bunte Ostereier
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Gesundheit
Zu viele Eier sind ungesund

Eine US-Studie sieht einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Eiern, Cholesterin und Herzerkrankungen. Entscheidend ist aber die gesamte Ernährung.

20.04.2019

Einer neuen Meta-Studie aus den USA zufolge ist eine unbeschränkte Cholesterinzufuhr mit der Nahrung doch nicht unbedenklich. Eine höhere Cholesterinzufuhr war bei erwachsenen US-Amerikanern laut der Meta-Analyse deutlich mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Je höher der Verzehr von cholesterinhaltigen Lebensmitteln war, umso höher war auch das kardiovaskuläre Risiko.

Dabei spielte es keine Rolle, ob das Cholesterin vorwiegend über den Verzehr von Eiern oder andere Nahrungsmittel aufgenommen wurde. Die Auswertung umfasst sechs Studien, in denen insgesamt rund 30.000 Teilnehmer sorgfältig zu ihrem Ernährungsverhalten befragt und über durchschnittlich 17,5 Jahre in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen beobachtet wurden.

Ab wie vielen Eiern wird es bedenklich?

Ein Ei enthält etwa 250-280 Milligramm Cholesterin. Wegen des hohen Cholesteringehalts sind Eier immer wieder in der Diskussion, wie die Deutsche Herzstiftung mitteilte. Die Europäischen Präventions-Leitlinien geben bezüglich des Cholesterin-Konsums keine Empfehlungen mehr ab, auch weil gesättigte Fette eine stärkere Wirkung auf den Cholesterinspiegel haben als das mit der Nahrung zugeführte Cholesterin selbst.

Die Amerikanische Herzgesellschaft (AHA) empfahl laut Mitteilung jahrzehntelang den Konsum cholesterinhaltiger Lebensmittel auf etwa 300 Milligramm Cholesterin pro Tag zu begrenzen. 2015 sei sie von dieser Position wegen der unzureichenden Studienlage wieder abgerückt. Nach Ansicht der AHA fehlte der Nachweis dafür, dass die Cholesterinzufuhr mit der Ernährung oder speziell mit Eiern einen wesentlichen Einfluss auf die kardiovaskuläre Ereignisrate habe.

Die Autoren der aktuellen Meta-Studie weisen der Mitteilung zufolge allerdings darauf hin, dass sich ihre Auswertungen nicht ohne Weiteres auf Menschen außerhalb der USA übertragen ließen. Mit Blick auf Studien in Europa sagt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Helmut Gohlke vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung: "Vermutlich spielt die gängige und beliebte Zubereitung der Eier in den USA, beispielsweise mit Speck, eine größere Rolle als das Ei selbst."

Was bedeutet das für Ostern?

"Der Blick beim Essen sollte daher nicht nur auf die einzelne Nahrungskomponente Ei fallen. Vielmehr kommt es auf das Gesamternährungskonzept an", ergänzt Gohlke. Dennoch könne man die neuerlichen Bedenken der amerikanischen Kollegen nicht völlig außer Acht lassen.

Eine spanische Beobachtungsstudie über sechs Jahre mit über 14.000 gesunden Universitätsabsolventen konnte auch bei einem Verzehr von mehr als vier Eiern pro Woche kein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen feststellen. In einer schwedischen Studie über 13 Jahre mit rund 70.000 Teilnehmern waren bis zu sechs Eier pro Woche nicht mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden, bei höherem Konsum nahm das Risiko jedoch zu. Das würde einer täglichen Cholesterinzufuhr allein durch Ei-Konsum von 240 Milligramm pro Tag entsprechen und damit die Bedenken der neueren US-Studie gegen einen maßlosen Cholesterinkonsum unterstützen.

In diesen Studien geht es allerdings um einen dauerhaft hohen Cholesterin- bzw. Eierkonsum und nicht um den zu Ostern kurzzeitig erhöhten Eierkonsum. "Deshalb sollte man sich die Freude am Osterfrühstück auch nicht durch ein schlechtes Gewissen verderben lassen", so Gohlke.

Das gesamte Ernährungskonzept ist entscheidend

Erhöhte Cholesterinspiegel im Blut sind ein Risikofaktor für koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und Schlaganfall. Umgekehrt wirkt sich eine medikamentöse Senkung der erhöhten Cholesterinwerte günstig auf den Krankheitsverlauf aus, teilt die Deutsche Herzstiftung mit. "Die Bedeutung des über die Nahrung aufgenommenen Cholesterins ist jedoch weit weniger klar", betont Gohlke.

Wie sich das Cholesterin aus der Nahrung auf den Cholesterinspiegel im Blut auswirkt, ist demnach stark von der übrigen Ernährung abhängig: Mehrfach ungesättigte Fette in der Nahrung reduzieren die Cholesterinaufnahme, gesättigte Fette erhöhen sie dagegen. "Außerdem verstärken die gesättigten Fette die Gerinnungsaktivität im Blut. Dadurch begünstigen sie die KHK, Herzinfarkt und Schlaganfall zusätzlich", erläutert Gohlke.

Ungesunde gesättigte Fette stecken in erheblichen Mengen in Fleisch- und Wurstwaren. Die gesättigten Fette aus der Milch von Kühen, Schafen und Ziegen seien dagegen eher günstig für die Gesundheit, so die Mitteilung.

Für eine gesunde Ernährung empfiehlt die Deutsche Herzstiftung den Schwerpunkt auf Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, Raps- und Olivenöl sowie Nüsse zu legen. Diese Lebensmittel und auch Fisch (etwa zweimal pro Woche) wirken sich positiv auf die Herzgesundheit aus.

ckr