Hertie School
Designierter Präsident kommt nicht
Der Akademische Senat der Hertie School hatte Anfang November 2025 abgestimmt und der Hochschule empfohlen, Jan-Werner Müller als neuen Präsidenten zu bestellen. Nun sind die Verhandlungen mit dem Politikwissenschaftler von der Universität Princeton gescheitert. Er habe "aus persönlichen Gründen" abgesagt, so berichten es der Briefing-Dienst Table.Media und der Tagesspiegel übereinstimmend am Donnerstag. Sie berufen sich dabei auf eine interne E-Mail der Findungskommission an die Mitglieder der Berliner Hochschule. Darin wurde dieses Zwischenergebnis auf der Suche nach einer neuen Leitung als "Enttäuschung" beschreiben.
Auf eine Anfrage von Forschung & Lehre antwortete Müller, er finde es nicht angebracht, "sich zu dem bedauernswerten Scheitern der Verhandlungen öffentlich zu äußern". Allerdings habe er entgegen der Berichte nicht "kurzfristig" abgesagt, sondern hätte das Amt an der Hertie School aufgrund der Dauer des akademischen Jahres in den USA erst frühestens im Juli antreten können.
Der Tagesspiegel berichtet unter Verweis auf Professor Helge Braun, dem Vorsitzenden der Findungskommission, dass die Hochschule, auch nachdem die aktuelle Präsidentin Cornelia Woll am 15. März aus dem Amt ausgeschieden ist, dank ihrer Satzung nicht ohne Führung sei. Ein Führungsteam aus dem Geschäftsführer der Hertie Scholl, Dr. Axel Maisch, Professorin Andrea Römmele (Dekanin für Weiterbildung), Professor Mark Hallerberg (Dekan für Forschung und Lehre) sowie Professorin Thurid Hustedt (Dekanin für Graduiertenstudiengänge) übernehmen die Leitung bis zur Wahl einer neuen Präsidentin oder eines neuen Präsidenten. Das geht aus einer Mitteilung der Hertie School vom 17. März hervor. Woll bleibe der Hochschule als Professorin für internationale politische Ökonomie erhalten.
In den kommenden Wochen werden laut Braun neue Vorschläge erarbeitet. Das gesamte Wahlverfahren hatte im vergangenen Herbst mediale Aufmerksamkeit erregt, weil die Kommission Amtsinhaberin Woll nicht als Kandidatin für die Wahl nominierte, obwohl sie Interesse an einer weiteren Amtszeit hatte.
BDS-Resolution von Studierendenvertretung
Währenddessen steht die Hertie School auch in einer anderen Angelegenheit im öffentlichen Fokus: Am 4. März hatte die Studierendenvertretung "Hertie Student Representation" (HSR) mit den Stimmen von elf gewählten Vertreterinnen und Vertretern eine Resolution verabschiedet, die die Boycott, Divestment, Sanctions Campaign (BDS) unterstützt. Zu dieser Resolution hatte sich Präsidentin Woll in einer Mitteilung vom 6. März kritisch geäußert: "Als Hochschule stehen wir in keiner Verbindung zur BDS und distanzieren uns aufs Entschiedenste von jeglichen antisemitischen Positionen, die mit dieser Bewegung in Verbindung stehen." Sie verwies auf die Einschätzung der BDS-Kampagne durch den deutschen Verfassungsschutz als "extremistischen Verdachtsfall". Ziel der Kampagne ist es, den Staat Israel politisch, wirtschaftlich und kulturell zu isolieren.
Die Studierendengruppe "Hertie Students for an Open University" hat inzwischen am 7. März einen Misstrauensantrag gegen die HSR eingereicht. Der Antrag übertraf laut Mitteilung der Hochschule innerhalb von 24 Stunden das Zustimmungsquorum von 15 Prozent der Studierenden, so dass ein Misstrauensvotum stattfinden wird. Die HSR sei aufgefordert, ihre Unterstützung der BDS-Kampagne aufzugeben.
aktualisiert am 19.03.2026 [Ergänzung von Informationen zum neuen Führungsteam], zuerst veröffentlicht am 13.03.2026
cpy