Communicator-Preis 2026
Informatikerin aus Bamberg für KI-Vermittlung ausgezeichnet
Professorin Ute Schmid, Informatikerin aus Bamberg, wird als "langjährige und beständige Brückenbauerin zwischen Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Politik im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI)" mit dem Communicator-Preis 2026 ausgezeichnet. Das teilen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Stifterverband heute in einer Presseerklärung mit. Schmid habe mit ihrem Engagement die Grundlagen für eine sachkundige Debatte und eine souveräne, reflektierte Nutzung von KI-Anwendungen gelegt – und das nicht erst mit dem jüngsten Anwendungsboom, sondern schon seit den 1990er Jahren.
Die Jury – bestehend aus Kommunikationsexpertinnen und -experten und geleitet von DFG-Vizepräsident Professor Johannes Grave – hob hervor, dass sich Schmid nicht nur um eine technologische Perspektive auf Funktionsweise und Entwicklungspotentiale von KI bemühe, sondern auch um die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive. Dabei untersuche sie, welche Auswirkungen Entwicklung und Einsatz von KI auf Individuen und Gesellschaften haben. Übergeordnet verfolge die Informatikerin stets das Ziel, "Teilhabe zu ermöglichen und KI als eine gestaltbare gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen".
Zielgruppengerechte Wissenschaftskommunikation
Insbesondere die zielgruppenorientierte Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse fiel bei der Entscheidung ins Gewicht, so die Preisstifter. Diese richte sich nicht nur an Lehrende und Schülerinnen und Schüler an Grundschulen, sondern auch an Politikerinnen und Politiker, Akteurinnen und Akteure der Wissenschaft sowie Gremien oder mittelständische Unternehmen.
Schmid ermutige mit zahlreichen Fortbildungen für Lehrkräfte wie dem Online-Kurs "Data Literacy" zu einer frühen Auseinandersetzung mit KI-Themen im Bildungsbereich. So entwickelte sie ein analoges Lernspiel für Grundschulen zum Thema "Maschinelles Lernen". Die Spielzeugfirma Haba setzte dies professionell um. Mit dem Lehrbuch "Künstliche Intelligenz selber programmieren" wende sich Schmid zudem an Jugendliche, so die Jury. Darin werde, neben einer altersgerechten Vermittlung von Konzepten und Methoden der KI, Schritt für Schritt erklärt, wie KI-Algorithmen in der Programmiersprache Python umgesetzt werden können.
Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) habe die Preisträgerin das vom Bayerischen Wirtschaftsministerium geförderte KMU-KI-Erfahrungszentrum initiiert und Sensibilisierungs-Workshops entwickelt. Kernstück des Zentrums ist demnach eine Produktionsanlage, die mit verschiedenen Robotern und Sensorik ausgestattet ist und mit einem Spezialanlagenbauer umgesetzt wurde. Anhand der Anlage können vielfältige Möglichkeiten des maschinellen Lernens sowie von Mensch-Roboter-Kollaborationen anschaulich demonstriert werden, erklärte die Jury.
Vielfältige Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen
Positiv hob die Jury auch Schmids Methodenvielfalt hervor: "Neben klassischen Medienauftritten, zahlreichen Vorträgen und populärwissenschaftlichen Publikationen adressiert sie die nicht wissenschaftliche Zielgruppe passgenau in dialogisch konzipierten Workshops." Sie leiste ferner notwendige Aufklärungsarbeit im Bereich KI-generierter Desinformationskampagnen oder zum Thema Vermenschlichung von KI.
Im Feld der Politikberatung setze Schmid den Anspruch, den gesellschaftspolitischen Diskurs aktiv mitzugestalten, mit beeindruckendem Engagement um, betonte die Jury. Ihre Expertise stelle sie als Sachverständige, Impulsgeberin und Mitverfasserin vieler Stellungnahmen in Gremien wie dem Deutschen Ethikrat oder der Enquete-Kommission "Künstliche Intelligenz" des Deutschen Bundestags zur Verfügung.
Die Informatikerin geht als Preisträgerin 2026 aus 70 Bewerbungen und Vorschlägen hervor. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 29. Juni im Rahmen der DFG-Jahresversammlung in Bonn vergeben.
Communicator-Preis
Als wichtigster Preis für Wissenschaftskommunikation wird der "Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes" seit dem Jahr 2000 durch die DFG und den Stifterverband verliehen. Ausgezeichnet werden Forschende, die in ihrer Wissenschaftsvermittlung besonders kreativ sind, innovative und mutige Wege gehen und ihre Zielgruppen auf geeignete und wirksame Weise ansprechen. Eine wichtige Rolle spielt auch die gesellschaftliche Dimension der Forschung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen ihr Wissen in öffentliche Debatten, Meinungsbildungsprozesse und Entscheidungen einbringen.
Das Preisgeld soll die Ausgezeichneten in ihrem Engagement unterstützen und die Umsetzung neuer Projekte ermöglichen. Die Jury wählt die Preisträgerinnen oder Preisträger in einem mehrstufigen Verfahren aus. Die Preisvergabe erfolgt durch DFG-Präsidentin Professorin Katja Becker und Dr. Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes.
hae