Medizin-Studium
Ministerin Klepsch will mehr Ärzte für Sachsen

Sachsens Gesundheitsministerin fordert eine NC-Lockerung für Medizin und eine Landarzt-Quote. Aus dem Wissenschaftsministerium kommt Gegenwind.

02.02.2019

Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch hat im Ringen um mehr Ärzte für einen offeneren Zugang zum Medizinstudium plädiert. Angesichts einer höheren Nachfrage sollten der Numerus clausus gelockert werden und bei der Studienplatzvergabe die sozialen Kompetenzen eine größere Rolle spielen, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Zudem befürwortete sie eine sogenannte Landarzt-Quote von 7,6 Prozent. Damit könnten 40 Bewerber pro Jahr im Gegenzug für einen Studienplatz zur künftigen Niederlassung im ländlichen Raum gewonnen werden.

Klepsch ist außerdem für eine Aufstockung der Zahl der Studienplätze um 50 – ein entsprechendes Modellprojekt für einen Medizinstudiengang in Chemnitz werde vorbereitet. Die Entscheidung des Bundes über eine Förderung werde noch in diesem Jahr, für die weiteren Schritte 2020 erwartet.

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange zeigte sich überrascht und hielt den Zeitpunkt für falsch. Sie verwies darauf, dass der Landtag erst Ende 2018 den Doppelhaushalt für 2019 und 2020 beschlossen hat. Darin sei auch die Zahl der Medizinstudienplätze ausfinanziert, sagte die SPD-Politikerin. Die Medizinischen Fakultäten seien aktuell schon an der Grenze und brauchten zudem für exzellente Forschung mehr Geld.

Nach Angaben des Sozialministeriums gibt es in Sachsen aktuell knapp 7.400 ambulante und etwa 9.500 in Krankenhäusern tätige Ärztinnen und Ärzte. Angesichts eines Durchschnittsalters von 54,1 Jahren der rund 2.600 Hausärzte droht in 27 von 47 Regionen des Freistaates jedoch eine Unterversorgung. Auch verändere sich das Arbeitsverhalten. Ärztinnen und Ärzte legten mehr Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der zunehmende Anteil von Frauen führe zu mehr Teilzeitstellen.

Mehrere Bundesländer haben sich bereits entschieden oder planen, dem Ärztemangel mit einer Landarzt-Quote entgegenzutreten. Dazu gehören Nordrhein-Westfalen, Bayern, Sachsen-Anhalt, eventuell Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, das Saarland und Schleswig-Holstein.

dpa/kas