Forschungsdateninfrastruktur
DFG ruft zu gemeinsamem Handeln auf
Forschende und Fachgesellschaften sollen gemeinsam an einem reflektierten Umgang mit Forschungsdaten und deren Sicherung arbeiten. Wissenschaftliche Einrichtungen und die Wissenschaftspolitik sind dazu aufgerufen, auf Dauer eine sichere Infrastruktur zu schaffen. Diese Kernpunkte gehen aus einer Stellungnahme der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vom 31. März hervor. Unter Leitung von DFG-Vizepräsidentin Professorin Britta Siegmund und DFG-Vizepräsident Professor Johannes Grave hat eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe des Senats der Förderorganisation "Empfehlungen zur Resilienz von Forschungsdateninfrastrukturen" erarbeitet. Ziel müsse demnach "die Gestaltung einer resilienten, souveränen und interoperablen Forschungsdatenlandschaft" sein, die sowohl technische Datensicherung von internationaler Relevanz als auch Offenheit und Sicherheit ermögliche.
Abhängigkeit reduzieren, Kooperation stärken
Wichtig ist laut den Empfehlungen der DFG, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler disziplinspezifische Standards zur Beschreibung ihrer Forschungsdaten nutzen. Durch die Nutzung überregionaler Infrastrukturen könnten sie zudem qualitätsgesichert archiviert werden. Um die digitale Souveränität zu erhöhen und die Abhängigkeit von kommerziellen Anbietern zu mindern, sollte die Arbeit mit europäischen Open-Source-Produkten angestrebt werden.
Zur überregionalen Vernetzung und um die eigene Stimme zu stärken, sollten sich Fachgesellschaften und Verbände mit vergleichbaren europäischen Institutionen austauschen, so die AG weiter. Der Aufbau einer resilienten Dateninfrastruktur erfordere zudem die Abstimmung mit fachlich einschlägigen Infrastruktureinrichtungen, um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten.
Finanzierung und Personal als Daueraufgabe
Von der Wissenschaftspolitik erhofft sich die DFG vor allem eine dauerhafte Finanzierung der Forschungsdateninfrastruktur. Diese solle "als nationale Kernaufgabe begriffen werden, die nicht ausschließlich privaten oder wettbewerblichen Akteuren überlassen werden darf". Allerdings sollten die Finanzierungsmodelle auf mehr als nur einer Förderorganisation oder einem Staat beruhen, so die DFG. Wichtig sei eine länderübergreifende – also eine europäische oder internationale – Kooperation mit mehreren politischen Ressorts wie auch privaten Stiftungen.
Grundlage der Infrastruktur sei die personelle Aufstellung, betont die Arbeitsgruppe. "Dateninfrastrukturen können ihre Funktion für Wissenschaft und Gesellschaft nur erfüllen, wenn Personal mit besonderer Expertise dauerhaft zur Verfügung steht." Eine Abwanderung hoch qualifizierten Personals aus der Wissenschaft müsse aus diesem Grund entgegengewirkt werden.
Internationale Entwicklungen verstärken Handlungsbedarf
Anlass der DFG-Stellungnahme ist nach eigenen Angaben die aktuelle politische Diskussion um die Sicherung der Dateninfrastrukturen, in der eine Strategie gegen strukturelle Abhängigkeiten gefordert wird. Einschränkungen in der internationalen Datennutzung seien vermehrt zu beobachten – etwa bei der GenBank, der Gensequenzen-Datenbank des National Institutes of Health (NIH) oder bei der Publikationsdatenbank PubMed, die ebenfalls am NIH angesiedelt ist. Cyberangriffe, institutionelle Krisen, ideologisch motivierte Förderentscheidungen und geopolitische Spannungen gefährdeten ebenfalls den Zugang zu Daten.
Gleichzeitig bildeten Forschungsdaten das "Fundament nahezu aller wissenschaftlichen Disziplinen". Für eine freie Wissenschaft – von der Grundlagenforschung bis hin zur praktischen Anwendung – sei der uneingeschränkte Zugang zu verlässlichen Daten zentrale Voraussetzung, betont die DFG.
Die Senats-AG der Fördereinrichtung beschäftigt sich seit Anfang 2025 mit grundlegenden Themen rund um "Resilienz in der Wissenschaft". Im Rahmen der "Förderinitiative zur Sicherung von Datenbeständen und zur Datenresilienz" vergibt die DFG zudem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gestellte Gelder für Projekte, die gefährdete Datenbestände aus dem Ausland für die deutsche und europäische Forschung erhalten oder erneut zugänglich machen.
hae