Bildung
Zufriedenheit der Eltern steigt mit Bildungserfolg der Kinder
Bildungsmobilität kommt nicht nur Kindern zugute, auch Eltern können von dem Aufstieg profitieren. Dr. Alina Schmitz von der Technischen Universität (TU) Dortmund und Professor Rasmus Hoffmann von der Universität Bamberg haben herausgefunden, dass die Lebenszufriedenheit von Eltern steigt, wenn ihr Kind einen höheren Bildungsabschluss erreicht als sie selbst. Die Untersuchung basiert auf der Grundannahme, dass Eltern und Kinder sich über die gesamte Lebensspanne gegenseitig beeinflussen. Mit der Perspektive auf die Generation der Eltern will das sozialwissenschaftliche Team vorhandene Forschung zu sozialer Mobilität ergänzen, die sich vor allem mit den Aufsteigerinnen und Aufsteigern selbst beschäftigt.
Für die Untersuchung, die im Oktober 2025 in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie erschienen ist, haben Schmitz und Hoffmann Daten der internationalen Langzeitstudie Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) ausgewertet. Sie analysierten Angaben von etwa 80.000 Eltern ab einem Alter von 50 Jahren aus 27 europäischen Ländern. Dabei hatte über die Hälfte der Teilnehmenden mindestens ein erwachsenes Kind mit einem höheren Bildungsabschluss. Die Forschenden wollten herausfinden, ob und wie die Lebenszufriedenheit von Eltern mit dem Bildungserfolg ihrer Kinder zusammenhängt.
Bildungsniveau der Eltern und Anzahl der Kinder spielen eine Rolle
Die Ergebnisse zeigen laut Autorenteam, dass Eltern, deren Kinder höhere Abschlüsse erzielen als sie selbst, eine höhere Lebenszufriedenheit verspüren als solche, deren Nachwuchs dasselbe oder eine niedrigeres Bildungslevel erreicht. Wenn die Eltern selbst über einen niedrigeren Abschluss verfügen, ist der Unterschied noch größer. Auch die Anzahl der Kinder spielt eine Rolle. Soziologin Schmitz erklärt in einer Pressemeldung der TU Dortmund: "Unsere Ergebnisse zeigen eine Art Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr Kinder ein höheres Bildungsniveau erreichen als ihre Eltern, desto höher ist die elterliche Lebenszufriedenheit."
Bemerkenswert sei, dass die Gründe für die Zufriedenheit der Eltern weder in materiellen Vorteilen durch finanzielle Unterstützung, noch in einer besonderen emotionalen Nähe zu den Kindern lägen. Die Untersuchung zeige hier keine relevanten Zusammenhänge. "Der Effekt scheint weniger mit konkreter Unterstützung zusammenzuhängen als mit psychologischen Faktoren – etwa mit Stolz auf die Leistungen der eigenen Kinder oder mit dem Gefühl, dass sie gut für die Zukunft aufgestellt sind", erklärt Hoffmann in der Meldung.
Schmitz und Hoffmann wollen mit ihrer Forschung neue Schlaglichter auf soziale Mobilität werfen. Die Studie zeige, dass das Wohlbefinden im Alter nicht nur von der eigenen Lebensgeschichte abhängt, sondern auch von den Bildungswegen der Kinder, so der Soziologe. "Damit eröffnet sich eine neue Perspektive darauf, wie soziale Ungleichheit über Generationen hinweg wirkt."
hae