Das Bild zeigt das auf Glas geprägte Abel-Logo vor blauem Hintergrund.
Calle Huth/Studio/Abel Prize

Abelpreis
"Nobelpreis der Mathematik" geht an Bonner Universitätsprofessor

Als erster Deutscher erhält Professor Gerd Faltings den renommierten Abelpreis. Er wird für seine Arbeiten von besonderer Tiefe und Einfluss geehrt.

20.03.2026

Gerd Faltings, emeritierter Professor für Mathematik der Universität und des Max-Planck-Instituts für Mathematik in Bonn, wird in diesem Jahr durch die Norwegische Akademie der Wissenschaften mit dem Abelpreis ausgezeichnet. Dies teilte das Preiskomitee gestern in einer Pressemeldung mit. Faltings werde als "herausragende Persönlichkeit in der arithmetischen Geometrie" geehrt. Er habe nicht nur wichtige, seit langem bestehende Vermutungen bewiesen, sondern auch neue Methoden etabliert, die nachfolgende Arbeiten über Jahrzehnte beeinflusst hätten. Die Ehrung findet am 26. Mai in Anwesenheit des norwegischen Königs Harald V. statt.

Berühmt wurde Faltings laut Mitteilung des Komitees zum einen durch die Lösung der "Mordell-Vermutung", die besagt, dass eine große Klasse von Gleichungen nur endlich viele rationale Lösungen haben könne. Faltings gelang 1983 der mathematische Beweis, der "Satz von Faltings". Später entwickelte er – an andere Lösungen des Problems anknüpfend – den "Faltings' Produktsatz". Damit löste er die bis dahin ebenfalls lange unbewiesene "Mordell-Lang-Vermutung".

Faltings selbst reagierte erfreut auf die Entscheidung, die ihm per Videochat durch die Generalsekretärin der Akademie, Professorin Marit Westergaard, mitgeteilt wurde. Er sei es nicht gewohnt, mit Königen zu speisen. "Das wird eine neue Erfahrung", sagte er.

Universität Bonn hebt bahnbrechende Ergebnisse hervor

Wie die Universität Bonn mitteilte, gehörte deren Rektor Professor Michael Hoch zu den ersten Gratulanten. Faltings "hat viele Bereiche der Mathematik, insbesondere die Theorie der Zahlen, Flächen und diophantischen Gleichungen revolutioniert und durch seine bahnbrechenden Ergebnisse geprägt", betonte Hoch.

Faltings hat die Bekanntgabe seiner hohen Auszeichnung mit dem Team des Max-Planck-Instituts gefeiert, so die Mitteilung.

Ein Leben für die Mathematik

Gerd Faltings ist emeritierter Professor für Mathematik an der Universität und dem Max-Planck-Institut Bonn. Für seine Leistungen wird er 2026 mit dem renommierten Abelpreis geehrt. Peter Badge/Typos1

Gerd Faltings wurde 1954 in Gelsenkirchen-Buer geboren. Er studierte und promovierte in Münster, war Gastforscher an der Harvard University und erhielt 1982 einen Ruf an die Bergische Universität Wuppertal. 1985 nahm er eine Professur in Princeton an, bevor er 1994 nach Deutschland an das Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn wechselte. 2023 wurde er emeritiert, forscht seither jedoch weiter – vor allem mithilfe von Kopf und Kugelschreiber, wie er im Interview mit der ZEIT verriet.

Faltings erhält den Abelpreis als erster deutscher Mathematiker. Dies war ihm bereits 1986 mit der Fields-Medaille, der zweiten großen internationalen Auszeichnung der Mathematik, gelungen. Zudem erhielt er 2014 den King Faisal International Preis und 2015 den Shaw Prize.

In Deutschland gewann er 1996 den Leibniz-Preis. 2008 folgte der von Staudt-Preis, 2010 der Heinz Gumin Preis und 2017 die Georg-Cantor-Medaille.

Zum jetzigen Zeitpunkt noch einmal auf diese Art geehrt zu werden, überraschte Faltings. Er habe gedacht, über diesen Punkt sei er hinaus, sagte er zu Westergaard. Nun müsse er sich einen Smoking leihen.

Der Abelpreis

Der Abelpreis ist nach dem norwegischen Mathematiker Niels Henrik Abel (1802-1829) benannt. Er wurde 2002 anlässlich seines 200. Geburtsjahrs von der norwegischen Regierung gestiftet und ist mit 7,5 Millionen Kronen (rund 670.000 Euro) dotiert.

Mit dem Preis werden bahnbrechende wissenschaftliche Leistungen in der Mathematik gewürdigt. Er soll dazu beitragen, das Ansehen des Fachs insgesamt zu stärken und das Interesse von Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Die Preisträger der vergangenen Jahre waren Professor Masaki Kashiwara vom Kyoto University Institute for Advanced Study (2025), Professor Michel Talagrand vom Centre national de la recherche scientifique, Paris (2024) und Professor Luis A. Caffarelli von der University of Texas (2023). Als bislang einzige Frau gewann Karen Keskulla Uhlenbeck von der University of Texas den Abelpreis im Jahr 2019.

Da es für die Mathematik keinen Nobelpreis gibt, gilt der Abelpreis auf diesem Gebiet als höchste Auszeichnung. Er wird in Anwesenheit des norwegischen Königs verliehen.

hae