Goethe-Universität Frankfurt
455 Studienplätze weniger als Sparmaßnahme
Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt hat die Zulassungszahlen in Fächern mit Numerus Clausus (NC) für das kommende Wintersemester gesenkt. Das teilt die Universität am 14. Juli mit. Die Maßnahme sei notwendig, um ein hochwertiges Lehrangebot zu gewährleisten und eine Überlastung des Lehrpersonals aufgrund einer zu hohen Anzahl an zu betreuenden Studierenden zu vermeiden. Die Reduzierung der Zulassungszahlen erfolgt vor dem Hintergrund von Budgetkürzungen im Zusammenhang mit dem Hessischen Hochschulpakt 2026-2031, der alle hessischen Hochschulen zu Einsparungen zwingt. Infolge der Kürzungen sei die Anzahl der Planstellen für Lehrende reduziert worden.
Von der Absenkung der Planstellen seien grundsätzlich alle Fachbereiche betroffen. Weniger Studienplätze gibt es laut Mitteilung in zulssungsbeschränkten Studiengängen, darunter beispielsweise das gymnasiale Lehramt, Jura im Staatsexamen, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaft und Soziologie sowie Erziehungswissenschaften, Biochemie und Sportwissenschaften. So stünden im Wintersemester 2026/2027 insgesamt 455 Studienplätze weniger zur Verfügung als noch im vergangenen Wintersemester.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Überlast schützen
Universitätspräsident Professor Enrico Schleif erklärt per Mitteilung die Schwierigkeit der Entscheidung, die Zulassungszahlen anzupassen. In der Angelegenheit gerieten verschiedene Ziele der Hochschule in Konflikt miteinander: Einerseits habe die Hochschule "den gesellschaftlichen Auftrag, die nächste Generation auf hohem Niveau auszubilden", so Schleiff. Verfassungsrechtlich berührt eine Verringerung der Ausbildungskapazität den grundgesetzlich geschützten Zugang von Studienbewerberinnen und Studienbewerbern zu einem Studium.
"Aber auf der anderen Seite steht die Universität als Arbeitgeberin in der Verantwortung und Verpflichtung, ihre Lehrenden vor Überlast zu schützen und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Ausübung der Forschung zu ermöglichen," beschreibt Schleiff weiter. Strukturelle Unterfinanzierung habe Auswirkungen auf die ebenfalls verfassungsrechtlich geschützte Wissenschaftsfreiheit.
Die Anpassung der Zulassungszahlen wird laut Mitteilung allerdings nicht die einzige Maßnahme bleiben. Sie könne "nur ein erster Schritt eines umfassenderen Prozesses finanzieller und struktureller Konsolidierung sein", so Schleiff. Bis 2028 müssten sowohl das Studiengangsportfolio als auch die Studierendenzahlen weiter an das real finanzierbare Personal angepasst werden. "Das ist leider bittere Realität im gesamten Hochschulsystem Hessens und fordert alle Mitglieder und Angehörigen unserer Hochschulen heraus", so Schleiff. Anfang des Jahres hatten verschiedene Hochschulen in Hessen angekündigt, wie sie den Kürzungen begegnen wollen. Die Universität Kassel ging damals davon aus, auf bis zu 30 Professuren verzichten zu müssen. Die Universität Marburg plante, 100 ihrer 700 Verwaltungsstellen zu streichen.
cpy