Eine Studentin steht im Strickpullover mit Handy, Block und Maske in der Hand auf dem Gelände einer Universität.
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Energiekrise an Hochschulen
Virtuelle Lehre im Winter nicht ausgeschlossen

Könnten Studierende wegen der Energiekrise wieder aus der Ferne unterrichtet werden? Die Uni Passau schließt das nicht aus, andere Unis lehnen es ab.

10.08.2022

Studierende der Universität Passau könnten im kommenden Wintersemester wieder gezwungen sein, von zu Hause an Vorlesungen teilzunehmen – allerdings nicht wie in den vergangenen Semestern wegen der Corona-Pandemie, sondern wegen der drohenden Gasmangellage. Der Krieg in der Ukraine betreffe auch die Universität in Form massiv gestiegener Energiekosten, schrieb die Universitätsleitung kürzlich an ihre Studierenden. "Das Wintersemester 2022/2023 steht vor diesem Hintergrund im Zeichen der Unsicherheit mit Blick auf die Wärme- und Stromversorgung – und damit auch auf die Frage, ob und wie wir einen Präsenzbetrieb werden aufrechterhalten können."

Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur ergänzte eine Sprecherin, dass der Weg in die virtuelle Lehre ein Schritt wäre, "den wir aus didaktischen und psychosozialen Gründen möglichst vermeiden wollen." Eine Task-Force befasse sich mit verschiedenen Szenarien, diese hingen aber in wesentlichem Maße davon ab, welche Entscheidungen von staatlicher Seite getroffen würden, hieß es von der Universität. Auch so arbeite die Verwaltung an Einsparmaßnahmen und Vorkehrungen, um eine möglichst langanhaltende Energieversorgung zu sichern.

Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume stellte am Mittwoch aber klar: "Ich halte Debatten über Beschränkungen oder gar Schließungen in keiner Weise für zielführend. Es darf keinen Energielockdown geben!" Virtuell statt Präsenz sei "an bayerischen Hochschulen keine Option. Forschung und Lehre sind systemrelevant", sagte der CSU-Politiker.

Bayerische Unis setzen vorerst weiter auf Präsenzlehre

Andere bayerische Universitäten erklärten dagegen, sich mit einer energiepreisbedingten Rückkehr zur virtuellen Lehre nicht zu befassen – zumindest noch nicht. "Die überragende Bedeutung der universitären Forschung und die hohe Qualität akademischer Lehre, die beide wesentlich vom unmittelbaren Austausch abhängen, müssen auch bei steigenden Energiekosten gesichert bleiben", schrieb zum Beispiel die Universität Regensburg auf dpa-Anfrage. Man plane, Forschung und Lehre in Präsenz zu ermöglichen. Noch deutlicher wurde der Präsident der Technischen Universität München, Thomas F. Hofmann: "Ich halte es für unverantwortlich, unsere Studierenden nach vier Semestern coronabedingter Einschränkungen nun erneut in den digitalen Distanzunterricht zuschicken. Wir dürfen nicht jede Krise auf Kosten der nächsten Generation lösen." Im Zweifel müssten sich Studierende und Lehrende etwas wärmer anziehen.

Das plant auch die Uni Augsburg und ergänzte, "dass durch ein digitales Semester aus unserer Sicht nur Heizkosten auf die Studierenden übertragen werden, also eine Gruppe, die oft über sehr wenige finanzielle Mittel verfügt und ohnehin schon sehr unter den digitalen Semestern in der Pandemie gelitten hat." Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg will ebenfalls am Präsenzbetrieb festhalten und begründet das auch mit Lehren aus der Pandemie.

Auch die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und die Otto-Friedrich-Universität Bamberg wollen Lehre in Präsenz – in München habe man die Entscheidung für Präsenzbetrieb "bislang" nicht revidiert, heißt es, in Bamberg werde die Lehre vor Ort "derzeit" nicht in Frage gestellt.

Hochschulen suchen nach Wegen, Energie zu sparen

Doch auch mit Präsenzlehre machen sich die Unis Gedanken, wie sie Energie sparen können. Dabei geht es unter anderem um die Begrenzung von Raumtemperaturen oder die Sensibilisierung von Mitarbeitenden und Studierenden. Vieles werde derzeit noch erarbeitet. Die Universität Augsburg hat zum Beispiel beschlossen, ihre Gebäude zum Jahreswechsel für zwei Wochen zu schließen.

Wie die Hochschulen mit der Energieknappheit umgehen können und sollten, wird aktuell auch in anderen Bundesländern diskutiert; Berichte dazu gibt es etwa aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, Thüringen und Baden-Württemberg. Die Hochschulrektorenkonferenz hatte zuvor von ähnlichen Gesprächen über Lehr- und Forschungsbedingungen und Überlegungen zu realen und möglichen Energiesparmaßnahmen an Hochschulen bundesweit berichtet.

aktualisiert am 11.08.2022 um 14.21 Uhr, zuerst veröffentlicht am 10.08.2022

dpa/ckr

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