Ausgründungen
Brücke zwischen Forschung und Markt
Forschung & Lehre: Frau Professorin Bozek, bei Ihrer Berufung im Jahr 2022 haben Sie eine von acht Professuren des Gateway Exzellenz Start-up Center (ESC) erhalten. Diese wurden von der Universität zu Köln geschaffen, weil sie sich von ihnen Ausgründungen erhofft. Wie soll das erreicht werden?
Katarzyna Bozek: Forschende versuchen Probleme zu lösen, und zu erkunden, was möglich ist. Aber in der Regel bringen sie die Lösungen nicht auf den Markt. Die Idee der ESC-Professuren des Gründungszentrums der Universität zu Köln ist, die Trennung zwischen akademischen Aktivitäten und Gründung zu überbrücken.
F&L: Ihre Professur soll als Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft fungieren. Gleichzeitig überwinden Sie durch Ihre Fachgebiete Informatik und Medizin Fächergrenzen. Was ermöglicht das?
Katarzyna Bozek: Für innovative Anwendungen muss man verstehen können, was methodisch möglich ist, aber auch welche Nische es zu füllen gilt. Nehmen wir ein Beispiel: Medizinerinnen und Mediziner haben ein Problem ausgemacht, das die Informatik mit Künstlicher Intelligenz (KI) lösen soll. Die konkreten Möglichkeiten der Informatik können sie allerdings nicht realistisch einschätzen.
Umgekehrt haben Informatikfachleute idealtypische Vorstellungen davon, wie eine KI gebaut werden sollte, um ein bestimmtes medizinisches Problem zu lösen. Dabei beachten sie beispielsweise nicht, dass es aus Datenschutzgründen schwierig ist, eine ausreichend große Menge an diagnostischen Daten für das Training der KI zu erhalten.
Durch meine Einblicke und Kontakte in beiden Bereichen habe ich ein umfassenderes Verständnis für mögliche Anwendungen.
F&L: Gehen Ihre Aktivitäten über die einer normalen Professorin hinaus?
Katarzyna Bozek: Zu den Aufgaben meiner Professur gehört es auch, Einblicke in die Praxis von Gründungen zu geben. Ich habe dafür beispielsweise bereits Start-up-Gründerinnen und -Gründer zu Seminaren eingeladen. Sie haben uns von ihren Unternehmensideen, aber auch von den Vor- und Nachteilen des Gründens berichtet. Das war spannend für die Mitglieder meiner Forschungsgruppe aus der Informatik, der Physik und den Ingenieurwissenschaften.
Auch viele meiner Studierenden sind sehr am Thema Gründung interessiert, nicht alle wollen für andere arbeiten. Ich informiere sie über das ESC und nehme selbst an den Veranstaltungen teil.
F&L: Das Gründungszentrum möchte zukünftigen Gründerinnen und Gründern die richtige Infrastruktur bieten. Was gehört dazu?
Katarzyna Bozek: Das Zentrum unterstützt in organisatorischen und juristischen Fragen oder beim Erstellen eines Businessplans. Es bietet auch Programme mit einer finanziellen Förderung an. Außerdem gibt es die ESC-Transferscouts, die innovative Ideen und potentielle Gründerinnen und Gründer identifizieren und den Kontakt zum ESC herstellen.
F&L: Möchten Sie auch selbst gründen? Was ist dabei für Sie wichtig?
Katarzyna Bozek: Ja, der Gedanke, eine Firma zu gründen, reizt mich. Meine Forschungsgruppe und ich arbeiten an verschiedenen Projekten, die mit Bereichen der Medizin kollaborieren. Wir tauschen uns regelmäßig aus, das ist sehr inspirierend. In allen Projekten werden Methoden entwickelt, die in bestimmten Aspekten überlappen, etwa wenn es um Probleme bei der Datenbearbeitung geht.
Ich glaube, Innovation entsteht, wenn existierende Lösungen neue Anwendungen finden. Deshalb ist eine interdisziplinäre Perspektive so wichtig.
Ausgründungen – Schwerpunkt in "Forschung & Lehre"
Die November-Ausgabe von "Forschung & Lehre" widmet sich dem Thema "Ausgründungen".
Die Beiträge:
- Andreas Kuckertz: Ohne Breite keine Spitze. Zum unternehmerischen Geist an Universitäten
- Uwe Cantner: Wissenschaft trifft Wirtschaft. Von Transferkanälen zu Transferökosystemen
- Im Gespräch mit Barbara Diehl: Wenn Schutzrechte übertragen werden müssen. Werkzeuge für erfolgreiche Ausgründungen
- Im Gespräch mit Utz Dornberger: "Hochschulen dürfen kein Hemmschuh sein". Wie universitäre Gründungszentren den Transferprozess unterstützen können
- Im Gespräch mit Katarzyna Bozek: Brücke zwischen Forschung und Markt. Gründungsaffine Professuren für mehr Start-ups
- Im Gespräch mit Jennifer Altomonte: Zwei Hüte auf. Von der Doppelrolle als Forscherin und Gründerin
Hier geht es zur aktuellen Ausgabe – Reinlesen lohnt sich!