Eine Frau in blauem Anzug und mit blonden Locken sitzt in einem Universitäts-Hörsaal.
Marcus Gloger / Körber-Stiftung

Quanteninternet
Stephanie Wehner erhält Körber-Preis

Eine Pionierin des Quanteninternets bekommt den hoch dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft. Was war ihr jüngster Durchbruch?

24.06.2025

Die deutsche Informatikerin und Quantenphysikerin Professorin Stephanie Wehner erhält den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft. Die mit einer Million Euro dotierte Auszeichnung würdigt ihre wegweisende Arbeit zum Quanteninternet, wie die Körber-Stiftung am 24. Juni mitgeteilt hat. 

Künftig könnten per Quanteninternet Daten abhörsicher übertragen werden sowie anwendende Personen in Rekordzeit vernetzt werden und gemeinsam Probleme lösen. Wehners wegweisender Beitrag dafür ist die Entwicklung eines Betriebssystems für Quantencomputer-Netzwerke. Die Ehrung fällt in das von den Vereinten Nationen ausgerufene Jahr der Quantenforschung zum hundertjährigen Jubiläum der Quantenmechanik.

Entwicklerin des ersten Betriebssystems fürs Quanteninternet 

Wehner ist seit 2016 Professorin am QuTech-Institut der Technischen Universität Delft in den Niederlanden und leitet seit 2017 die von ihr mitbegründete Europäische Quanteninternet-Allianz (QIA). Vor ihrer Forschungskarriere war sie laut Körber-Stiftung als sogenannte ethische Hackerin tätig – sie testete Computersysteme auf Sicherheitslücken, um sie besser zu schützen. 

"Mein Ziel ist es, die ultimative Kommunikationsform der Natur – die Quantenkommunikation – für alle nutzbar zu machen."
Professorin Stephanie Wehner, Quantenphysikerin

Heute treibe sie den Aufbau eines Europäischen Quanteninternets maßgeblich voran. "Mein Ziel ist es, die ultimative Kommunikationsform der Natur – die Quantenkommunikation – für alle nutzbar zu machen", wird Wehner in der Mitteilung der Stiftung zitiert. Der jüngste Durchbruch der Preisträgerin sei die Entwicklung von QNodeOS, des weltweit ersten Betriebssystems für Quantencomputer-Netzwerke. Bislang hätten Quanten-Anwendungen aufwendig von Fachleuten programmiert werden müssen – für jede Hardware einzeln und ohne Möglichkeit der Vernetzung. 

Das von Wehners Team entwickelte Betriebssystem erlaube, Quantenprogramme auf verschiedenen Geräten auszuführen und miteinander zu vernetzen – und das ohne quantenphysikalisches Spezialwissen. Dies ist nach Einschätzung der Körber-Stiftung ein Durchbruch auf dem Weg zum Quanteninternet und ein wichtiger Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit Europas. 

Wehners Pläne für Europas führende Rolle bei den Quanten 

Mit den Mitteln des Körber-Preises wolle Wehner neue Anwendungen für Quanten-Netzwerke erforschen, die bereits in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Forschung und Wirtschaft genutzt werden könnten. Im Mittelpunkt stehen dabei Probleme der Lastverteilung, des sogenannten Load Balancing. Dabei müssen Computer in Echtzeit entscheiden, wohin sie ihre Ressourcen lenken – beispielsweise, um Stromnetze bei Nachfragespitzen zu steuern. Quantencomputer könnten solche Entscheidungen deutlich schneller treffen als herkömmliche Systeme. 

Darüber hinaus möchte Wehner gemeinsam mit den Partnern in der Europäischen Quanteninternet-Allianz bis 2030 zwei europäische Metropolen über Hunderte von Kilometern durch ein Quantenkommunikationsnetz verbinden. So soll Europa eine Führungsrolle beim Aufbau des Quanteninternets einnehmen, während gleichzeitig neue Perspektiven für Start-Ups und digitale Geschäftsmodelle entstehen. 

"Europa ist weltweit führend in der Quantenvernetzung", sagte Wehner gegenüber der Stiftung mit Verweis auf ihr Betriebssystem QNodeOS, an dessen Entwicklung Forschungsinstitute aus den Niederlanden, Österreich und Frankreich beteiligt waren. "Europa sollte nicht nur in der Wissenschaft führend sein – es sollte auch ein starkes Ökosystem schaffen, das aus der Forschung ein nutzbares Quanteninternet macht und Wirtschaft und Gesellschaft voranbringt."

Quantentechnologie – Schwerpunkt in "Forschung & Lehre"

Die Juni-Ausgabe von "Forschung & Lehre" widmet sich mit einem Themen-Schwerpunkt dem 100. Geburtstag der Quantentechnologie.

Die Beiträge:

  • Giovanna Morigi: Scheinbare Widersprüche. Zur Bedeutung der Quantentechnologie für Wissenschaft und Gesellschaft
  • Mariami Gachechiladze: Theoretisch funktioniert alles gut. Warum der Bau eines leistungsstarken Quantencomputers keine einfache Aufgabe ist
  • Im Gespräch mit Carolin Häussler: Ein Ökosystem schaffen. Deutschland als Akteur in den Quantentechnologien
  • Im Gespräch mit Meinard Kuhlmann: Erstmal unvorstellbar. Philosophische Aspekte der Quantenphysik

Aus der Redaktion gibt es außerdem einen Einblick in neuartige Quantenmaterialien. Hier geht es zur aktuellen Ausgabe – Reinlesen lohnt sich!

cva