Forschungssicherheit
CISPA Helmholtz-Zentrum weist Vorwürfe zurück
Das Helmholtz Center for IT Security, Privacy and Accountability (CISPA) hat gegen die im Handelsblatt erhobenen Vorwürfe, es bestehe die Gefahr, dass Ergebnisse sicherheitskritischer Forschung nach China abfließen könnten, protestiert. "Den Eindruck eines naiven Umgangs mit dem Thema Forschungssicherheit weisen wir entschieden zurück", ließ die Forschungseinrichtung gegenüber Forschung & Lehre am 19. Juni verlauten. "Forschungssicherheit war und ist für das CISPA ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Forschung und fest in unserer Strategie und Strukturen verankert", erklärte Pressesprecher Sebastian Klöckner.
Das Handelsblatt hatte am 18. Juni über die Zusammensetzung von Forschungsteams und die Finanzierung von Forschung berichtet, die teilweise aus problematischen chinesischen Stellen stamme. Demnach arbeite das CISPA mit Forschenden zusammen, die Verbindungen zu kritischen Institutionen in China unterhielten. Darunter seien Universitäten, die zum Kreis der "Seven Sons" gehörten – Einrichtungen, denen eine enge Kooperation mit der chinesischen Verteidigungsindustrie nachgesagt wird. Auch Fördergelder soll die Einrichtung aus politischen chinesischen Programmen bekommen haben. Laut Handelsblatt sei dies für Sicherheitsexperten ein Zeichen dafür, dass Wissen nach China fließen soll: "Nicht jeder Forscher aus China sei ein Spion, aber China verfolge klare strategische Ziele und kooperiere nur so lange, wie es dem Land nütze", zitierte die Zeitung.
Genaue Angaben machte das CISPA auf Anfrage von Forschung & Lehre zunächst nicht. Die Aussagen im Handelsblatt halte man in weiten Teilen für nicht zutreffend. Die Geschäftsführung habe eine Taskforce eingesetzt, um die Vorwürfe transparent aufzuarbeiten. "Wir halten es für wichtig, Sachverhalte auf Grundlage gesicherter Fakten zu bewerten und Schlussfolgerungen erst nach einer sorgfältigen Prüfung zu ziehen", so die Stellungnahme der Forschungseinrichtung.
Sonderprüfer wird eingesetzt, Backes von Aufgaben entbunden
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat in einer Stellungnahme gegenüber Forschung & Lehre betont, es lege größten Wert auf eine sehr rasche und lückenlose Aufklärung der im Raum stehenden Aussagen. "Die im Grundgesetz verankerte Wissenschaftsfreiheit geht für jede Wissenschaftlerin und jeden Wissenschaftler mit einer besonderen Verantwortung einher. Dies gilt auch für die Forscherinnen und Forscher an institutionell geförderten Einrichtungen", so ein Sprecher des Ministeriums.
Aus Ministeriumskreisen erfuhr Forschung & Lehre am 22. Juni zudem, dass die Gesellschafterinnen des CISPA – der Bund und das Saarland – planen, einen unabhängigen Sonderprüfer einzusetzen. Das Forschungszentrum sei zu umfassender Zusammenarbeit verpflichtet. Dabei solle geklärt werden, ob sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt sein könnten und ob dabei Rechtsverstöße begangen wurden. Zudem werde untersucht, welche Rolle die Leitung des Forschungszentrums gegebenenfalls gespielt habe und ob die bestehenden Maßnahmen zur Forschungssicherheit ausreichend sind. Die Aufklärung erfolge in engem Austausch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes.
Der wissenschaftliche Leiter des CISPA, Professor Michael Backes, werde demnach bis zum Abschluss der Untersuchungen von seinen Aufgaben freigestellt. Dies diene jedoch der unabhängigen Aufklärung und stelle keine Vorverurteilung dar. Weiterhin würden alle Forschungsprojekte mit Partnern aus der Volksrepublik China bis zum Abschluss der Sonderprüfung pausiert.
Backes: "Kooperation beschränkt sich auf punktuelle, individuelle Fälle"
Das CISPA hat die Sonderprüfung sowie die Freistellung Backes am 23. Juni in einer Pressemeldung bestätigt. "Um jeden Anschein von Interessenskonflikten von vornherein auszuschließen", werde er temporär bis zum Abschluss der Prüfung von der Wahrnehmung seiner operativen Aufgaben als wissenschaftlicher Geschäftsführer freigestellt. Der Position als Geschäftsführer bleibe davon unberührt. "Michael Backes unterstützt diesen Schritt und begrüßt die Sonderprüfung im Interesse einer lückenlosen Aufklärung", betont das Forschungszentrum.
In seiner Stellungnahme gegenüber Forschung & Lehre hatte das CISPA mitgeteilt, Kooperationen und Projekte nach den jeweils geltenden rechtlichen und regulatorischen Vorgaben zu prüfen und zu bewerten: "Wir standen und stehen hierzu kontinuierlich und aus eigener Initiative im Austausch mit den zuständigen Stellen auf Bundes- und Landesebene und haben deren Handlungsempfehlungen aufgegriffen." Bereits vor der aktuellen Berichterstattung sei ein Beauftragter für Forschungssicherheit eingesetzt worden und eine über mehrere Monate entwickelte Forschungssicherheitsstrategie sei am 10. Juni 2026 vom Aufsichtsrat beschlossen worden.
Gegenüber dem Briefingdienst Table.Media hatte Backes am 21. Juni angegeben, dass kein Geld aus China an die Einrichtung geflossen sei und es keine Kofinanzierung aus China gebe. Die Kooperation beschränke sich auf punktuelle, individuelle Fälle. Diese seien "lange üblich und oftmals auch gewünscht" worden.
Backes erklärte, die Zusammenarbeit mit China werde seit circa anderthalb Jahren "kontinuierlich zurückgefahren". Er erläuterte die Schwierigkeiten, mit denen die Prüfung möglicher Kooperationspartner für die Forschungseinrichtung verbunden sei. Demnach seien eigene Background-Checks nicht möglich und man erhalte dazu auch keine Informationen von anderen Institutionen. Im Wesentlichen beschränkten sich die Möglichkeiten auf eine wissenschaftlich-inhaltliche Prüfung, eine Plausibilitätsprüfung basierend auf öffentlich zugänglichen Informationen und die Kontrolle der Visumserteilung durch den Staat, so Backes.
aktualisiert am 23.06.2026 um 10:45 [Ergänzung Stellungnahme CISPA zur Sonderprüfung], erstmals aktualisiert am 22.06.2026 um 17:20 [Ergänzung Sonderprüfung], erstmals veröffentlicht am 22.06.2026 um 14:28
hae