Frau mit Laborkittel in einem Labor vor Mess- und Versuchsgerätschaften: Es ist Sara Wickström
Marcus Gloger / Körber-Stiftung

Körber Stiftung
Biomedizinerin Sara Wickström mit Körber-Preis 2026 gewürdigt

Die finnische Medizinerin und Zellbiologin erhält die mit einer Million Euro dotierte Auszeichnung. Sie entdeckte, dass Zellen "fühlen" können.

24.06.2026

Die Forschungsdirektorin an der Medizinischen Fakultät der Universität Helsinki und Direktorin am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, Professorin Sara Wickström, erhält den Körber-Preis 2026 für die Europäische Wissenschaft. Darüber informierte die Körber Stiftung am 23. Juni in einer Pressemitteilung. 

Den entscheidenden Durchbruch habe die heute fünfzigjährige Forscherin bereits 2016 erzielt. Wickström habe einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt, mit dem Zellen ihre Umgebung wahrnehmen: Zellen "fühlen" physische Kräfte wie Druck oder Zug und können sie bis in ihr Erbgut hinein verarbeiten. Auf diese Weise könnten allein durch physische Einwirkung einzelne Gene an- oder ausgeschaltet werden – ein entscheidender Faktor dafür, wie sich eine Zelle entwickelt oder wie Gewebe nach Verletzungen heilt. 

Damit gilt Wickström als eine der Begründerinnen der Zellkern-Mechanobiologie, die den Einfluss physischer Kräfte auf Zellen untersucht, so die Körber Stiftung. Langfristig könne ihre Forschung zur Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs, Organvernarbungen und andere, häufig altersbedingte Erkrankungen beitragen. 

Eine Million Euro im Einsatz gegen krankhafte Vernarbungen 

Die Bedeutung Wickströms Entdeckung reiche weit über die Grundlagenforschung hinaus. "Sara Wickström hat die moderne Zellbiologie nachhaltig geprägt", sagte Professor Edvard Moser, Medizin-Nobelpreisträger und Vorsitzender des Körber-Preis-Komitees für Lebenswissenschaften, laut Pressemitteilung. "Ihre Arbeiten zeigen auf, wie Physik und Biologie im Körper zusammenwirken, und legen die Grundlage für künftige Fortschritte in der Medizin." 

Mit dem Preisgeld wolle Wickström untersuchen, ob Zellen ein "Gedächtnis" für Verletzungen und mechanische Belastungen entwickeln. Ihre Vermutung: Krankhafte Veränderungen des Gewebes könnten Spuren im direkten Umfeld der DNA hinterlassen und Zellen langfristig in einem schädlichen Zustand festhalten. Die Forscherin möchte herausfinden, wie solche biologischen Erinnerungen entstehen und ob sie sich beeinflussen lassen. Langfristig könnten daraus neue Ansätze entstehen, um krankhafte Vernarbungen an Organen wie Haut, Lunge und Nieren zu verhindern, chronische Wunden besser zu heilen oder Organe vor fortschreitender Fibrose zu schützen. 

Die Körber-Stiftung zeichnet mit dem Körber-Preis seit 1985 jährlich einen Forschungsdurchbruch in den Physical oder Life Sciences in Europa aus. Prämiert werden exzellente und zukunftsweisende Forschungsansätze mit hohem Anwendungspotential. Nach Verleihung des Körber-Preises erhielten bislang acht Preisträgerinnen und Preisträger den Nobelpreis. Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft wird Sara Wickström laut Stiftung am 18. September 2026 im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses überreicht.

Biografisches zu Sara Wickström 

Die 1976 geborene Finnin absolvierte nach ihrem Medizinstudium an der Universität Helsinki ein Graduierten-Programm, welches sie 2001 mit dem Titel Medical Doctor und 2004 mit einer Doktorarbeit (PhD) abschloss. 

Nach ihrer Promotion forschte sie am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München, bevor sie 2010 eine eigene Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln aufbaute. 

International bekannt wurde sie als eine der Begründerinnen der Zellkern-Mechanobiologie. Für ihre Forschung erhielt Wickström zahlreiche internationale Auszeichnungen und wurde 2020 in die Europäische Organisation für Molekularbiologie (EMBO) gewählt. 

Aktuell arbeitet Sara Wickström als Direktorin am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster und ist Forschungsdirektorin an der Medizinischen Fakultät der Universität Helsinki.

cva