Auf einer Weltkugel ist zentriert vor allem Europa zu sehen und ein Zeigefinger deutet auf Deutschland.
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Wissenschaft weltoffen 2025
83.000 internationale Forschende in Deutschland

Der Wissenschaftsstandort Deutschland ist begehrt. Unter den Professorinnen und Professoren haben acht Prozent eine ausländische Staatsbürgerschaft.

26.11.2025

Im Jahr 2023 waren rund 65.500 wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeitende mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Hochschulen in Deutschland tätig, darunter rund 4.100 internationale Professorinnen und Professoren. Dies geht aus der neuen Ausgabe von "Wissenschaft weltoffen 2025" hervor, die der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) heute gemeinsam veröffentlicht haben. 

Die internationalen Mitarbeitenden stellten damit 2023 gut 15 Prozent des gesamten Wissenschaftspersonals an Hochschulen und machten acht Prozent der gesamten Professorenschaft aus. Zusammen mit den an außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland angestellten internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erreichte ihre Anzahl laut Bericht einen neuen Höchstwert von rund 83.000 Personen. Auffallend ist, dass der Anteil an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit internationalen Bildungshintergrund mit dem Aufstieg auf der Karriereleiter im Wissenschaftssystem stetig sinkt. 

Häufigste Herkunftsregion des internationalen Wissenschaftspersonals an Hochschulen war erneut Westeuropa. 29 Prozent des gesamten internationalen Personals und 62 Prozent der internationalen Professorenschaft kamen aus westeuropäischen Ländern. Indien (rund neun Prozent), China und Italien (jeweils sieben Prozent), Österreich und der Iran (jeweils fünf Prozent) waren die wichtigsten Herkunftsländer der internationalen Mitarbeitenden. Aus der internationalen Professorenschaft stammten die meisten aus Österreich (19 Prozent), Italien (neun Prozent), der Schweiz (acht Prozent), den USA (sieben Prozent) und den Niederlanden (sechs Prozent). 

Laut Dr. Marcus Beiner, wissenschaftlicher Geschäftsführer des DZHW, belegen die wachsenden Zahlen, dass die Internationalisierung des Wissenschaftsstandorts Deutschland weiter voranschreitet. "Diese Entwicklung zeigt sich auch mit Blick auf die Strukturen, die Internationalisierungsprozesse unterstützen. Beispielsweise ist die Zahl internationaler Beschäftigter in der Hochschulverwaltung in den vergangenen Jahren stark gestiegen", erläutert Beiner in einer Pressemitteilung zur Veröffentlichung. "Auch die Zahl internationaler Hochschulkooperationen nimmt weiter zu." 

Hochschul-Kooperationen konzentriert in drei Bundesländern 

Die Hochschulen in Deutschland waren laut HRK-Hochschulkompass im Juli 2025 an rund 37.000 Kooperationen mit Hochschulen in anderen Ländern beteiligt. Kooperationsvereinbarungen tragen laut "Wissenschaft weltoffen" zu Studienfortschritten und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bei, fördern interkulturelle Kompetenzen und gewährleisten somit den Bestand der internationalen Zusammenarbeit. 

Knapp die Hälfte aller internationalen Kooperationen wurde von Hochschulen in Baden-Württemberg (18 Prozent), Bayern (15 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (14 Prozent) eingegangen. Dies ist der Analyse zufolge vor allem auf die hohe Anzahl und die Größe der dort ansässigen Hochschulen zurückzuführen. In Bundesländern mit weniger und zumeist auch kleineren Hochschulen wurden entsprechend weniger internationale Kooperationen unterhalten: in Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern jeweils knapp zwei und im Saarland ein Prozent. 

42 Prozent der Kooperationen deutscher Hochschulen existieren mit westeuropäischen Ländern. "Hier waren Frankreich, Spanien und Italien die Länder mit den meisten Kooperationsvereinbarungen, mit etwas Abstand gefolgt vom Vereinigten Königreich und Österreich", heißt es im Bericht. Die zweitmeisten Hochschulkooperationen bestanden mit Hochschulen in Mittel- und Südosteuropa (knapp 20 Prozent), gefolgt von Hochschulen in der Region Asien und Pazifik (knapp 15 Prozent) – hier vor allem mit China und Japan. 

Internationale Ko-Publikationen vor allem in kleinen Ländern 

"Wissenschaftliche Ko-Publikationen von Forschenden aus unterschiedlichen Ländern, die auf Basis von länderübergreifenden Kooperationen entstehen, stellen einen wesentlichen Indikator für die internationale Vernetzung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dar", ordnet die Analyse von DAAD und DZHW ein. Mithilfe von internationalen Publikations- und Zitationsdatenbanken ließen sich solche internationalen Ko-Publikations-Netzwerke analysieren. 

So wurden im Jahr 2023 von allen Publikationen, an denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Schweiz beteiligt waren, 72 Prozent gemeinsam mit Autorinnen und Autoren in anderen Ländern verfasst. Anteile von mehr als 60 Prozent verzeichnen von den betrachteten Ländern ansonsten nur Schweden (67 Prozent), die Niederlande (65 Prozent) und das Vereinigte Königreich (61 Prozent). Es folgen Frankreich (58 Prozent), Kanada (57 Prozent) und Deutschland (53 Prozent). 

Ausnahmslos hat in allen betrachteten Ländern der Anteil internationaler Ko-Publikationen seit 1999 zugenommen. Mit deutlichem Abstand zum wichtigsten Standort USA zählen Deutschland, das Vereinigte Königreich und China zu den wichtigsten Sitzen internationaler Ko-Autorinnen und Ko-Autoren. 

21 Prozent aller Promotionen durch internationale Promovierende 

Im Wintersemester 2024/25 waren laut Bericht rund 402.000 internationale Studierende und Promovierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben – rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Damit setze sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort. Die Zahl der internationalen Studienanfängerinnen und -anfänger hat mit 116.600 ebenfalls einen neuen Höchststand erreicht. Auf Masterniveau liegt der Anteil englischsprachiger an allen Studiengängen bei gut 18 Prozent, auf Bachelorniveau bei vier Prozent. 

Besonders hoch ist demzufolge der Anteil internationaler Studierender junger Menschen in Masterstudiengängen (26 Prozent) und Promotionsprogrammen (28 Prozent). Mehr als die Hälfte von ihnen ist laut Wissenschaft weltoffen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften eingeschrieben. Zugleich fallen die Studienabbrüche internationaler Studierender den aktuellen Daten nach geringer aus als bisher angenommen: Ihre Abbruchquoten liegen relativ nah bei denen deutscher Studierender. "Ihr Studienerfolg und der erfolgreiche Einstieg ins Berufsleben sind mit Blick auf Fachkräftemangel und demografischen Wandel zentral für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Deutschland", sagte DAAD-Präsident Professor Joybrato Mukherjee in einer Pressemitteilung. 

An der Promovierenden-Kohorte 2021/22 sind internationale Promovierende laut Analyse mit 25 Prozent stark vertreten und damit auch für eine starke Forschungsleistung verantwortlich. Die Zahl der von internationalen Promovierenden abgeschlossenen Promotionen wächst dem Bericht zufolge seit Jahren und hat mit 5.561 im Jahr 2023 einen neuen Höchststand erreicht. Damit wurde jede fünfte Promotion (21 Prozent) in Deutschland von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern abgeschlossen. 

63 Prozent der befragten internationalen Promovierenden gaben an, in der Wissenschaft bleiben zu wollen – im Vergleich zu 25 Prozent der inländischen Promovierenden. "Diese Tendenz zeigt sich in den meisten Fächergruppen und macht internationale Promovierende zu einer personellen Ressource mit großem wissenschaftlichem Potenzial für den Forschungsstandort Deutschland", heißt es dazu im Bericht. Fast ein Viertel von ihnen plant eine dauerhafte Tätigkeit außerhalb Deutschlands, nahezu die Hälfte ist bezüglich eines Verbleibs hierzulande noch unentschlossen.

cva