot deutscher Stipendien.
Unsicherheiten kommen in Beratungsgesprächen zur Sprache
Die Goethe-Universität Frankfurt teilt mit: "Erstmals haben wir bei der ersten Ausschreibung unserer US-Austauschplätze weniger Bewerbungen als Plätze erhalten und müssen daher eine zweite Ausschreibungsrunde ausloben." Der Universität Gießen zufolge kommen in Beratungen von Studierenden mit Interesse an einem USA-Studienaufenthalt Unsicherheiten deutlich zur Sprache – "im Hinblick auf die politische Lage, Visavergabe und Einreisebestimmungen" und eben vor allem von Studierenden mit ausländischen Wurzeln.
Alle Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen mit einem Start im Herbst 2025 zu einem US-Auslandsaufenthalt hätten indessen ihr Visum erhalten. "Bei der Beantragung kam es aufgrund der zeitweise ausgesetzten Visavergabe im Sommer 2025 allerdings teilweise zu zeitlichen Verzögerungen", ergänzt die Hochschule. Auch die Universität Kassel berichtet von einer teils schleppenden Visumvergabe in den vergangenen Monaten. Zudem sei die Frage der Finanzierung eines USA-Studienaufenthalts für hiesige Interessenten "sehr relevant". Zugleich sei die Zusammenarbeit mit den US-Partneruniversitäten "nach wie vor eng und vertrauensvoll. Auch die Betreuung unserer Studierenden vor Ort ist weiterhin sehr gut", teilt die Universität Kassel mit.
Andere hessischen Hochschulen äußern sich ähnlich – und bestätigen das gesunkene Interesse an USA-Studienaufenthalten. Die Philipps-Universität Marburg weist neben der stockenden Visavergabe auch auf eine von den USA angekündigte Prüfung persönlicher Profile in den sozialen Medien hin. Gleichwohl hätten ihre Austauschstudierenden nicht von Problemen bei der Einreise in die Vereinigten Staaten von Amerika berichtet.
dpa/cva