BintHo-Studie
Hälfte der internationalen Studierenden will Karriere in Deutschland
Drei Viertel der internationalen Befragten nannten Deutschland als bevorzugtes Ziel für ein Auslandsstudium. Als Gründe werden die Technologieführerschaft Deutschlands in vielen Bereichen, englischsprachige Studiengänge, attraktive Berufsperspektiven sowie im internationalen Vergleich niedrige Studien- und Lebenshaltungskosten genannt. Das zeigt die aktuelle Studie "Benchmark internationale Hochschule" (BintHo) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Für diese wurden mehr als 115.000 Studierende an über 130 Hochschulen in Deutschland befragt – einschließlich der Studierenden aus dem Ausland.
Gut zwei Drittel der internationalen Studierenden stammen laut DAAD aus einem akademisch geprägten Elternhaus. Fast die Hälfte der Befragten studiere im Bereich Ingenieurwissenschaften (45 Prozent), ein gutes Viertel entfalle auf die Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und jeweils zehn Prozent sind in mathematisch-naturwissenschaftlichen beziehungsweise geisteswissenschaftlichen Studiengängen eingeschrieben.
Die befragten internationalen Studierenden bewerteten als wichtigste Kriterien bei der Hochschulwahl die Inhalte des jeweiligen Studiengangs (52 Prozent), das Angebot englischsprachiger Studiengänge (41 Prozent), Rankingergebnisse beziehungsweise den guten Ruf der Hochschule mit 36 Prozent und geringe Studiengebühren mit 31 Prozent. Für 68 Prozent stellt die Website der Hochschule die wichtigste Informationsquelle dar.
Die Mehrheit kommt um zu bleiben
Zwei Drittel der an der Umfrage Teilnehmenden planen, nach dem Abschluss zunächst in Deutschland zu bleiben, weitere 28 Prozent sind noch unschlüssig. Etwa die Hälfte strebt eine langfristige Berufstätigkeit an, viele denken sogar an eine Unternehmensgründung.
Bei der Fächergruppe Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften liege die Bleibeabsicht bei unterdurchschnittlichen 59 Prozent. "Die höchsten Anteile von Studierenden mit Bleibeabsicht verzeichnen demgegenüber mit jeweils 66 Prozent die Fächergruppen Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Informatik", führt die Studie aus.
Auffällig sei, dass insbesondere Studierende aus dem asiatischen Raum sowie aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion vergleichsweise häufig beabsichtigten, nach ihrem Studium in Deutschland zu bleiben.
Diskriminierungserfahrungen entgegenwirken
Auf dem Campus würden sich 75 Prozent der internationalen Studierenden willkommen oder sehr willkommen fühlen, nur bei zwei Prozent sei dies nicht der Fall. Viele würden jedoch von Problemen im Alltag berichten – insbesondere bei Wohnungssuche, Bürokratie und dem Kontakt zu deutschen Mitstudierenden. Dazu zählen nonverbales diskriminierendes Verhalten beispielsweise durch Anstarren, verächtliche Blicke, Abstand halten oder Stereotypisierung und Alltagsrassismus zum Beispiel durch vorurteilsbeladene Sprache und Behandlung.
"Deutschland und seine Hochschulen werden als exzellenter Studien- und Arbeitsstandort bei internationalen Studierenden geschätzt."
Professor Joybrato Mukherjee, DAAD-Präsident
"Die BintHo-Studie verdeutlicht: Deutschland und seine Hochschulen werden als exzellenter Studien- und Arbeitsstandort bei internationalen Studierenden geschätzt", sagte DAAD-Präsident Professor Joybrato Mukherjee. Zugleich müsste von den Befragten berichtete Diskriminierung eine Mahnung sein. "Weltoffenheit und Toleranz sind unerlässliche Voraussetzungen, wenn wir herausragende junge Menschen davon überzeugen wollen, bei uns als Ärztin, Ingenieur oder KI-Expertin zu arbeiten", führt Mukherjee weiter aus. Alle seien gefordert, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung entgegenzutreten.
Auslandsmobilität deutscher Studierender
Deutsche Studierende wiederum zeigen der Studie zufolge großes Interesse an einem Auslandsaufenthalt, scheitern aber oftmals an den Kosten. 60 Prozent derjenigen ohne Auslandserfahrung interessieren sich für ein Studium oder Semester im Ausland, aber nur ein Viertel setze dies auch um. Haupthemmnisse seien Schwierigkeiten bei der Finanzierung, die Trennung von Familie, Freundeskreis oder Partnerin beziehungsweise Partnern sowie der Zeitverlust im Studium.
Internationale Partnerhochschulen erleichtern den Ergebnissen zufolge die Mobilität: Fast zwei Drittel aller Auslandsaufenthalte finden dort statt. Auch digitale Angebote wie Online-Prüfungen aus dem Ausland oder hybride Mobilitätsformate können dazu beitragen, mehr Studierende für einen Auslandsaufenthalt zu gewinnen.
cva