Fahne von Austrittsbefürwortern in England
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Großbritannien
Forscher erhält kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in England

Der deutsche Wissenschaftler Lars Chittka forscht seit Jahren in Großbritannien. Nach dem Brexit sieht er dort keine berufliche Zukunft mehr für sich.

16.01.2019

Ein deutscher Forscher ist mit seinem Antrag auf ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Großbritannien gescheitert. Seit 16 Jahren forscht und lehrt Professor Lars Chittka in England. Der Biologe untersucht an der Queen Mary Universität in London insbesondere das Verhalten von Bienen.

Wie viele Engländer traue er dem 'settlement scheme' der britischen Regierung nicht. "Es ist wahrscheinlich, dass sich die damit verbundenen Bedingungen und Rechte jederzeit ändern", sagte er gegenüber der britischen Zeitschrift "Times Higher Education". Daher habe er einen Antrag auf ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht gestellt, der "ohne die Möglichkeit, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen" abgelehnt worden sei.

Das "settlement scheme" soll das Aufenthaltsrecht von in Großbritannien lebenden EU-Bürgern nach 2020 sicherstellen. Dann würde bei einem geregelten Brexit, also einem Austritt auf Grundlage eines Vertrags, eine sogenannte Übergangsphase im Anschluss an den für den 29. März geplanten Brexit enden. Tritt Großbritannien ohne einen solchen Vertrag aus, entfält eine solche Übergangsphase.

 

 

Chittka überlege jetzt, Großbritannien zeitnah zu verlassen. "An diesem Punkt scheint es einfacher und zukunftsweisender, mich in einem Land für einen Job zu bewerben, in dem meine Arbeit geschätzt wird und in dem ich mir meines Aufenthaltsrechts und der Finanzierung meiner Forschung sicher sein kann", sagte der Vater zweier Söhne mit britischer Staatsbürgerschaft.

Chittka forscht mit einem ERC Advanced Grant und ist Redakteur für die Fachzeitschrift "Plos Biology". Ein Sprecher der Queen Mary Universität bedauerte auf Anfrage von THE, dass Forscher wie Chittka wegen des Brexits wegzögen. Er sei ein überaus geschätzter Kollege, dessen Forschung und Lehre als "weltweit führend" wahrgenommen werde.

kas