Europäischer Forschungsrat
89 Starting Grants für deutsche Forschungs-Einrichtungen
Mit insgesamt 705 Millionen Euro werden 421 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützt, die sich einer frühen Phase ihrer Karriere befinden. Das hat der Europäische Forschungsrat (ERC) am 3. September bekannt gegeben. Für die Starting Grants 2026 hatten sich insgesamt 4.807 Forschende beworben. 8,8 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber können gefördert werden.
ERC-Präsidentin Professorin Maria Leptin bezeichnet die Kreativität und den Ehrgeiz der Geförderten in ihrer Stellungnahme als "inspirierend". Über 50 Nationalitäten seien unter ihnen vertreten. "Die ERC Starting Grants geben ihnen in der frühen Phase ihrer Karrieren die Unabhängigkeit und Unterstützung, die sie benötigen, um wissenschaftliche Grenzen zu verschieben", so Leptin.
Die meisten der 421 Stipendiatinnen und Stipendiaten – insgesamt 89 – arbeiten laut ERC an Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland. Auf Platz zwei und drei folgen das Vereinigte Königreich (UK) mit 47 und Frankreich mit 38 Grants. Unter den Geförderten sind – neben vielen anderen Nationalitäten – 84 Deutsche, 50 Personen aus Italien sowie 30 Forschende aus Frankreich. Fünf Prozent der Stipendiatinnen und Stipendiaten (insgesamt 21) arbeiten außerhalb Europas, davon 20 in den USA. Insgesamt werden 248 Männer, 172 Frauen sowie eine non-binäre Person gefördert. Der ERC schätzt, dass durch die finanzielle Unterstützung der Forschungsprojekte mehr als 2.700 neue Arbeitsstellen geschaffen werden können.
Lebenswissenschaften schneiden in Deutschland am besten ab
Nach Fächergruppen verteilen sich die Förderungen auf die Lebenswissenschaften mit 113 Stipendien (1.261 Bewerbungen). Darunter fallen etwa Biologie oder medizinische Fächer. Die Natur- und Ingenieurwissenschaften, wie beispielsweise Mathematik oder Physik, bekommen 169 Grants (1.971 Bewerbungen). An die Geistes- und Sozialwissenschaften gehen 139 der Förderungen (1.575 Bewerbungen). In Deutschland sind die Lebenswissenschaften besonders stark vertreten. In diesen Bereich entfielen 35 Förderzusagen. Die beiden anderen Fächergruppen verzeichnen jeweils 27 Grants. Ein anderes Bild ergibt sich in UK: Hier gingen 25 Förderungen an die Geistes- und Sozialwissenschaften, 14 an Natur- und Ingenieurwissenschaften und acht an die Lebenswissenschaften.
Die geförderten Projekte sind thematisch weit gefächert. So erhält Dr. Sophia Dege-Müller von der Universität Hamburg zum Beispiel einen Starting Grant von rund 2,5 Millionen Euro, der es ihr ermöglichen soll, mit einem Team aus fünf Forschenden alte religiöse Handschriften zu untersuchen. Der Bonner Neurowissenschaftler Professor Lukas Kunz bekommt etwa 1,5 Millionen Euro, um den Zusammenhang zwischen der Aktivität von Nervenzellen und komplexen geistigen Leistungen zu untersuchen. Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle wird die Hydrologin Dr. Larisa Tarasova indes mit 1,5 Millionen Euro Förderung versuchen, die Vorhersage von Extremereignissen wie Hochwasser oder Dürren zu verbessern.
Höchste Zahl an Bewerbungen im Horizon-Europe-Programm
Die Förderausschreibung der Starting Grants verzeichnete 2026 mit 4.807 Anträgen die höchste Bewerbungszahl seit Aufnahme des Horizon-Europe-Programms im Jahr 2021. Damals waren es 4.066 Anträge. Im Vergleich zu 2025 (3.928 Bewerbungen) meldete der ERC einen Zuwachs von 22 Prozent. Aufgrund der steigenden Bewerbungszahlen und der zunehmenden Arbeitsbelastung der Gutachterinnen und Gutachter hatte Leptin im April angekündigt, die Bewerbungskriterien zu verschärfen. Nachdem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dagegen protestierten, nahm der ERC das Vorhaben zurück, behielt sich Änderungen für künftige Förderrunden jedoch vor.
Die Ausschreibung für die Starting Grants 2027 läuft bereits seit dem 22. Juli. Forschende, deren Verteidigung der Dissertation nicht länger als zehn Jahre zurückliegt, können sich noch bis zum 14. Oktober bewerben.
hae