Fields-Medaillen 2026
Trägerin des "Nobelpreises der Mathematik" löste Kakeya-Problem
Die umgangssprachlich als Nobelpreis der Mathematik bezeichnete internationale Auszeichnung geht in diesem Jahr an Professorin Hong Wang und Professor Yu Deng – beide aus China stammend –, den US-amerikanischen Professor John Pardon sowie den kanadischen Professor Jacob Tsimerman. Alle vier sind in Nordamerika wissenschaftlich tätig.
Während der Eröffnungsfeier des Internationalen Mathematikerkongresses (ICM) in Philadelphia am 23. Juli hat die Internationale Mathematische Union (IMU) die Preisträgerin und die Preisträger der Fields-Medaillen 2026 bekannt gegeben. Das meldete die New Yorker Privatstiftung Simons Foundation, die den Kongress finanziell unterstützt.
Fields-Medaille
Die Fields-Medaille wird aus dem Nachlass des kanadischen Stifters John Charles Fields finanziert und ehrt herausragende Entdeckungen in den Mathematikwissenschaften (International Medal for Outstanding Discoveries in Mathematics). Die Auszeichnung ist mit 15.000 Kanadischen Dollar prämiert – entspricht etwa 9.350 Euro – und wird zusammen mit einer Goldmedaille, die den Mathematiker Archimedes zeigt, übergeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger müssen unter 40 Jahre alt sein.
3-D-Nadelproblem, Kurvenzählung, "wilde Strukturen" und Kugeln
Professorin Hong Wang,
New York University (NYU) und französisches Institut des Hautes Études Scientifiques (IHES):
Wang habe die dreidimensionale Version eines jahrhundertealten Problems bewiesen , das einfach zu erklären, aber schwer zu lösen ist: Wie viel Raum wird benötigt, um eine Nadel so zu drehen, dass sie in jede Richtung zeigt? In zwei Dimensionen lasse sich eine Nadel geschickt auf einer winzigen Fläche verschieben und drehen, doch das verwandte Kakeya-Problem in drei Dimensionen habe sich als weitaus schwieriger erwiesen. Die Lösung habe den Weg für eine Vielzahl von Sätzen und Vermutungen in der harmonischen Analysis, bei partiellen Differentialgleichungen, in der geometrischen Maßtheorie und in anderen Fachgebieten geebnet.
"Die NYU ist sehr stolz auf die Leistung von Professorin Wang. Die Lösung dieser jahrhundertealten Vermutung hat neue Denk- und Forschungsansätze eröffnet, deren Auswirkungen noch über Jahrzehnte hinweg spürbar sein werden", sagte NYU-Präsidentin Linda G. Mills im Rahmen einer Meldung auf der Universitäts-Website.
Professor John Pardon,
Stony Brook University in New York
Pardon habe Methoden entwickelt, um im Bereich der symplektischen Geometrie Kurven auf bestimmten geometrischen Objekten zu zählen. Er habe damit die 20 Jahre alte MNOP-Vermutung bewiesen. Diese besagte, dass zwei unterschiedliche Methoden zur Kurvenzählung tatsächlich zum selben Ergebnis führen. Derartige spezielle Objekte, sogenannte Calabi-Yau-3-Mannigfaltigkeiten, gelten in der Superstringtheorie als mögliche Modelle für unser Universum. Pardons Arbeit habe Auswirkungen auf die Darstellungstheorie, die symplektische Topologie und die Quantenphysik.
Professor Jacob Tsimerman,
University of Toronto
Tsimerman habe große Probleme der Zahlentheorie in Angriff zu genommen, wobei er Methoden der algebraischen Geometrie genutzt habe. Ziel sei die Untersuchung gewesen, wie geometrische Objekte Aufschluss über die Eigenschaften von Zahlen geben könnten. Anschließend habe er ein Konzept namens O-Minimalität – einen logischen Rahmen, der dazu dient, „wilde“ mathematische Strukturen zu „zähmen“ – aus einem der abstraktesten Gebiete der Mathematik, der Modelltheorie, in die algebraische Geometrie übertragen. Das habe zu bemerkenswerten Ergebnissen geführt: Insbesondere stünden seine Ergebnisse in engem Zusammenhang mit der Hodge-Vermutung, einem der sieben berühmten Millennium-Probleme, für deren Lösung eine Million Dollar ausgelobt sind.
Professor Yu Deng,
University of Chicago
Deng habe eine der zentralen Gleichungen der kinetischen Theorie und der Strömungsmechanik – die Boltzmann-Gleichung – aus der Mathematik kollidierender harter Kugeln hergeleitet. Seine Arbeit stelle einen bedeutenden Fortschritt in dem jahrhundertelangen Bestreben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Mathematik und der Physik dar, die grundlegenden Gesetze der Physik aus ersten Prinzipien abzuleiten. Dies sei ein Ziel, das auch eines der berühmten 23 Probleme berühre, die der Mathematiker David Hilbert auf dem ICM im Jahr 1900 formuliert hatte.
cva