In einem Türfenster eines Geschäfts hängt ein Schild mit der Aufschrift "Wir suchen dich!"
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Arbeitsmarkt
Arbeitslosenquote bei Menschen mit Hochschulabschluss auf Allzeithoch

Hochgebildet und trotzdem arbeitslos. In Deutschland waren 2024 durchschnittlich 290.000 Personen mit akademischem Abschluss ohne Arbeit.

21.08.2025

Im Vergleich zu 2023 ist die Arbeitslosigkeit bei Akademikerinnen und Akademikern 2024 um rund 19 Prozent von durchschnittlich 243.000 (etwa 2,5 Prozent) auf 290.000 (rund drei Prozent) angestiegen. Das zeigen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA). 

Langfristig gesehen sind demzufolge Arbeitskräfte mit Hochschulabschluss selten von Arbeitslosigkeit betroffen: Seit 2007 liegt die Arbeitslosenquote kontinuierlich unter drei Prozent. Leicht überdurchschnittlich sei sie beispielsweise bei den absolvierten Studienfächern Redaktion, Journalismus, Public Relations, Verlagswesen, Geschichte, Werbung, Marketing, Biologie, Biochemie, Biotechnologie sowie Sprach- und Literaturwissenschaften (2023). 

Im vergangenen Jahr sind neu gemeldete Stellenangebote mit hochkomplexen Anforderungen der Bundesagentur zufolge auf 206.000 Stellenangebote zurückgegangen. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr sei mit zwölf Prozent kräftiger ausgefallen als berufsübergreifend mit acht Prozent. Bei den Hochqualifizierten habe sich die derzeitige wirtschaftliche Stagnation stärker niedergeschlagen. Wer heute einen Masterstudiengang abschließe, habe in einer wirtschaftlich stabilen Zeit sein Studium begonnen – erst dann seien die Pandemie, die Rezession und der Stellenabbau ein Thema geworden, erläutert Professor Malte Sandner gegenüber DIE ZEIT. 

Perspektivisch wird sich dieser Trend laut aktueller Zahlen zum Arbeitsmarkt zumindest nicht kurzfristig ändern. Dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge lag die Zahl der offenen Stellen im ersten Quartal 2025 nochmals um 25 Prozent niedriger als bereits im ersten Quartal 2024. "Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt zum Beginn des Jahres 2025 deutlich abgekühlt", erklärte IAB-Forscher Alexander Kubis dazu in einer Pressemitteilung. 

Demografisch bedingtes erhöhtes Ausscheiden aus Erwerbsleben 

Die Zahl erwerbstätiger Akademikerinnen und Akademiker ist laut BA seit 2013 um knapp drei Millionen auf fast elf Millionen im Jahr 2023 gestiegen. Dies spiegele den "fortschreitenden Strukturwandel hin zu einer wissensgeprägten Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft" wider. Fast drei Viertel der erwerbstätigen Akademikerinnen und Akademiker übe eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus. Hinzu kämen zwölf Prozent Selbständige und der Beamtenstatus bei 14 Prozent. 

"Knapp jeder vierte Erwerbstätige mit akademischem Abschluss war 2023 mindestens 55 Jahre alt", weist die BA auf die demografische Entwicklung und mittelfristigen "Ersatzbedarf" hin. Der Anteil der älteren Akademikerinnen und Akademiker sei aufgrund geburtenstarker Jahrgänge und längerer Erwerbstätigkeit gestiegen. Ab dem Jahr 2029 erreichen bis zum Jahr 2033 jährlich mindestens 2.000 Professorinnen und Professoren in Deutschland das 65. Lebensjahr, geht aus einer Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervor. 

Die BA prognostiziert, dass es insbesondere in den Bereichen Medizin und Bauwesen altersbedingt zu Engpässen und dem sogenannten Fachkräftemangel kommen könnte, da hier rund ein Drittel ausscheiden werde. Weitere stark betroffene Berufsgruppen seien in der Öffentlichen Verwaltung, der Psychologie oder den Rechtswissenschaften auszumachen. "Anteilig sehr wenig ältere Erwerbstätige finden sich dagegen in Mediengestaltung, Werbung und Marketing sowie in MINT-Berufen", erläutert die Agentur.

cva