Karriere

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Gezeichnete Porträts von David Card, Jousha Angrist und Guido Imbens
Nobel Prize Outreach 2021 / Niklas Elmehed

Nobelpreise 2021
Wirtschafts-Nobelpreisträger verkündet

Nun sind auch die Nobelpreisträger in Wirtschaftswissenschaften bekannt. Die Ausgezeichneten haben Grundlagen für die empirische Forschung gelegt.

11.10.2021

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die drei in den USA forschenden Ökonomen David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt. Alle drei haben zu Kausalbeziehungen gearbeitet und gemeinsam die empirische Forschung glaubwürdiger gemacht.

Der in Kanada geborene Card erhält die eine Hälfte des renommierten Preises für seine empirischen Beiträge zur Arbeitsmarktökonomie, wie der Generalsekretär der Akademie, Göran Hansson, bei der Bekanntgabe sagte. Anschaulich erklärte Eva Mörk vom Nobelpreiskomitee die "natürlichen Experimente", die Card heranzog, um Fragen zu beantworten, wie nach der Beziehung zwischen einer Erhöhung der Mindestlöhne und dem Beschäftigungslevel oder nach dem Einfluss der Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt. Natürliche Experimente sind dabei Vorkommnisse, bei denen es in alltäglichen Kontexten eine Gruppe und eine Kontrollgruppe gibt, ohne dass diese von Forschenden erzeugt oder beeinflusst werden.

Der aus dem US-Staat Ohio stammende Angrist und der niederländisch-amerikanische Wissenschaftler Imbens teilen sich die andere Hälfte des Preises für ihre methodischen Beiträge zur Analyse von Kausalbeziehungen. Sie haben beispielsweise den sogenannten "LATE-Effekt" eingeführt (LATE steht für "Local average treatment effect"), der bei Testgruppen die Testpersonen beschreibt, die eine Maßnahme nur dann annehmen, wenn sie innerhalb einer Studie dazu verpflichtet werden. Mit Imbens und Angrists Methoden, lasse sich diese Gruppe in ihrer Größe bestimmen und beschreiben. Ihre Berücksichtigung hilft beim Verständnis empirischer Studienergebnisse.

Der seit Ende der 60er Jahre vergebene Wirtschaftsnobelpreis ist der einzige, der nicht auf das Testament von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896) zurückgeht. Er wurde von der schwedischen Zentralbank gestiftet und zählt somit streng genommen nicht zu den klassischen Nobelpreisen. Dennoch wird er gemeinsam mit den anderen Preisen an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, überreicht.

Unter den Wirtschaftsnobelpreisträgern ist bislang erst ein Deutscher gewesen: Der Bonner Wissenschaftler Reinhard Selten erhielt ihn 1994 gemeinsam mit John Nash und John Harsanyi für ihre wegweisenden Beiträge zur nichtkooperativen Spieltheorie. Besonders häufig werden Wissenschaftler aus den USA mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Preis ausgezeichnet. Vergangenes Jahr war er an die US-Ökonomen Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson gegangen, die für ihre Verbesserungen der Auktionstheorie und Erfindung neuer Auktionsformate geehrt wurden.

Bereits in der vergangenen Woche waren die Auserwählten in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden verkündet worden. Darunter waren mit dem Meteorologen Klaus Hasselmann in Physik und dem Chemiker Benjamin List auch zwei Deutsche.

cpy/dpa