Eine Gruppe von vier Menschen in festlicher Kleidung steht vor einer Leinwand mit der Aufschrift: Philipp Schwartz Forum.
David Ausserhofer Fotografie / AvH

Jubiläum
Zehn Jahre Philipp Schwartz-Initiative

In Berlin wird anlässlich des Jubiläums vor allem reflektiert und diskutiert. Ziegler betonte das "Commitment" für den Schutz akademischer Freiheit.

10.04.2026

Die Humboldt-Stiftung richtet am 9. und 10. April das Philipp Schwartz Forum mit etwa 400 Teilnehmenden an der Freie Universität (FU) Berlin aus. Ziel ist laut einer Pressemitteilung die Vernetzung der gefährdeten Forschenden untereinander und mit denen, die sie unterstützen. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ihrer Heimat bedroht sind, sollen Forschenden und politisch Aktiven in Deutschland und Europa Informationen aus erster Hand geben und ihre Erfahrungen schildern. Man verspreche sich Impulse für den Schutz der Wissenschaftsfreiheit und die institutionelle Förderung gefährdeter Forschender, teilte die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) mit. 

Die AvH und das Auswärtige Amt (AA) haben vor zehn Jahren die Philipp Schwartz-Initiative (PSI) ins Leben gerufen. Unterstützt durch nationale und internationale Stiftungen, ermöglicht das Programm seit 2016 gefährdeten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unabhängig von ihrem Fachgebiet und ihrer Herkunft eine zweijährige Forschungsperspektive an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. 

Bilanz spiegelt globale Krisen wider 

AvH-Präsident Professor Robert Schlögl blickte in seiner Keynote zur Eröffnung des Forums auf zehn Jahre PSI zurück. Bisher haben 147 Institutionen über 674 Forschende aus 31 Ländern aufgenommen und dabei spezialisierte Strukturen zur akademischen Integration geschaffen. Auf geopolitische Krisen reagiert die Initiative demzufolge flexibel: Durch Sonderprogramme erhielten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Ukraine, Afghanistan und dem Iran kurzfristig gezielte Hilfen. 

Die Herkunft der Fellows spiegelt laut factsheet der AvH die aktuelle Weltlage wider. Den größten Anteil bilden Forschende aus der Türkei (31,6 Prozent), gefolgt von der Ukraine (26,4 Prozent) und Syrien (10,4 Prozent). Die übrigen 31,6 Prozent verteilen sich auf 28 weitere Länder. Darunter befinden sich unter anderem der Iran, Afghanistan, Russland, der Sudan, Belarus, der Jemen und Äthiopien. 

Wissenschaftsfreiheit und ihr Schutz nicht verhandelbar 

Schlögl mahnte an, dass Wissenschaftsfreiheit vielerorts zu einer "regulierenden Kategorie" geworden sei, die man entweder politisch gewähren oder verwehren könne. Auch wenn sie in Deutschland durch das Grundgesetz besonders geschützt sei, täusche man sich, wenn man dies für unumstößlich halte und sie nicht aktiv verteidige. 

FU-Präsident Professor Günter Ziegler hob in seinem Grußwort hervor, dass die Politik zunehmend in Versuchung gerate, sich in die akademische Arbeit einzumischen. Die Förderung von bedrohten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sei nicht nur eine Unterstützung von Individuen, sondern ein "Commitment" für den Schutz der akademischen Freiheit. "Angesichts zunehmender Angriffe sind der Aufbau von Resilienz und Schutzkapazitäten unerlässlich", führte er aus.

"Angesichts zunehmender Angriffe sind der Aufbau von Resilienz und Schutzkapazitäten unerlässlich." 
FU-Präsident Professor Günter Ziegler

Professorin Katrin Kinzelbach erläuterte in ihrer Keynote, dass laut international anerkanntem Recht die Wissenschaftsfreiheit gut abgesichert ist. "Wir können Regierungen zur Rechenschaft ziehen", meinte sie. Kinzelbach ist Lehrstuhlinhaberin für Menschenrechtspolitik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und maßgeblich am Academic Freedom Index (AFI) beteiligt. Sie präsentierte zentrale Fakten aus dem letzten AFI-Update und machte deutlich, dass es bei Initiativen wie der PSI nicht nur darum gehe, Gefährdeten Zuflucht zu gewähren: "Ziel ist es auch, Wissen zu schützen und es durch wissenschaftliche Talente anzuziehen". 

"Ziel ist es auch, Wissen zu schützen und es durch wissenschaftliche Talente anzuziehen."
Professorin Katrin Kinzelbach, FAU

Das Auswärtige Amt war durch Anke Reiffenstuel, Abteilungsleiterin und Beauftragte für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik, als Rednerin vertreten. Sie machte darauf aufmerksam, dass Freiheit, Sicherheit und Wohlstand zentrale Ziele deutscher Auslandspolitik seien. Dazu gehöre auch die Wissenschaftsfreiheit. Die weltweit abnehmenden Freiräume für Wissenschaft und Forschung stünden dem entgegen. "Ohne Forschung gibt es auch kein wirtschaftliches Wachstum", gab sie zudem zu bedenken.  

cva