Zu sehen ist das Hochschulstadion der Universität Darmstadt im Sonnenschein mit gut besuchter Laufbahn und bespieltem Fußballfeld.
TU Darmstadt / Thomas Ott

Hochschulvertrag
Aus für Studiengänge in Hessen?

Eine Liste sieht Streichungen von Studienangeboten an Hessens Hochschulen vor – etwa der Sportwissenschaften in Darmstadt. Es regt sich Protest.

12.11.2025

Der Sparzwang an Hessens 14 staatlichen Hochschulen durch den neuen Hochschulpakt 2026 bis 2031 befeuert die Debatte über die mögliche Einstellung von Studiengängen. Dazu gehören Überlegungen der Technischen Universität (TU) Darmstadt, ihr Institut für Sportwissenschaft zu schließen. Die Fachschaft Sport kündigte für Mittwoch, den 12. November, eine Demonstration in der Stadt an, wie die TU der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte. 

Die Hochschulleitung wird laut TU ihre Einschätzung den Gremien der Universität zur Beratung vorlegen und voraussichtlich bis Ende dieses Jahres abschließend zum Prüfauftrag entscheiden. 

Anlässlich gesunkener Steuereinnahmen sieht Hessens Hochschulpakt vor, dass die Universitäten und Fachhochschulen 2026 rund 30 Millionen Euro einsparen müssen. Im Jahr darauf soll das Budget auf das Niveau von 2025 zurückkehren. Ab 2028 steigen die Landesmittel demzufolge jährlich wieder. 

Warnungen vor Konsequenzen 

Der Landessportbund Hessen warnte vor "gravierenden Konsequenzen für die Sportlandschaft" und einer "erheblichen Reduzierung der Ausbildungsplätze für Sportlehrkräfte". Der Sportbund betonte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass das interdisziplinäre Forschungsprofil des Instituts einzigartig sei und Forschungsfelder bei einer Schließung "unwiederbringlich begraben" würden. 

Die Grünen-Opposition im Landtag hatte kürzlich unter Bezug auf eine im Wissenschaftsausschuss diskutierte Liste mit Überlegungen zu Streichungen von Studienangeboten kritisiert, es werde über deutlich mehr Schließungen nachgedacht, "als bislang öffentlich bekannt war". Die Folgen des Hochschulpakts würden sichtbar: "Kürzungen treffen Forschung und Lehre quer durchs Land". Zugleich wachse der Lehrermangel. 

Das hessische Wissenschaftsministerium betonte, die Liste sei "keinesfalls eine Sammlung von ministeriellen Vorschlägen". Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) teilte der dpa mit: "Die Hochschulautonomie ist in Hessen ein hohes Gut." Sein Ministerium treffe keine fachlichen Detailentscheidungen bei Studiengängen – "weder in Bezug auf mögliche Schließungen noch auf die Einführung neuer Studienangebote". 

Ministerium: Studienangebot generell "sehr stabil" 

Das Ministerium ergänzte, dass es keine Statistik über das Angebot an Studiengängen in Hessen führe. Generell sei es "sehr stabil". Die Einstellung von Studiengängen hänge oft mit der Einrichtung eines weiterentwickelten Studienangebots zusammen: "So wurde beispielsweise im Vorlauf zu der Schließung des Studiengangs 'Informatik - Mobile Anwendungen' an der Frankfurt University of Applied Sciences bereits der Nachfolge-Studiengang 'Informatik – Smart Systems' eingerichtet." 

Allerdings kann es laut Ministerium zur Einstellung von Studiengängen etwa wegen "geringer Einschreibezahlen über einen längeren Zeitraum" kommen. Zugleich entstünden wiederholt neue Studienangebote. Gespart werde darüber hinaus von den Hochschulen selbst, sie griffen demzufolge auch "zu Instrumenten wie Stellensperren und dem Anhalten von Berufungsverfahren". 

Wie die hessenschau zum Start des Wintersemesters 2025/2026 berichtete, werden an den Universitäten und Fachhochschulen des Bundeslandes zahlreiche neue Studiengänge angeboten. So gebe es in Gießen etwa vier neue Masterstudiengänge, unter anderem Agrobioinformatics, ein englischsprachiges Angebot, das Agrarwissenschaft und Bioinformatik miteinander verbinde. Die Universität Kassel biete sogar zehn neue Studiengänge an, neun davon zum Thema Nachhaltigkeit. An der Universität Marburg gebe es den neuen Masterstudiengang Fotografie.

dpa/cva