Das Bild zeigt eine ablaufende Sanduhr auf einem chaotischen Schreibtisch.
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Langzeitstudium
Universitäten Jena und Ilmenau verteidigen Grenze für Studiendauer

Jena und Ilmenau wollen die Studienzeit begrenzen. Das benachteilige diejenigen mit gesundheitlichen Problemen oder Nebenjobs, sagen Studierende.

13.01.2026

Die Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena und die Technische Universität (TU) Ilmenau verteidigen die umstrittene Einführung einer Höchststudiendauer für alle Studierenden. Die FSU will die maximale Studiendauer für alle rund 16.000 Studierenden laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) voraussichtlich bereits ab dem kommenden Wintersemester begrenzen: Sechssemestrige Bachelorstudiengänge müssen dann spätestens nach zehn Semestern abgeschlossen werden, viersemestrige Masterstudiengänge nach sieben Semestern. An der TU Ilmenau tritt eine ähnliche Regelung ab dem Wintersemester 2029/30 in Kraft. Dort dürfen Studierende künftig doppelt so lange brauchen, wie es die Regelstudienzeit vorsieht.

Studierende hatten die Neuregelung scharf kritisiert: Sie treffe insbesondere Studierende mit gesundheitlichen Problemen und diejenigen, die nebenbei arbeiten müssten oder sich ehrenamtlich engagierten, so Maria Kley, Sprecherin der Linksjugendhochschulgruppe Ilmenau. Beide Hochschulen sehen zwar soziale, gesundheitliche und finanzielle Härtefallregelungen vor. Diese seien aber Einzelfallentscheidungen, würden die Betroffenen zu Bittstellern machen und ohnehin schon belasteten Personen bürokratischen Mehraufwand aufbürden, argumentierte die vom Studierendenrat der FSU herausgegebene Hochschulzeitung "Akrützel". 

Unis weisen Kritik zurück

An der TU Ilmenau verweist man auf die regelhafte Beteiligung von Studierenden am Prozess: Es sei eine mehr als zweijährige hochschulöffentliche Diskussion vorausgegangen, die Höchststudiendauer sei einstimmig angenommen worden und auch Studierendenvertreterinnen und Studierendenvertreter seien stimmberechtigt gewesen, sagte die Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der TU Ilmenau, Professorin Anja Geigenmüller. Gegenüber Forschung & Lehre nennt sie ein konkretes Beispiel für die studentische Beteiligung: "Mehr als 40 der insgesamt mehr als 70 Änderungsanträge zu der Prüfungs- und Studienordnung wurden von den Studierenden eingebracht."

Ähnlich äußert sich die Friedrich-Schiller-Universität: Während die Kritik sich gegen eine einzelne Regelung richte, sorge die neue Rahmenprüfungsordnung der Hochschule insgesamt für mehr Freiheiten und Flexibilität während des Studiums, stellte Pressesprecherin Katja Bär gegenüber der dpa klar. Auch hätten bereits zuvor vergleichbare Regelungen für verschiedene Studiengänge existiert – beispielsweise Ausschlussfristen während des Studiums. Die nun vorgesehene Rahmenprüfungsordnung schaffe eine transparente Regelung, die Gleichbehandlung gewährleiste. Das entspreche dem ausdrücklichen Wunsch der Studierendenvertretungen nach Vereinfachung und Gleichbehandlung. 

Regelstudienzeit als Qualitätsindikator

Zunächst wird es in Jena keine Härtefallentscheidungen zur Studiendauer brauchen. Der Semesterzähler wird laut Bär bei Einführung der Maximalstudiendauer für alle zu diesem Zeitpunkt eingeschriebenen Studierenden "auf Null" gesetzt. In Ilmenau sind nach Auskunft der Hochschule Stand heute 325 von 4.000 Studierenden von der neuen Regelung betroffen. Für sie gelte eine Übergangsfrist von dreieinhalb Jahren. Bis dahin müssen sie ihr Studium beendet haben. "Die Gesellschaft hat einen Anspruch darauf, dass Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen in den Arbeitsmarkt kommen", sagte Geigenmüller der dpa.

Neben der Planbarkeit für Ressourcen und Personal führt die FSU als weiteren Grund für die Notwendigkeit der Neuregelung das Abschneiden in Rankings an. Der Anteil an Studierenden, die in Regelstudienzeit abschließen, sei ein Qualitätsindikator. "Er fließt in Rankings, Zielvereinbarungen, Leistungsberichte und bei der Studienwahl ein", so Pressesprecherin Bär. "Eine Universität, deren Studierende regelmäßig stark überziehen, steht schnell unter dem Eindruck, dass Studiengänge überfrachtet, unübersichtlich oder schlecht organisiert sind."

Voraussichtlich im Februar soll die neue Regelung im Senat der FSU beschlossen werden. An der TU Ilmenau wurde die neue Prüfungs- und Studienordnung bereits am 2. Dezember 2025 verabschiedet, teilte Vizepräsidentin Geigenmüller auf Anfrage mit. An diesem Tag sei ebenfalls über eine Studierenden-Petition mit mehreren Hundert Unterschriften abgestimmt worden, die Beschlussfassung der Prüfungs- und Studienordnung zu vertagen. Dabei hätten auch studentische Vertreterinnen und Vertreter Stimmrecht gehabt. Der Antrag sei mehrheitlich abgelehnt worden. "Die Petition ist ein Indiz dafür, dass Studierende erheblich verunsichert sind", räumt Geigenmüller ein. Man werde die Beratungsangebote zu Prüfungsangelegenheiten noch einmal intensivieren.

dpa/hes