Genetik
Paul Ehrlich-Preis geht an zwei Entwicklungsbiologen
Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2026 geht an die Entwicklungsbiologen Davor Solter und Azim Surani. Das hat der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung am Dienstag in Frankfurt bekannt gegeben. Die Forscher werden geehrt, weil sie mit ihrer Entdeckung der genomischen Prägung die Epigenetik begründet haben, so die Stiftung.
Solter und Surani entdeckten in den 1980er Jahren unabhängig voneinander, dass Säugetier-Eltern ihrem Nachwuchs manche Gene nur in einer aktiven Kopie vererben. Sie stellten fest, dass die mütterlichen Chromosomen Informationen mitbringen, die auf den väterlichen fehlen und umgekehrt. Diese Erkenntnis habe den bisher geltenden Grundregeln der Genetik widersprochen, laut derer jede Körperzelle einen doppelten Chromosomensatz und damit zwei Kopien desselben Gens erhalte – einmal aus der Eizelle der Mutter und einmal aus der Spermazelle des Vaters. Surani habe den Begriff "genomic imprinting" geprägt, um das Prinzip zu beschreiben.
"Diese Entdeckung war ein Wendepunkt der modernen Genetik", sagte der Stiftungsratsvorsitzende Professor Thomas Boehm. "Sie zeigte, dass unser Phänotyp nicht allein von unserem Genotyp bestimmt wird, sondern auch von epigenetischen Zeichen geprägt ist." Dies habe das Verständnis von Gesundheit und Krankheit verändert.
Preisträger war lange in Freiburg tätig
Der US-Amerikaner Davor Solter (Jahrgang 1941) leitete von 1991 bis 2006 die Abteilung für Entwicklungsbiologie des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie in Freiburg im Breisgau. Heute lebt er in Bar Harbor im US-Bundesstaat Maine und ist als Gastprofessor an der Mahidol University in Bangkok und der Universität von Zagreb tätig. Der Brite Azim Surani (Jahrgang 1945) forscht an der University of Cambridge in England.
Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis wird traditionell an Paul Ehrlichs Geburtstag, dem 14. März, in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Mit ihm werden Wissenschaftler geehrt, die sich auf dem von Paul Ehrlich vertretenen Forschungsgebiet besondere Verdienste erworben haben, etwa in der Immunologie, der Krebsforschung, der Hämatologie, der Mikrobiologie oder der Chemotherapie. Der Preis ist mit 120.000 Euro dotiert.
cpy/dpa