Verzweifelter Mann am Schreibtisch
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Digitale Lehre
Mit ungewaschenem Haar frustriert hinter der Webcam

Weltweit lehren Dozierende aus dem Homeoffice, ihre Situationen unterscheiden sich. Eine Doktorandin appelliert an Authentizität und Menschlichkeit.

22.04.2020

Die Corona-Pandemie hat die Lehre weltweit auf einen Schlag digitalisiert. Auch in Deutschland halten Dozierende ihre Veranstaltungen seit dieser Woche digital, die meisten aus dem Homeoffice. Ihre Voraussetzungen sind ganz verschieden. Die einen sind technisch perfekt ausgestattet, andere müssen sich behelfen und beispielsweise ohne Webcam klarkommen. Die einen haben schon Erfahrungen in der digitalen Lehre, andere nicht. Während bei dem einen die Kinder im Hintergrund durchs Bild springen, geht es einem anderen am Tag des Live-Webinars wegen der Sorge um einen Angehörigen einfach nur bescheiden.

Die US-amerikanische Doktorandin Laken Brooks von der Universität in Florida schreibt in einem Essay für "Inside Higher Ed", worauf es ihrer Meinung nach derzeit ankomme – und das sei insbesondere "Menschlichkeit". Sie reagiert damit auf einen Beitrag unter dem Titel "Dozierende, bitte waschen Sie Ihre Haare". Dieser hatte dazu aufgerufen, formell gekleidet und professionell hinter der Kamera zu erscheinen. "In diesen schwierigen Zeiten, ist das Letzte, was Studierende brauchen, ihre erwachsenen, professionellen, hochgebildeten Dozentinnen und Dozenten auseinanderfallen zu sehen", heißt es darin. Brooks dagegen appelliert, dass sich Dozierende authentisch geben sollten und dazu gehöre zu zeigen, wenn es mal nicht so rund laufe. "Während dieser Pandemie sollte das Haarewaschen unser kleinstes Problem sein.

"Unsere Verantwortung ist, Studierende zu unterstützen und so gut wir können auszubilden", schreibt sie. "Meine lehrreichsten Momente waren die, in denen ein Dozent seine Menschlichkeit zeigte. Wenn ein Dozent mit Jeans in den Saal kam, weil er eine Migräne hatte, erkannte ich mich in dieser Person wieder. Ich sah, dass ich als nicht-perfekter Mensch, auch mal vor einem Hörsaal mit Studierenden stehen kann." Die Corona-Zeit sollte laut Brooks genutzt werden, um sich von gesellschaftlichen Erwartungen darüber zu lösen, wie eine Situation oder eine Person vermeintlich zu sein habe. 

kas