OECD-Studie
Deutschland bezahlt akademisches Personal überdurchschnittlich
Deutschland hat im internationalen Vergleich einen hohen Anteil an MINT-Abschlüssen: 35 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen schließen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik ab. Dies ist ein Spitzenwert weltweit, wie der jährlich erscheinende OECD-Bericht "Education at a Glance" bestätigt.
Die Ergebnisse aus dem Länderbericht für Deutschland stellte die OECD gemeinsam mit dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und der Kultusministerkonferenz (KMK) in der Bundespressekonferenz am 9. September vor.
Der jährliche Bericht hat das Ziel, anhand von quantitativen Indikatoren einen Vergleich der Bildungssysteme von 38 OECD-Staaten sowie weiteren Beitrittsländern und Partnerstaaten zu ermöglichen. Schwerpunktthema des diesjährigen Berichts ist die tertiäre Bildung.
Anteil an tertiären Bildungsabschlüssen auf 40 Prozent gestiegen
Den Studienergebnissen zufolge hat der Anteil junger Erwachsener (25- bis 34-Jährige) mit Tertiärabschluss in Deutschland von 33 Prozent (2019) auf 40 Prozent (2024) zugenommen. Er liegt damit jedoch weiterhin unter dem OECD-Durchschnitt von 48 Prozent.
Laut Präsidentin der Wissenschaftsministerkonferenz Bettina Martin zeigen die Ergebnisse der Studie, dass sich die Anstrengungen von Bund und Ländern in den vergangenen Jahren gelohnt haben. Der wachsende Anteil junger Erwachsener mit einem Hochschul- oder Meisterabschluss sei eine gute Entwicklung, denn Deutschland brauche zunehmend hochqualifizierte Fachkräfte.
Auch seien die deutschen Hochschulen in den vergangenen zehn Jahren für ausländische Studierende immer attraktiver geworden, so Martin. So ist der Anteil internationaler Studierender laut OECD zwischen 2013 und 2023 deutlich von 7,1 Prozent auf 12,7 Prozent (entspricht 423.000 internationalen Studierenden) gestiegen. Er liegt damit weit über dem OECD-Durchschnitt von 7,4 Prozent. Damit verzeichnet Deutschland die vierthöchste Gesamtzahl an internationalen Studierenden nach den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und Australien.
"Damit der Hochschulstandort Deutschland auch zukünftig attraktiv bleibt, muss unter anderem massiv in die Infrastruktur investiert werden."
Bettina Martin, Präsidentin der Wissenschaftsministerkonferenz
"Damit der Hochschulstandort Deutschland auch zukünftig attraktiv bleibt, muss unter anderem massiv in die Infrastruktur investiert werden. Ich begrüße daher sehr, dass die Bundesregierung eine Schnellbauinitiative im Hochschulbau angekündigt hat", sagte Martin. Deutschland brauche eine Infrastruktur, die auf dem neuesten Stand ist, vom Labor über den Hörsaal bis zur Mensa.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär zeigte sich in ihren Kommentaren begeistert und "ermutigt" darüber, dass Deutschland den Studienergebnissen nach ein hochqualifiziertes MINT-Land ist: "In keinem anderen Land der Welt macht ein höherer Anteil der Absolventinnen und Absolventen im Tertiärbereich einen Abschluss in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik." Das ist aus Bärs Sicht als "großer Standortvorteil Deutschlands" zu bewerten. "Dieses Potential gilt es, weiter zu heben – mit der Weiterentwicklung des MINT-Aktionsplans, mit MissionMINT sowie durch eine große BAföG-Reform, die die Reichweite der Förderung ausbaut und die Leistungen verbessert", fügte sie hinzu. Zu den weiteren Plänen des BMFTR ergänzte sie: "Neue Technologien sollen zum Markenzeichen Deutschlands werden."
Deutschlands Investitionen in Bildung unterdurchschnittlich
Die Bildungsausgaben pro Person im Primar- bis Tertiärbereich liegen in Deutschland mit durchschnittlich rund 18.000 US-Dollar (USD) pro Jahr über dem OECD-Durchschnitt von rund 15.000 US-Dollar, besagt die Studie.
Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) erreichen die Bildungsinvestitionen in Deutschland demnach mit 4,4 Prozent jedoch nicht den OECD-Durchschnitt von 4,7 Prozent und sind deutlich geringer als in Ländern wie Norwegen und dem Vereinigten Königreich, die über sechs Prozent ihres BIP in Bildung investieren.
Der Anteil geringqualifizierter junger Erwachsener hat laut Ländervergleich in Deutschland ebenfalls zugenommen. 15 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland haben weder die (Fach-)Hochschulreife noch eine Berufsausbildung (2019: 13 Prozent). "Angesichts der erheblichen Kompetenzunterschiede zwischen Personen mit Tertiärabschluss und Personen ohne Abschluss im Sekundarbereich II ist die wachsende Kluft bei den Bildungsabschlüssen in Deutschland besonders Besorgnis erregend", resümiert die OECD im Länderbericht Deutschland.
Der größte Effekt der Tertiärbildung ist das Einkommen
Bezüglich der Erwerbslosenquoten sind die Unterschiede zwischen dem Tertiär- und Sekundarbereich minimal: Diese sind demzufolge mit 2,5 Prozent bei 25- bis 64-Jährigen mit Tertiärabschluss und 2,6 Prozent bei denjenigen mit Abschluss im Sekundarbereich II nahezu identisch. Der größte Arbeitsmarkteffekt der Tertiärbildung liege im Erwerbseinkommen: 25- bis 64-Jährige mit Tertiärabschluss verdienen demnach im Durchschnitt 50 Prozent mehr als Personen mit einem Abschluss im Sekundarbereich II, was nahe am OECD-Durchschnitt von 54 Prozent Mehrverdienst liegt.
Die Studienergebnisse heben hervor, dass Personen mit Master oder gleichwertigem Abschluss durchschnittlich deutlich höhere Beschäftigungsquoten und Erwerbseinkommen haben als Personen mit Bachelor oder gleichwertigem Abschluss. Bachelor oder gleichwertige Bildungsprogramme sind in den meisten OECD-Ländern der geläufigste Einstieg in den Tertiärbereich. Im Durchschnitt schreiben sich 78 Prozent der Erstsemester in einen solchen Studiengang ein – in Deutschland sind es 82 Prozent.
Hierzulande besitzen 15 Prozent der 25- bis 34-Jährigen einen Master oder gleichwertigen Abschluss (2019: 14 Prozent). Das entspricht in etwa dem OECD-Durchschnitt von 16 Prozent. Arbeitskräfte mit einem Tertiärabschluss in MINT-Fächern haben besonders gute Verdienstaussichten.
Deutsche Hochschulmitarbeitende verdienen überdurchschnittlich
Die durchschnittlichen tatsächlichen Gehälter aller Hochschulmitarbeitenden in akademischen Laufbahnen ähneln denen von Hochschulabsolventinnen und -absolventen in anderen Berufsfeldern. "In den 18 Ländern und Volkswirtschaften mit verfügbaren Informationen variieren die gesetzlichen Gehälter von Hochschulmitarbeitenden innerhalb der Systeme stark", differenziert die Studie weiter. Die Gehälter des akademischen Personals ändern sich in Deutschland mit höherer Senioritätsstufe erheblich. Hochschullehr- und Forschungspersonal in einer frühen Karrierephase – einschließlich angestellter Doktorandinnen und Doktoranden – verdient demnach häufig deutlich weniger als das Durchschnittsgehalt von ganzjährig Vollzeitbeschäftigten mit Tertiärabschluss.
"In Deutschland verdient akademisches Personal in einer frühen Karrierephase 26 Prozent weniger als Arbeitskräfte mit mindestens einem Bachelor- oder gleichwertigen Abschluss, während akademisches Personal auf der höchsten akademischen Ebene 59 Prozent mehr verdient", heißt es vergleichend in der Länderbetrachtung für Deutschland. "Im Durchschnitt der OECD-Länder und -Volkswirtschaften liegen die tatsächlichen Gehälter zwischen 61.958 USD für Nachwuchskräfte, 73.682 USD für mittleres Personal und 108.255 USD für leitende Angestellte", besagt die Studie.
"Die tatsächlichen Durchschnittsgehälter des akademischen Personals auf höchsten Positionen sind in Deutschland deutlich höher als in allen anderen OECD-Ländern, für die Daten vorliegen."
Bildung auf einen Blick 2025, Länderbericht Deutschland
Die tatsächlichen Durchschnittsgehälter des akademischen Personals auf höchsten Positionen an Hochschulen seien in Deutschland deutlich höher als in allen anderen OECD-Ländern, für die Daten vorliegen. Laut Übersichtstabelle erreichen hierzulande die Maximalgehälter rund 165.000 USD ohne die Berücksichtigung zusätzlicher Prämien und Zulagen. Auf Platz zwei befindet sich Israel mit knapp 150.000 USD gefolgt von Österreich mit etwa 135.000 USD.
Die OECD-Studie betont, dass die Attraktivität einer akademischen Karriere auch von Faktoren wie „Forschungsautonomie, Anerkennung und Kooperationsmöglichkeiten sowie der Ausgewogenheit zwischen Lehre, Forschung und Verwaltungsaufgaben“ abhänge und nicht nur von attraktiven Gehältern.
cva