Silhouette einer Frau auf einem Weg aus einer Kopfüber-Perspektive.
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Fragebogen: Am Ende optimistisch?
"Immer der eigenen Faszination und Intuition folgen."

Auf Anfrage von Forschung & Lehre blickt Germanistin Eva Geulen auf ihren Beruf und ihr Leben. Schwarzmalern rät sie, über den Tellerrand zu schauen.

27.07.2026

Was ist das Beste an Ihrem Beruf? 

Die Gegenstände sind unerschöpflich und voller Überraschungen. Gäbe es nicht den Filter der Kontingenz – Personen, Umstände, Gelegenheiten und begrenzte Zeit –, wäre die Fülle eine Zumutung. 

Welcher Rat war für Ihre berufliche Karriere besonders hilfreich? 

Immer der eigenen Faszination und Intuition zu folgen. Aber zusehends seltener sehe ich mich imstande, anderen dasselbe zu raten. Ich muss mir schon sehr sicher sein, dass für die Person, die ich berate, so wenig etwas anderes infrage kommt wie für mich. 

In der Wissenschaftspolitik gibt es viele Baustellen. Welche hat Vorrang? 

Die Wissenschaftsfreiheit. 

Was haben Sie vor Kurzem entdeckt? 

Dass Dinge, die einmal sehr wichtig waren, ihre Bedeutung mit der Zeit verlieren können, ohne dass man es merkt oder als Verlust verspürt, zum Beispiel meine jahrzehntelang gehüteten Bücherbestände. 

Welcher Illusion geben Sie sich gerne hin? 

Ein Buch von mehr als 200 Druckseiten zu schreiben. 

Was empfinden Sie als Glück? 

Empfunden wird da nichts: Entweder ich bin glücklich, oder ich bin es nicht. Wenn aber glücklich, dann nie allein. 

Was ist des Guten zu viel? 

Lob. Man braucht es da und dort, aber meistens lenkt es ab. 

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben? 

Ein Buch von mehr als 200 Druckseiten zu schreiben. 

F&L-Fragebogen: Am Ende optimistisch? Kevin Fuchs

Kurzvita: Professorin Eva Geulen

Ich bin nach zwei Semestern Studium der Germanistik und Philosophie in Freiburg i.Br. Anfang 1983 als Au-pair zu einer jüdischen Akademikerfamilie in Baltimore gegangen. Es sollte höchstens ein Jahr in den USA sein. Aber es wurden zwanzig. Es kamen: ein Mann, ein absolviertes Promotionsstudium der Germanistik an der Johns Hopkins University, ein gemeinsames Kind und eine universitäre Laufbahn in den USA, zuerst als Postdoc-Stipendiatin der Mellon Foundation an der Stanford University, zuletzt als Associate Professor an der New York University. 2003 sind Mutter, Vater und Kind nach Deutschland umgezogen, von Manhattan zunächst nach Bonn, wohin ich unerwartet, da ohne irgendeinen deutschen akademischen Abschluss, berufen worden war. Es folgten 2012 drei Jahre an der Goethe-Universität in Frankfurt a.M., bis ich im August 2015 die Leitung des Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung in Berlin übernehmen durfte.

Wie gehen Sie mit Durststrecken um? 

Heute besser als früher! Offenbar befähigt das Alter zum Abwarten und zur Langmut. Oft kommt einem dann irgendein Zufall zu Hilfe. 

Wovon lassen Sie sich inspirieren? 

Wenn ich das so genau anzugeben wüsste, gäbe es weniger Durststrecken.

Worüber haben Sie zuletzt gestaunt? 

Wie rasch und gründlich mir die Welt in den Jahren seit der Pandemie unvertraut geworden ist. Solange dieses Bewusstsein sich hält, kann man auch noch reagieren. Staunen war von jeher ein Innehalten, bei dem es nicht blieb. 

Wo werden Sie schwach? 

Bei üppigen Blumensträußen. 

Worüber können Sie lachen? 

Situativ Groteskes. Wilhelm Busch geht immer. 

Was gehört für Sie zu einem gelungenen Tag? 

Gute Lektüre. 

Was antworten Sie Schwarzmalern? 

Think outside the box. 

Ist Optimismus Pflicht? 

Das wäre schiere Ideologie.

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