Portraitfoto von Fatma Deniz
Christian Kielmann, TU Berlin

TU Berlin
Fatma Deniz ist neue TU-Präsidentin

Die Präsidentschaftswahl ist im zweiten Wahlgang entschieden. Fatma Deniz hat sich gegen Amtsinhaberin Geraldine Rauch durchgesetzt.

03.12.2025

Die Technische Universität (TU) Berlin hat eine neue Präsidentin. Mit 42 Stimmen wurde die Informatik-Professorin und TU-Vizepräsidentin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit Fatma Deniz gewählt. Amtsinhaberin Professorin Geraldine Rauch erhielt im am Mittwochnachmittag durchgeführten zweiten Wahlgang 18 Stimmen des 61-köpfigen Erweiterten Akademischen Senats, wie aus einer Pressemitteilung der Universität hervorgeht. Eine Stimme war demnach ungültig. Für den Sieg waren 31 Stimmen des Wahlgremiums nötig. Vor dem zweiten Wahlgang hatten zwei Mitbewerber und eine Mitbewerberin ihre Kandidatur zurückgezogen.

Die Kandidatinnen wurden am Mittwoch nicht erneut zu hochschulpolitischen Themen befragt, wie dies noch beim ersten Wahlgang der Fall war. Ein Antrag, eine weitere Fragerunde durchzuführen, wurde zu Beginn der Sitzung von einer Mehrheit der Mitglieder des Wahlgremiums abgelehnt, meldet der Tagesspiegel.

Gegenüber der PR-Agentur Macheete sagte Deniz am Mittwoch: "Mein Ziel ist eine TU Berlin, die wissenschaftliche Exzellenz ermöglicht und zugleich verlässlich, nachhaltig und serviceorientiert arbeitet. Forschung, Lehre und Verwaltung brauchen gute Rahmenbedingungen. Dafür werde ich mich einsetzen."

Seit 2023 leitet Deniz an der TU Berlin das Fachgebiet " Sprache und Kommunikation in biologischen und technischen Systemen". Zuvor war sie am Helen Wills Neuroscience Institute und am Berkeley Institute for Data Science der University of California, Berkeley, tätig. Sie verbindet in Forschung und Lehre die Disziplinen Informatik, Neurowissenschaften und Datenwissenschaft, mit einem besonderen Fokus auf Sprachverarbeitung im Gehirn und in technischen Systemen.

Neuer Umgang mit Kürzungen zu erwarten

Die Wahl war bestimmt vom Umgang der Hochschule mit den Vorgaben der Berliner Landespolitik: Im Herbst 2024 hatte der Berliner Senat gravierende Kürzungen angekündigt, die auch die TU Berlin hart treffen. Laut Tagesspiegel hatte vor allem Rauch im Vorfeld der Wahl auf Konfrontation mit der Landesregierung gesetzt, während ihre Mitbewerberinnen und Mitbewerber eher einen strategischen Ansatz verfolgt hätten. Deniz versprach, mithilfe interner und externer Fachleute bis zum kommenden Frühjahr eine neue Strategie für die TU zu erarbeiten: "Weg vom Feuerlöscher, hin zu vorausschauendem Handeln."

Während ihrer Präsidentschaft war Amtsinhaberin Rauch nicht unumstritten. Im Zuge des Nahost-Konflikts hatte sie kontroverse Posts auf der Plattform X geliked, die die Situation in Gaza thematisierten. Sie war dafür im Sommer 2024 öffentlich kritisiert worden. Im Anschluss hatte Rauch sich vom antisemitischen Inhalt und Ursprung der Tweets distanziert und erklärt, dass sie die problematische Bildsprache nicht wahrgenommen hatte. In der Folge stand eine Abwahl von Rauch als Präsidentin im Raum, allerdings hatte der Akademische Senat der Hochschule damals nicht mit einer Zweidrittelmehrheit für eine Abwahl gestimmt und somit keinen Abwahlantrag gestellt. Das Kuratorium der TU hatte sich hinter Rauch gestellt und von einer Empfehlung zur Abwahl abgesehen.

Auch im ersten Wahlgang am 26. November hatte Deniz mit 30 Stimmen die meisten Mitglieder des Wahlgremiums überzeugt, damit jedoch die erforderliche absolute Mehrheit um eine Stimme verfehlt. Rauch lag auf Platz zwei mit 19 Stimmen vor der TU-Professorin Steffi Knorn (neun Stimmen), Urs Peuker, dem Chief Digital Officer der Technischen Universität Freiberg (zwei Stimmen) und Tim Stuchtey, dem Direktor eines sicherheitspolitischen Thinktanks, der keine Stimme erhielt. Deniz übernimmt die Präsidentschaft von Rauch zum 1. April 2026.

aktualisiert am 03.12.2025 um 15.32 Uhr [Ergänzung der Kritik an Professorin Geraldine Rauch], zuerst veröffentlicht um 14.50 Uhr 

cpy