Gleichstellungsmonitor 2025
Frauenanteil an Professuren minimal auf 29 Prozent gestiegen
Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat kürzlich den Gleichstellungsmonitor Wissenschaft und Forschung 2025 veröffentlicht. Dieser stellt fest, dass der Frauenanteil an Professuren von 28 auf knapp 29 Prozent gestiegen ist. Die sogenannte Leaky Pipeline, die Frauen ihren akademischen Karriereweg insbesondere auf höheren Karrierestufen abbrechen lässt, bestehe allerdings unverändert fort.
Der Monitor beleuchtet jährlich die Situation von Frauen im deutschen Wissenschaftssystem und ordnet Entwicklungen ein. Für Parität brauche es laut GWK dringend einen umfassenden Kulturwandel hin zu geschlechtergerechten Strukturen. Aktuell sei aber national wie international eher eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten, dem sowohl wissenschaftlich als auch wissenschaftspolitisch entschieden entgegenzutreten ist.
Auch die Ergebnisse einer Erhebung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), dass bis 2033 rund 44 Prozent der Hochschulprofessuren aufgrund der anstehenden Emeritierungswelle neu besetzt werden müssten, sollten laut GWK als Chance für mehr Parität begriffen werden.
Professuren-Parität bei gleichbleibendem Fortschritt erst 2054
Der aktuelle Bericht bezieht sich auf die Situation im Zeitraum 2023/2024. Im Zehnjahresvergleich wird deutlich, dass sich der Anteil von Frauen von 2013 bis 2023 auf den verschiedenen Qualifikationsstufen unterschiedlich stark erhöht hat:
- Erstimmatrikulationen von 49,8 auf 52,4 Prozent,
- Studienabschlüsse von 51,2 auf 53,1 Prozent,
- Promotionen von 44,2 auf 46,3 Prozent und
- Habilitationen von 27,4 auf 36,9 Prozent.
Der Anteil der Professorinnen an Hochschulen ist im gleichen Zeitraum kontinuierlich von 21,3 auf 28,8 um fast sieben Prozent angestiegen – hier würde laut Pressemitteilung der GWK bei gleichbleibendem Tempo die Parität erst 2054 erreicht werden. Der Frauenanteil bei Berufungen ist von knapp 33 Prozent (2013) auf rund 40 Prozent (2023) angestiegen. "Auffällig sind die Berufungen auf Juniorprofessuren, die 2024 mit 51,2% (Vorjahr 50,9%) paritätisch erfolgten und deren Anteil weiter stieg", heißt es im Gleichstellungsmonitor.
"Wissenschaftliche Exzellenz erfordert Gleichstellung."
Falko Mohrs, GWK-Vorsitzender
Eine differenzierte Betrachtung nach Besoldungsgruppen ergibt zudem: je höher die Besoldungsgruppe, desto niedriger der Anteil von Frauen. Liegt der Frauenanteil im Jahr 2023 bei W1-Juniorprofessuren bundesweit bei etwas über 49 Prozent – also nah an der Parität –, sinkt er bei C3/W2-Professuren auf rund 29 Prozent und bei C4/W3-Professuren auf 25 Prozent.
Mit Blick auf die außerhochschulischen Forschungseinrichtungen zeigt der Gleichstellungsmonitor 2025, dass der Frauenanteil an Führungspositionen bei Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft und Leibniz-Gemeinschaft im Vergleichszeitraum von 2014 bis 2024 insgesamt von fast 15 Prozent auf rund 26 Prozent gewachsen ist. Das entspricht in etwa den Wachstumsraten der professoralen Frauenanteile an Hochschulen.
Schwerpunkt Gleichstellung
Leaky Pipeline, gläserne Decke, Pay Gap: Wie entwickelt sich die Gleichstellung von Frauen und anderen an der Hochschule unterrepräsentierten Gruppen? In unserem Online-Schwerpunkt "Gleichstellung" finden Sie ausgewählte Beiträge zu Aspekten der Gleichstellung in der Wissenschaft.
Wertvolles Potential für Exzellenz und Spitzenleistung verloren
GWK-Vorsitzender Falko Mohrs sagte anlässlich der Veröffentlichung des Gleichstellungsmonitors am 16. Oktober, dass mit den Frauen "wertvolles Potential" verloren gehe. "Wissenschaftliche Exzellenz erfordert Gleichstellung – ohne sie gefährden Bund und Länder ihre Zukunftsfähigkeit", erläuterte er.
Die stellvertretende GWK-Vorsitzende und Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, unterstreicht: "Nach wie vor sind weniger als ein Drittel der Professorinnen- und Professorenstellen in Deutschland mit Frauen besetzt. Unser Anliegen ist eindeutig: Wir stehen für echte Gleichstellung." Deshalb engagierten sich Bund und Länder mit dem Professorinnenprogramm 2030 für die Gleichstellung an den Hochschulen. "Denn nur wenn alle Talente zur Entfaltung kommen, ist Spitzenforschung möglich", fügte sie hinzu.
cva