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Hochschul-Bildungs-Report
Bildungsphilister 5.0

Stifterverband und McKinsey haben einen "Hochschul-Bildungs-Report" veröffentlicht. Viel Nachdenkenswertes findet unser Autor nicht darin.

Von Felix Grigat 09.08.2019

Es fällt ihnen einfach nichts ein, zumindest nichts Neues. Dabei reden sie immer über das Neue und die Zukunft. Haben sie die Zukunft gepachtet? Die Autoren des "Hochschul-Bildungs-Reports" von Stifterverband und McKinsey meinen zu wissen, was in Zukunft nötig sein wird – "Future skills" für die Wirtschaft, für die Arbeitswelt und vor allem für die Hochschulen. Diese müssten "zukunftsorientierter" werden.

Das geht seit vielen Jahren so. Diesmal fordern sie sogar die Konzipierung neuer Studiengänge. Man mag das kaum glauben. Es gibt mehr als 19.000 Studiengänge in Deutschland, angepasst an irgendwelche Zukunftsideen oder Marktanalysen. Das führt zu Studiengängen, bei denen Bachelorabsolventen keinen passenden Fortsetzungsstudiengang finden, zu Studierenden und Abiturienten, die in diesem Nebelmeer herumstochern, ohne navigieren zu können. Das ist nicht positiv vielfältig, das ist unübersichtlich, das ist chaotisch.

Und natürlich ist hier eine Unternehmensberatung dabei, eine andere zwar wie bei der hochumstrittenen Präsidentenauswahl an der Universität Göttingen, aber ohne solche Berater scheint es für die Zukunft nicht mehr zu gehen.  

Dass das ganze Papier "Hochschul Bildungsreport" heißt kann man nur noch anekdotisch festhalten. Von den Autoren weiß eh keiner mehr, was es mit der Bildung des Menschen auf sich hat. Keinesfalls aber die vermeintliche Passgenauigkeit für eine Zukunft, die sich Unternehmensberater vorstellen. Hinter all der flotten Terminologie des Berichts verbirgt sich nichts anderes als die Bildungsphilister alter Schule, die sich keinen anderen Sinn im Studium als das Brotstudium vorstellen können. Brauchen die Hochschulen, braucht die Gesellschaft wirklich solche Ratschläge?

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