Der Forschungsreaktor München II (FRM II, links) auf dem Gelände der Technischen Universität München (TUM) im Norden der bayerischen Landeshauptstadt.
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Garching
Forschungsreaktor bleibt bis auf Weiteres abgeschaltet

Geplant war eine Wiederinbetriebnahme Ende 2025. Nun kann niemand sagen, wann der Münchner Forschungsreaktor wieder der Forschung dient.

02.12.2025

Anders als bislang erwartet wird der Forschungsreaktor FRM II der Technischen Universität München (TUM) auch in diesem Jahr nicht mehr in Betrieb gehen. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Bayerischen Landtag kann "zum aktuellen Zeitpunkt noch keine definitive Auskunft über den Zeitpunkt der erneuten Inbetriebnahme der Anlage erfolgen". Die Anfrage liegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor. Hintergrund sind weiterhin Lieferprobleme für den sogenannten Zentralkanal der Anlage. Er trägt als zentrales Bauteil das Brennelement.

Forschungsreaktor steht seit März 2020 still

Seit März 2020 ist der Forschungsreaktor abgestellt. Wegen einer technischen Panne bei Wartungsarbeiten war der Reaktor heruntergefahren worden und stand dann infolge der Corona-Pandemie länger still, wie der Deutschlandfunk berichtet. Auch juristische Auseinandersetzungen hatten für Verzögerungen gesorgt. Der Bund Naturschutz hatte vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München gegen den Weiterbetrieb geklagt, weil der Reaktor hochangereichertes Uran als Brennstoff nutzt. Die Klage wurde im Juni 2024 ebenso abgelehnt wie die Beschwerde des Bund Naturschutz gegen die erfolgte Nichtzulassung eines Revisionsverfahrens im August 2025.

Im Januar 2022 wurde zudem eine Undichtigkeit am Zentralkanal festgestellt. Auch wenn dies nach Angaben des Ministeriums keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Neutronenquelle, das Betriebspersonal und die Umgebung hatte und auch keine Radioaktivität freigesetzt wurde, soll zunächst der Zentralkanal ausgetauscht werden.

Neuer Zentralkanal wurde bereits 2013 bestellt

Doch die Beschaffung des Bauteils ist alles andere als einfach, wie die Antwort des Ministeriums belegt: Denn bereits seit dem 30. März 2013 wartet man in Garching auf die Lieferung – damals war diese für Herbst 2014 eingeplant worden. Der Landtagsabgeordnete Markus Büchler bezeichnete den Vorgang mit einer Wartezeit von mehr als 13 Jahren als "verblüffend".

Zwar sei die frühe Auftragserteilung logisch, da allen Beteiligten bewusst war, dass der Zentralkanal regelmäßig erneuert werden müsse. "Völlig unverständlich ist aber, wieso es in 13 Jahren nicht gelungen ist, ein weiteres Exemplar dieses Zentralkanals herzustellen, etwas was ja offensichtlich vor mehr als 20 Jahren noch möglich war", sagte Büchler. Der Vorgang verstärke die bereits bestehenden Zweifel am Management des Forschungsreaktors.

Schon im Januar dieses Jahres sagte der Technische Direktor des FRMII, Axel Pichelmaier, gegenüber der dpa, dass auch im Anschluss an die Lieferung des Zentralkanals keine unmittelbare Inbetriebnahme erfolgen wird: "Danach wird es weitere sechs Monate dauern, bis der Zentralkanal eingebaut ist und wir wieder anfahren können."

Gesamtkosten bisher rund zwei Millionen Euro

Auch zu den Kosten gibt die Antwort des Ministeriums aufschlussreiche Informationen preis: "Aktuell belaufen sich die bisher angefallenen Gesamtkosten zur Beschaffung des neuen Zentralkanals auf rund zwei Millionen Euro", heißt es. Diese Summe umfasse "im Wesentlichen Gutachterleistungen, Materialbeschaffung und die Beauftragung externer Fachfirmen. Interne Personal- und Reisekosten des FRM II sind hierin nicht enthalten." Bis zur Fertigstellung und dem Einbau des Zentralkanals erwarte man weitere Ausgaben von etwa 500.000 Euro.

dpa/cpy