Teilnehmende auf dem Falling Walls Summit und Bildschirm mit der Aufschrift "Welcome to the Falling Walls Breakthroughs"
Falling Walls Foundation/Thomas Trutschel

Falling Walls Science Summit
Hunderte innovative Ideen an einem Ort

Beim Falling Walls Science Summit in Berlin werden die Science Breakthrough of the Year-Preise verliehen. Wie die Veranstaltung funktioniert.

Von Charlotte Pardey 06.11.2025

Ob man es Innovation oder Durchbruch nennt: Neue Forschungsideen sind gefragt. Sie können bisher unbekannte Anwendungen und weitere Erkenntnisse ermöglichen oder in künftige Produkte und Dienstleistungen münden. Was in einem anderen Wissenschaftsfeld funktioniert, kann vielleicht auch im eigenen Bereich hilfreich sein. Dazu muss man der Neuigkeit allerdings gewahr werden und sich international und interdisziplinär umsehen und austauschen.

Eine Gelegenheit dazu will der Falling Walls Science Summit in Berlin bieten. Das Versprechen der Konferenz: In kürzester Zeit sollen Teilnehmende sowie Besucherinnen und Besucher einen Überblick erhalten, was sich in der Wissenschaftsszene gerade bewegt und welche Fragen gegenwärtig diskutiert werden.

Seit 2009 findet die Konferenz jährlich um den 9. November, den Tag des Mauerfalls, statt. In diesem Jahr werden dabei etwa 500 Rednerinnen und Redner und über 2.000 Teilnehmende erwartet. Forschung & Lehre hat vorab mit dem Geschäftsführer des Science Summits, Dr. Andreas Kosmider, über die Veranstaltung und ihr Konzept gesprochen.

Auf der Suche nach neuen Ideen in der Wissenschaftswelt

Das Gipfeltreffen ist das Ergebnis von einem Jahr Arbeit der Falling Walls Foundation: "Dutzende Leute sind ein Jahr lang damit beschäftigt, die Welt durchzuscouten und herauszufinden: Was sind die neuen Ideen, was sind sprichwörtlich die nächsten Mauern, die fallen."

Die Rednerinnen und Redner gelangen auf Grund unterschiedlicher Auswahlprozesse nach Berlin. Beispielsweise werden in sechs Kategorien Science Breakthrough of the Year-Preise verliehen, bei denen die Preisträgerinnen und Preisträger bereits vorab bekannt sind. Sie präsentieren ihre Forschungen und Projekte auf dem Science Summit. Zudem finden im Rahmen der Konferenz drei Pitch-Wettbewerbe in den Bereichen Lab, Venture und Engage statt. Im Rahmen dieser Wettbewerbe stellen die Finalistinnen und Finalisten ihre Projekte in kurzen Präsentationen, den Pitches, vor. Am Ende werden die Siegerinnen und Sieger durch die jeweilige Jury gekürt.

Die 100 Finalistinnen und Finalisten des Pitch-Wettbewerbs im Bereich "Lab" haben sich dafür international in regionalen Vorentscheiden qualifiziert und insgesamt gegen 2.500 bis 3.000 andere Bewerberinnen und Bewerber durchgesetzt. Die Vorentscheide werden dabei von unterschiedlichen Veranstalterinnen und Veranstaltern ausgerichtet. Graduiertenprogramme, Postdoc-Offices oder auch einzelne leitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Fakultäten übernähmen die Organisation, erläutert Kosmider. Dazu kommen Regierungsorganisationen oder andere Wissenschaftsakteure.

"Es gibt ein Regelwerk und einen Corporate Identity Guide, die beschreiben, wie die Vorauswahl auszusehen hat."
Dr. Andreas Kosmider, Geschäftsführer des Science Summits

"Das Ganze funktioniert wie ein Franchise. Es gibt ein Regelwerk und einen Corporate Identity Guide, die beschreiben, wie die Vorauswahl auszusehen hat", berichtet Kosmider. Es müsse beispielsweise ein echter Wettbewerb sein, der für die gesamte Region offen ist und von einer unabhängigen akademischen Jury bewertet wird. Auch für die Bereiche Transparenz, Kommunikation und Datenschutz gebe es Vorgaben. Die regionalen Siegerinnen und Sieger werden nach Berlin eingeladen und haben dann drei Minuten Zeit, um auf der Bühne ihre Ideen zu präsentieren.

Im Pitch-Wettbewerb der Start-ups ("Venture") gehen Gründungen ins Rennen, die von einer akademischen Institution nominiert wurden, die für die Validität des wissenschaftlichen Fundaments bürgt. Aus diesen etwa 200 Nominierungen hat eine Jury die 25 Finalistinnen und Finalisten ausgewählt. Im Wettbewerb "Engage" halten Projekte aus den Bereichen Wissenschaftsvermittlung, Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus ihre Pitches. Die Vortragenden sind auf der Basis von Eigenbewerbungen ebenfalls von einer Jury ausgewählt worden.

Am Sonntag werden dann die Gewinnerinnen und Gewinner der Pitch-Wettbewerbe bekannt gegeben und die Awards verliehen.

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2025

"Falling Walls Science Breakthrough of the Year-Award" in Lebenswissenschaften:

Professorin Melina Schuh, Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften 

Schuh hat die erste Live-Imaging-Plattform entwickelt, mit der ein Eisprung in Echtzeit auf zellulärer Ebene sichtbar gemacht werden kann. Damit eröffnet sie neue Wege in der Erforschung der Frauengesundheit.


"Falling Walls Science Breakthrough of the Year-Award" in Physik:

Professor Jian-Wei Pan, Chinesische Universität für Wissenschaft und Technik

Pan und sein Team haben den weltweit ersten Quantenmikrosatelliten für die Echtzeit-Quantenschlüsselverteilung unter Verwendung mobiler Bodenstationen entwickelt.


"Falling Walls Science Breakthrough of the Year-Award" in Ingenieurwesen und Technologie:

Professorin Lu Fang, Tsinghua Universität, China

Fang hat mit dem "Taichi"-Chip den Weg für photonische Künstliche Intelligenz (KI) geebnet –eine KI, die extreme Energieeffizienz und Rechenleistung bietet.


"Falling Walls Science Breakthrough of the Year-Award" in Sozial- und Geisteswissenschaften:

Assistenz-Professorin Myriam Denov, McGill University, Kanada

Denov forscht über und mit Kindern, die durch sexuelle Gewalt in Kriegskontexten gezeugt wurden. Sie entwickelt Strategien für Politik und Praxis, die die Rechte der Betroffenen stärken und diesen neue Möglichkeiten eröffnen.


"Falling Walls Women’s Impact Award Breakthrough of the Year"

Professorin Ângela Gonçalves, Universität Heidelberg

Gonçalves erforscht den Einfluss des weiblichen Zyklus auf Alterung und Krankheit. Ihr Projekt kombiniert KI, Molekularbiologie und klinische Erkenntnisse, um nicht-invasive Instrumente für die Erkennung von Endometriose und Eierstockkrebs, eine personalisierte Versorgung und gesünderes Altern zu entwickeln.


"Falling Walls Science Breakthrough-Award" im Bereich Kunst und Wissenschaft:

Marco Barotti, Studio Marco Barotti, Berlin

Das Projekt Coral Sonic Resilience von Barotti verbindet Kunst und Wissenschaft: 3D-gedruckte, solarbetriebene Skulpturen senden die Geräusche gesunder Korallenriffe in geschädigte Ökosysteme, um deren Regeneration zu unterstützen.


Noch ausstehend sind die Preise für die Pitches in den Bereichen Lab (Breakthrough of the Year Emerging Talents), Venture (Breakthough of the Year Science Start-ups) und Engage (Breakthrough of the Year Science Engagement).

Alle Pitches zeichnen sich durch enge Zeitvorgaben für alle Vortragenden aus. Performanz und Emotionen sind dabei nicht unwichtig: "Das muss auch so sein, wenn man in kürzester Zeit etwas Neues lernen soll. Eine Präsentation muss einen doch irgendwie abholen und packen", erläutert Kosmider. Ihm selbst sei das auch nicht fremd: "Ich habe in meiner Studienzeit und auch danach viel Theater gespielt und darf mich nun als Regisseur von Falling Walls betätigen. So ein bisschen Showmanship liegt mir. Primär geht es mir um die Inhalte, aber ich mag auch den Eventcharakter des Science Summits."

"Falling Walls zeichnet sich durch eine hohe Diversität aus." 
Dr. Andreas Kosmider, Geschäftsführer des Science Summits

Von der Veranstaltung solle man vielfältige Anknüpfungsmöglichkeiten in alle erdenklichen Richtungen mitnehmen können, so Kosmider. "Falling Walls zeichnet sich durch eine hohe Diversität aus. Diese Vielfalt: international, interkulturell, interdisziplinär, intersektoral ist auch wirklich essentiell, damit man auf neue Ideen kommt."