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Forschungssicherheit
Helmholtz-Gemeinschaft richtet Stabsstelle ein

Sicherheits- und Resilienzforschung bekommen eine eigene Stabsstelle in der HGF. Ihre Arbeit beginnt inmitten einer Debatte um Forschungssicherheit.

24.07.2026

Die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) hat eine Stabsstelle eingerichtet, mit der die Aktivitäten im Bereich Sicherheits- und Resilienzforschung gestärkt werden soll. Das teilte die HGF am 23. Juli in einer Presseerklärung mit. Die "Strategic Unit Security and Resilience Research" ist laut Meldung direkt beim Präsidenten der Forschungsgemeinschaft angesiedelt und soll eng mit den 18 Helmholtz-Zentren sowie den relevanten Querschnittseinheiten zusammenarbeiten. Präsident Professor Martin Keller erklärt demnach: "Mit der neuen Stabsstelle schaffen wir eine Struktur, die die vorhandenen Kompetenzen in der Helmholtz-Gemeinschaft vernetzt, ihre Zusammenarbeit stärkt und gemeinsam mit unseren Zentren neue Impulse für Forschung, Innovation und strategische Partnerschaften setzt."

Die Leitung der Stabsstelle teilen sich der HGF zufolge Andrea Frahm und Nicolas Tellner zusätzlich zu den Funktionen, die sie bereits innerhalb der Einrichtung ausüben. Frahm soll aufgrund ihrer "langjährigen internationalen Erfahrung" und "Expertise im Aufbau strategischer Innovationspartnerschaften" künftig den Bereich "Stakeholder Engagement und Business Development" betreuen. Sie leitet außerdem die Helmholtz-Vertretung in Tel Aviv.

Tellner übernimmt demnach die Aufgaben der Stabsstelle in den Bereichen Forschungsprojekte, Policy und Forschungssicherheit, für die er "umfassende wissenschaftsstrategische Expertise sowie Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden" mitbringe. Er ist außerdem Forschungsbereichsbeauftragter Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr in der HGF.

Auf Anfrage von "Forschung & Lehre" teilte die HGF mit, dass die konkrete Ausgestaltung der Stabsstelle "in enger Abstimmung mit allen beteiligten Akteuren" erfolge. Ziel sei es, Kompetenzen im Bereich der Sicherheits- und Resilienzforschung zu bündeln und die Zusammenarbeit mit den Zentren der HGF zu stärken. Außerdem solle Forschungssicherheit weiterentwickelt und das Bewusstsein für Fragen der sicherheitsrelevanten Forschung innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft gestärkt werden.

HGF: "Stabsstelle Teil eines umfangreichen strategischen Prozesses"

Die Stabsstelle nimmt ihre Arbeit vor dem Hintergrund aktueller Debatten um Forschungssicherheit in Deutschland auf. Nach einem Bericht des Handelsblatts über den möglichen Abfluss von Forschungsergebnissen des Helmholtz Center for IT Security, Privacy and Accountability (CISPA) nach China hatten der Bund und das Saarland als Gesellschafterinnen des CISPA eine Sonderprüfung beauftragt. Professor Michael Backes, Gründungsdirektor des Zentrums, wurde von seinen Aufgaben als wissenschaftlicher Leiter für die Dauer der Prüfung entbunden. Nach übereinstimmenden Medienberichten haben Bund und Land ein forensisches Team der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter Alexander Geschonneck mit der Untersuchung beauftragt. Geschonneck hatte 2019 und 2020 bereits Prüfungen im Zuge des Wirecard-Skandals durchgeführt.

Laut Stellungnahme der HGF gegenüber Forschung & Lehre wurde die Einrichtung der neuen Stabsstelle jedoch "bereits im April 2026 von der Mitgliederversammlung beschlossen – und damit vor den aktuellen Entwicklungen rund um das CISPA". Sie sei Teil eines umfangreichen strategischen Prozesses. In dessen Rahmen habe man schon 2024 ein internes Eckpunktepapier zum Umgang mit China verabschiedet, das konkrete Handlungsempfehlungen unter anderem zur Überprüfung von Kooperationspartnern und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, zur IT-Sicherheit auf Reisen sowie zum Vertragswesen enthalte.

"Wir haben es mit einer Herausforderung zu tun, die das ganze Wissenschaftssystem in Europa betrifft."

Helmholtz-Gemeinschaft

Den Hintergrund der strategischen Anpassungen bildeten nach Auskunft der Forschungsgemeinschaft die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen sowie die wachsende Bedeutung von Sicherheits- und Resilienzforschung: "Wir haben es mit einer Herausforderung zu tun, die das ganze Wissenschaftssystem in Europa betrifft. Es geht um die Frage, wie sich Deutschland in einer Welt mit zunehmenden geopolitischen Spannungen bewegt." Dabei richte sich der Blick ausdrücklich nicht nur auf China, so die HGF.

Zwiespalt zwischen Sicherheit und Wissenschaftsfreiheit

Im Interview mit dem Handelsblatt am 1. Juli sprach Keller von einer ernsten Situation. Die Reputation des Forschungsstandortes stehe auf dem Spiel. Das Thema China habe ihn seit Beginn seines Amtsantritts bei der HGF beschäftigt, auch im Zusammenhang mit dem CISPA. Mit Backes habe er bereits im Januar Gespräche über die Überprüfung von Forschungskooperationen mit chinesischen Partnern gesprochen.

Gleichzeitig wies Keller gegenüber dem Handelsblatt auf die bestehenden Probleme hin, mit denen Forschungseinrichtungen beispielsweise bei Backgroundchecks konfrontiert seien. Dazu sei ein enger Austausch mit Sicherheitsbehörden wie Geheimdiensten notwendig, die über die entsprechenden Informationen verfügten. Die Zusammenarbeit an der Schnittstelle zwischen Diensten und Wissenschaft müsse besser werden, so der HGF-Präsident.

Professor Ludger Santen, Präsident der Universität des Saarlandes, betonte am 23. Juli gegenüber dem Handelsblatt, das transparente und klare Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten, um Forschenden eine "angemessene Risikobewertung" zu erlauben. Die Unterstützung von Sicherheitsbehörden sei insbesondere in sensiblen Bereichen und bei der Überprüfung einzelner Personen notwendig. "Es wird darum gehen, einerseits unsere Sicherheitsinteressen zu wahren und andererseits den Austausch mit einem der leistungsfähigsten Wissenschaftssysteme der Erde nicht zu verlieren", fasste er zusammen. Von der Sonderprüfung des CISPA erwarte er klare Empfehlungen für das weitere Vorgehen sowie Informationen darüber, welche Strukturen funktioniert hätten und wo Änderungen notwendig seien.

hae