Karriere

Von der Promotion über die Postdoc-Phase bis zur Professur – diese Rubrik unterstützt mit kurzen Ratgeber-Texten und ausführlichen Hintergrund-Artikeln Ihre berufliche Karriere.


Prof. Dr. med. Gabriele Gillessen-Kaesbach
Elena Vogt/Universität zu Lübeck

Serie: Frauen an der Uni-Spitze
Gabriele Gillessen-Kaesbach

Professorin Gabriele Gillessen-Kaesbach leitet die Universität zu Lübeck. Die Zahl der Bewerbungen für das Präsidentenamt hat sie überrascht.

19.02.2019

Name: Prof. Dr. med. Gabriele Gillessen-Kaesbach

Position: Präsidentin der Universität zu Lübeck (UzL) seit Januar 2018

Wie sich der Schritt zur Hochschulleitung ergeben hat:   

Gabriele Gillessen-Kaesbach: "Seit der Übernahme der Leitung des Instituts für Humangenetik der UzL 2006 habe ich mich in den unterschiedlichen akademischen Gremien wie Promotionskommission, Forschungskommission, Habilitationskommission, Konvent und Senat engagiert. Außerdem war ich für drei Jahre Vizepräsidentin für Forschung. Während dieser Zeit wurde mir auch die Vorbereitung und Organisation der Begutachtung durch den Wissenschaftsrat übertragen, die sehr erfolgreich verlief und mir die Gelegenheit gab, die 50-jährige Geschichte unserer Universität bestens kennenzulernen. Diese Überlegungen haben schließlich dazu geführt, zu kandidieren. Mit dieser Entscheidung war auch der Entschluss verbunden, die Leitung des Instituts für Humangenetik aufzugeben, sollte ich gewählt werden."

Die Position der Universitätspräsidentin ist für mich eine reizvolle Tätigkeit weil:

Gabriele Gillessen-Kaesbach: "...die Universität zu Lübeck ein wirklich besonderer und überschaubarer Standort ist. Die Zahl der Studierenden ist zwar in den letzten zehn Jahren gewachsen, aber mit etwa 5.000 ist die UzL immer noch eine sehr kleine Hochschule, die einen persönlichen Kontakt zu Studierenden der Medizin- und MINT-Sektion ermöglicht, was mir sehr wichtig ist. Besonders positiv empfinde ich auch das kollegiale Miteinander und die Zusammenarbeit innerhalb des Präsidiums. Diese Basis ist wichtig und hilfreich, um die gute wissenschaftliche Entwicklung der UzL strategisch weiter voranzubringen. Besonders reizvoll empfinde ich auch die Möglichkeit, mich für Fundraisingprojekte unserer Stiftungsuniversität zu engagieren."

Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale, die in dieser Position besonders wichtig sind:

Gabriele Gillessen-Kaesbach: "Ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit zuhören zu können, schnelle Auffassungsgabe, Entscheidungsfreude, wenn nötig Pragmatismus, Kompromissfähigkeit, Belastbarkeit, Flexibilität."

Welchen Schwierigkeiten ich gegenüberstand:

Gabriele Gillessen-Kaesbach: "Ich war überrascht, dass es eine unerwartet hohe Zahl von Bewerbungen für das Präsidentenamt gab. Somit war der Auswahlprozess wirklich sehr spannend. Da ich die Kollegen des Präsidiums und viele Mitglieder der Verwaltung bereits gut kannte, konnte ich meine Tätigkeit als Präsidentin von Beginn an ohne 'systembedingte' Schwierigkeiten beginnen."

Wie es mehr Frauen in die Hochschulleitung schaffen können:

Gabriele Gillessen-Kaesbach: "Die Frage gilt allgemein für das Problem, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen. Um das zu erreichen, müssen sich die Arbeitsbedingungen für Frauen deutlich verbessern, unter anderem durch flexiblere Arbeitszeiten, mehr Plätze für die Kinderbetreuung und bessere Öffnungszeiten der Kitas. Außerdem bedarf es einer gesellschaftlichen Diskussion zu diesem Thema. Frauen selbst können zur Verbesserung beitragen, indem sie sich wie ihre männlichen Kollegen vermehrt in Netzwerken engagieren. Generell ist zu hoffen, dass sich der positive Trend einer Zunahme von Frauen in der Hochschulleitung weiter verstärkt."

Über eine Quote zur Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen denke ich:    

Gabriele Gillessen-Kaesbach: "Grundsätzlich habe ich Probleme mit Quoten. Führungspositionen sollten qualifizierte Frauen und Männer entsprechend ihrer Leistung und Eignung vergeben werden. Dennoch glaube ich, dass wir  eine Quote brauchen, um Politik und Gesellschaft immer wieder auf die Problematik von Frauen in Führungspositionen hinzuweisen."  
        
kas