Kommentar
Europäische Förderung im Zwiespalt
Unter dem Namen "Nexus" schlagen Deutsche Forschungsgemeinschaft, Hochschulrektorenkonferenz und Wissenschaftsrat ein neues europäisches Förderinstrument vor. Es folgt einer Rezeptur, die aus der deutschen Exzellenzstrategie nur allzu bekannt ist: Über einen ambitionierten Wettbewerb werden Mittel auf ausgewählte Standorte verteilt.
Keine Frage: In einer Welt, in der kein Stein auf dem anderen zu bleiben scheint, ist Agilität wichtig. Mehr Kooperation und internationale Sichtbarkeit tun Europa wahrlich gut. Doch reichen die veranschlagten Gelder wirklich, damit Europas Spitzenforschung nennenswerte "wissenschaftliche Durchbrüche" erzielen kann? Braucht Europa tatsächlich einen weiteren Wettbewerb, um die Freiheitsgrade von Forschung zu erhöhen, oder sollte es nicht bestehende Programme besser ausstatten und jenseits aller Verwertungslogik mehr in die Grundfinanzierung seines Wissenschaftssystems investieren? Liegen zentrale Herausforderungen zudem nicht eher in einem überhitzten Projektbetrieb, in Überbürokratisierung und unsicheren Beschäftigungsmodellen?
Gewiss, die Exzellenzstrategie hat dieser Tage wieder eindrucksvoll gezeigt, dass ein publikumswirksamer Wettbewerb Synergien schafft und der Wissenschaft öffentliche Aufmerksamkeit sichert. Nach diesem Muster ein weiteres europäisches Förderinstrument aufzulegen, bleibt aber ein zwiespältiges Unterfangen.