Piktogramm von Frau mit Krawatte und Prozentzeichen
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Gleichstellung
Geschlechteranteile bei Vizeposten gleichen sich weiter an

Immer mehr Frauen übernehmen stellvertretende Leitungspositionen in Hochschulen. Sie verantworten oft andere Ressorts als männliche Kollegen.

24.04.2026

Der Anteil von Frauen, die an Hochschulen in Deutschland Vizepositionen übernehmen, wächst. Im Januar 2026 lag er bei 44 Prozent, wie ein DatenCHECK des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) von April zeigt. Demnach amtierten zu diesem Zeitpunkt an 194 staatlichen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) insgesamt 262 Frauen als Vizepräsidentinnen, Pro- oder Konrektorinnen. Damit liege der Wert auf Stellvertreter-Ebene deutlich über dem Frauenanteil von 30 Prozent an Professuren in Deutschland, sagt Dr. Isabel Roessler, Senior Projektmanagerin und Autorin der Studie. „Professorinnen übernehmen vergleichsweise häufig Leitungsverantwortung. Doch immer noch gilt: je höher die wissenschaftliche Qualifikationsstufe, desto weniger Frauen finden sich dort“, erklärt sie in einer Pressemeldung.

Frauenanteil variiert nach Hochschulart und Bundesland

Laut den Ergebnissen sind die Geschlechterverhältnisse an Universitäten ausgeglichener als die an HAWs. An ersteren liegt der Frauenanteil in Vizeposten bei 48,4 Prozent, in HAWs bei 39,4 Prozent.

Auch im Vergleich der Bundesländer sind deutliche Unterschiede zu erkennen, die sich wiederum nach Art der Hochschule unterscheiden. So sind Bremen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 67 Prozent Frauen in stellvertretenden Leitungspositionen bei Universitäten führend, gefolgt von Hamburg mit 60 Prozent (siehe Abbildung 1). Am unteren Ende liegen das Saarland (25 Prozent), Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein mit je 36 Prozent. Bei den HAWs führen Berlin (89 Prozent) und Bremen (83 Prozent) mit deutlichem Abstand vor Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland (jeweils 50 Prozent). Das Schlusslicht bilden hier Baden-Württemberg mit 28 Prozent, Rheinland-Pfalz (32 Prozent) sowie Hamburg und Schleswig-Holstein (beide mit 33 Prozent).

Diese starken Schwankungen werden in der Studie unter anderem auf die jeweiligen Rahmenbedingungen zurückgeführt. Geschlechterverhältnisse in der Hochschulleitung sind demnach „nicht nur eine Frage des Hochschultyps, sondern stark vom regionalen Kontext und den jeweiligen Leitungsstrukturen vor Ort geprägt“.

Frauen sind öfter für Diversitäts- und Karrierefragen zuständig

Der DatenCHECK hat neben den Geschlechterverhältnissen auch die Ressort-Verantwortlichkeiten von Vizepräsidentinnen und -präsidenten sowie Prorektorinnen und Prorektoren ausgewertet. Auch hier ergeben sich Unterschiede nach Hochschulart und Geschlecht.

Die thematische Schwerpunktsetzung gestaltet sich an Universitäten und HAW zunächst ähnlich. Beide verfügen fast immer über die Ressorts Forschung (96 Prozent an Universitäten und 94 Prozent an HAWs), Lehre (90 Prozent versus 83 Prozent) und Studium (beide 72 Prozent).

Es gibt jedoch auch Spezialisierungen. So sind an Universitäten die Gebiete Internationales (63 Prozent gegenüber 45 Prozent), akademische Karriere (40 Prozent versus sechs Prozent) und Diversität (40 Prozent gegenüber elf Prozent). An den HAWs dominieren hingegen Transfer mit 60 Prozent gegenüber 43 Prozent an Universitäten, Digitalisierung (31 Prozent versus 25 Prozent) und Weiterbildung (19 Prozent zu zwölf Prozent, siehe Abbildung 2).

Auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede treten teilweise deutlich hervor. Während Männer als Vizepräsidenten, Pro- oder Konrektoren oft für Digitalisierung (zu 70,4 Prozent männlich besetzt), Weiterbildung (67,7 Prozent) und Forschung (65,2 Prozent) zuständig sind, dominieren Frauen die Themenfelder Diversität mit 82,1 Prozent, akademische Karriere (61 Prozent) und Internationales (58,4 Prozent) (siehe Abbildung 3).

Starkes Standort-Gefälle bei Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Die Themengebiete Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind je nach Bundesland unterschiedlich stark vertreten. Bei der Digitalisierung liegen Universitäten und HAWs in Baden-Württemberg vorne. Dort haben ihr über 40 Prozent der Hochschulen eigene Ressorts gewidmet. In Bayern sind es zwischen 30 und 40 Prozent, in Nordrhein-Westfalen immerhin zwischen 20 und 30 Prozent. Im Rest des Landes haben weniger als 20 Prozent der Hochschulen Digitalisierungs-Schwerpunkte. Die Autorin der Studie kommt zu dem Schluss, dass „Digitalisierung in vielen Hochschulleitungen eher als Querschnittsthema mitläuft“.

Ähnlich verhält es sich bei der Nachhaltigkeit. Auch hier führt Baden-Württemberg gemeinsam mit NRW. Hier haben über 30 Prozent der Hochschulen eigene Nachhaltigkeits-Ressorts. In Bayern sind es 20 bis 30 Prozent, in Hessen, Niedersachsen und Sachsen zehn bis 20 Prozent. In den übrigen Ländern sind es unter zehn Prozent.

hae