GWK
44 Hochschulen für Professorinnen-Programm 2030 ausgewählt
Die dritte Auswahlrunde zum bereits seit 2023 laufenden Professorinnenprogramm 2030 (PP 2030) ist beendet. 44 Hochschulen konnten mit ihren gleichstellungspolitischen Zielen, Strukturen und Maßnahmen das externe, unabhängige Begutachtungsgremium überzeugen. Es hat am 26. Februar über die 51 eingereichten Gleichstellungskonzepte für Parität an der Hochschule entschieden, teilte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) mit. Damit ist die letzte Einreichungsrunde des PP 2030 abgeschlossen. Bei der ersten (2024) waren 92 Hochschulen ausgewählt worden, bei der zweiten (2025) insgesamt 56.
Bundesweit führend setzte sich in der dritten Runde Nordrhein-Westfalen (NRW) mit insgesamt zwölf Hochschulen durch , teilte das Land in einer Pressemitteilung mit. Wissenschaftsministerin Ina Brandes betonte die Exzellenz und Vielfalt der Hochschulen: "Nordrhein-Westfalen braucht hierfür das Know-how von hervorragenden Wissenschaftlerinnen in Forschung und Lehre. Indem wir Talenten den Weg an die Spitze der Wissenschaft ebnen, stärken wir insgesamt die Innovationskraft unseres Landes."
Alle durch die Fachjury ausgewählten Hochschulen können für jeweils bis zu drei mit Frauen neu besetzte Professuren eine Förderung über fünf Jahre bekommen – in Höhe von maximal rund 2,5 Millionen Euro. Zu den 44 ausgewählten Hochschulen gehören neun Universitäten: die Bergische Universität Wuppertal, die Universität Ulm, die Universität Passau, die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Universität der Künste Berlin, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau, die Technische Universität Chemnitz sowie die Universität zu Lübeck.
Drei von fünf prämierten Hochschulen aus NRW
Die Gleichstellungskonzepte von fünf der zur Förderung ausgewählten Hochschulen seien zudem vom Begutachtungsgremium am besten bewertet worden. Vor dem Hintergrund der jeweiligen hochschulspezifischen Situation sowie in Bezug auf Typ und Größe werde ihnen zusätzlich das Prädikat "Gleichstellungsstarke Hochschule" verliehen. Das Prädikat erhalten laut Auswahlliste der finalen Auswahlrunde die Hochschule Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz, die Hochschule für Musik und Theater Hamburg sowie drei Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen: die Bergische Universität Wuppertal, die Hochschule für Musik Detmold und die Hochschule Düsseldorf.
Die bereits vergebenen Prädikate der ersten und zweiten Auswahlrunde des PP 2030 hätten gezeigt, dass diese Auszeichnung dazu führe, dass Gleichstellungsarbeit an den Hochschulen noch sichtbarer und als Qualitätskriterium anerkannt werde. Das im Rahmen des PP 2030 neu vergebene Prädikat ist mit der Möglichkeit zur Förderung einer zusätzlichen Stelle für eine Wissenschaftlerin oder Künstlerin verbunden, die in eine unbefristete Professur münden soll.
Mohrs will Frauen in wissenschaftlichen Spitzenpositionen
Die GWK-Vorsitzende Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), betonte laut Mitteilung, dass das PP seit 2008 das zentrale Programm von Bund und Ländern zur Förderung von Gleichstellung an Hochschulen sei. "Es ist ermutigend, dass es auf eine anhaltend hohe Resonanz stößt und ein Großteil aller Hochschulen sich daran beteiligt hat. Das zeigt eindeutig: Den Hochschulen ist die Relevanz von Gleichstellungsarbeit bewusst", stellte Bär fest.
Falko Mohrs, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur und stellvertretender Vorsitzender der GWK, hob hervor, dass Länder und Bund mit der Entscheidung erneut ein "starkes Signal für die Gleichstellung der Geschlechter in der deutschen Wissenschaft" gesetzt hätten. Es gehe nicht nur um einzelne Berufungen, sondern um einen tiefgreifenden Kulturwandel hin zu einer Kultur, in der Chancengerechtigkeit selbstverständlich sei. "Wir stärken die Gleichstellung strukturell, fördern tragfähige Konzepte und unterstützen Frauen gezielt auf ihrem Weg in wissenschaftliche Spitzenpositionen", führte Mohrs aus.
Gleichstellung
Leaky Pipeline, gläserne Decke, Pay Gap: Wie entwickelt sich die Gleichstellung von Frauen und anderen an der Hochschule unterrepräsentierten Gruppen? In unserem Online-Themenschwerpunkt Gleichstellung finden Sie ausgewählte Beiträge zu Aspekten der Gleichstellung in der Wissenschaft.
Besonderheiten des aktuellen Professorinnenprogramms
Das PP 2030 wurde im November 2022 von der GWK beschlossen. Es baut nach eigenen Angaben auf den bisherigen drei Programmphasen seit 2008 auf und wurde inhaltlich gestärkt. Die vierte Phase bis 2030 verbessere die Rahmenbedingungen für kleinere und mittlere Hochschulen sowie alle Hochschultypen. Es nehme unter anderem die dezentrale Ebene an den Hochschulen, das Berufungsmanagement, das Gleichstellungscontrolling sowie Wissenschaftlerinnen in der frühen Karrierephase in den Blick.
Im PP 2030 wurden dem BMFTR zufolge bislang 34 Hochschulen mit dem Prädikat Gleichstellungsstarke Hochschule ausgezeichnet. Bund und Länder stellen für die vierte Phase des Programms (2023-2030) insgesamt 320 Millionen Euro über eine Laufzeit von erstmalig acht Jahren zur Verfügung. Gefördert werden bis zu drei Anschubfinanzierungen für Professuren je Hochschule mit bis zu 165.000 Euro pro Jahr.
Die ausgewählten Hochschulen haben laut GWK-Mitteilung nun die Möglichkeit, Anträge für bis zu drei Anschubfinanzierungen für die Erstberufung von Wissenschaftlerinnen auf unbefristete W2- oder W3-Professuren zu stellen. Die Antragsfrist endet am 30. September 2027.
Korrektur am 3. März [insgesamt neun statt acht Universitäten gehören zu den ausgewählten Hochschulen]
Das Professorinnen-Programm
Seit Beginn des Professorinnenprogramms 2008 hat sich der GWK zufolge der Großteil aller öffentlich-rechtlichen Mitgliedshochschulen der Hochschulrektorenkonferenz beteiligt und ein Konzept zur Begutachtung eingereicht. Es wird je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert.
Das Förderprogramm soll laut BMFTR:
- die Anzahl der Professorinnen in Richtung Parität dynamisch erhöhen,
- Wissenschaftlerinnen in der frühen Karrierephase auf dem Weg zur Lebenszeitprofessur fördern und in der Wissenschaft halten,
- die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen und in Fächern, in denen sie noch unterrepräsentiert sind, verbessern sowie
- die Gleichstellung von Frauen und Männern an den Hochschulen strukturell noch stärker verankern.
Ziel ist ein Struktur- und Kulturwandel hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit an den Hochschulen.
150 Millionen Euro standen jeweils für die erste (2008-2012) und zweite Programmphase (2013-2017) zur Verfügung. Von 2018-2022 waren es 200 Millionen, während die vierte, erstmals achtjährige Phase (2023-2030) mit 320 Millionen Euro ausgestattet ist. Über alle bisherigen Programmphasen hinweg konnten demnach bis dato insgesamt 1.085 Professuren gefördert werden. Zur Verdopplung des Professorinnenanteils von 14 Prozent vor rund 20 Jahren auf etwa 30 Prozent heutzutage habe das PP maßgeblich beigetragen, heißt es seitens des BMFTR.
cva