Eine Frau mit schulterlangem, weißen Haar steht vor im Mantel vor einem weißen, modernen Gebäude.
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Antisemitismusvorwurf
Jüdische Gemeinde verlangt Abberufung von Kunstakademie-Rektorin

Studierende der Düsseldorfer Kunstakademie hatten eine umstrittene palästinensische Künstlerin zu Gast. Jüdische Verbünde kritisieren dies scharf.

23.01.2026

Nach dem Auftritt der umstrittenen palästinensischen Filmemacherin Basma al-Sharif an der Düsseldorfer Kunstakademie am 21. Januar fordert die Jüdische Gemeinde (JG) Düsseldorf den Rücktritt der Rektorin Professorin Donatella Fioretti. Notfalls müsse die Landesregierung sie abberufen. Dies geht aus verschiedenen Medienberichten hervor. 

Trotz zahlreicher Warnungen und Gesprächsangebote im Vorfeld habe die Akademieleitung unter Verweis auf die Kunstfreiheit an der Veranstaltung festgehalten. "Unter dem Deckmantel akademischer Freiheit werden Personen eingeladen, die antisemitische Gewalt glorifizieren und sich offen mit terroristischen Organisationen solidarisieren", teilten die JG Düsseldorf und das Jüdische Forum der CDU NRW laut Deutscher Presseagentur (dpa) mit. 

Demonstration vor Düsseldorfer Kunstakademie am Veranstaltungstag 

Am Veranstaltungsabend hatten etwa 80 Menschen vor der Düsseldorfer Kunstakademie demonstriert, berichtete der WDR. Die Künstlerin sei deshalb zur Sicherheit durch den Hintereingang geführt worden. Der Protest sei friedlich verlaufen. 

Auch von der NRW-Landesregierung und von Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller hatte es dem WDR zufolge "große Bedenken und Kritik" gegeben. NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU) hatte demzufolge die Akademie in einem Schreiben vorab aufgefordert, die Veranstaltung zu überdenken. 

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur war am Mittwoch als Demonstrationsteilnehmerin vor Ort und habe sich in einer Rede ablehnend dazu geäußert, dass die Kunstakademie Basma al-Sharif trotz ihrer öffentlich nachzulesenden antisemitischen Äußerungen und Haltungen eine Bühne geboten habe. Dies berichtet die Rheinische Post. Der ebenfalls anwesende Antisemitismusbeauftragte der Stadt Düsseldorf Wolfgang Rolshoven teile diese Meinung. 

Offener Brief und Kritik im Vorfeld 

Man kritisierte al-Sharif nicht aufgrund ihrer kontroversen Kunst oder politischer Meinungsäußerungen, sondern aufgrund ihrer "positive(n) Bezugnahme auf Gewalt und Terror, die sich in öffentlichen Äußerungen und Symboliken von Frau al-Sharif wiederholt findet". So argumentierte die JG Düsseldorf bereits am 16. Februar auf ihrem Facebook-Auftritt gegen die geplante Veranstaltung an der Kunstakademie. 

Al-Sharif glorifiziere die Hamas-Täter des Massakers vom 7. Oktober 2023, hieß es am 15. Januar in einem offenen Brief des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender (NJH), der WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen und des Jüdischen Forums der CDU NRW. Social-Media-Beiträge der Künstlerin dokumentieren nach Ansicht der jüdischen Organisationen Terrorverherrlichung und israelbezogenen Antisemitismus. Die Kunstfreiheit finde dort ihre Grenzen, wo andere Verfassungsgüter berührt würden, insbesondere die Menschenwürde. 

Al-Sharif nutze wiederkehrend das auf der Spitze stehende rote Dreieck, das in der Hamas-Kommunikation zur Kennzeichnung von Feinden genutzt werde. "Eine öffentliche Verwendung kann je nach Kontext geeignet sein, Gewaltpropaganda zu normalisieren und strafrechtliche Fragen aufzuwerfen", bewerten die jüdischen Verbünde dies in ihrem offenen Brief. Ebenfalls dokumentiert sei die konsequente Verwendung der Bezeichnung "zionist entity" oder "zionistische Entität" anstelle von "Israel". Diese Terminologie werde von der Terrororganisation Hamas verwendet und sei geeignet, das Existenzrecht Israels zu delegitimieren. 

Verteidigung der Veranstaltung: freien Diskurs ermöglichen 

In den Informationen zur umstrittenen Veranstaltung stellte die Kunstakademie auf ihrer Website klar, diese sei studentisch organisiert und stelle "keine institutionelle Positionierung der Kunstakademie Düsseldorf" dar. Die Veranstaltung werde moderiert, finde in einem institutionell verantworteten Rahmen statt und der Zugang sei aus Sicherheitsgründen nur mit bestätigter Anmeldung möglich. "Antisemitische, rassistische oder strafrechtlich relevante Äußerungen werden nicht toleriert", hieß es warnend. 

Die Kunstakademie hatte die Forderung nach Absage der Veranstaltung bereits im Vorfeld zurückgewiesen. Antisemitismus, Relativierung oder Verherrlichung terroristischer Gewalt sowie die Infragestellung des Existenzrechts Israels hätten an der Akademie keinen Platz, hatte die renommierte Kunsthochschule in einer Stellungnahme vom 13. Januar betont. "Der terroristische Angriff der Hamas stellt ein schweres Verbrechen dar, das in keiner Weise relativiert werden darf." 

Die Freiheit der Kunst setze aber einen freien Diskurs über das Werk von Künstlerinnen und Künstlern voraus. "Als Kunstakademie Düsseldorf ermöglichen wir deshalb studentischen Initiativen, durch eigene Veranstaltungen einen Diskursraum zu eröffnen. Dies gilt auch, wenn es um kontroverse Themen geht." Grundlage der Einladung von al-Sharif sei ihre international anerkannte künstlerische Arbeit. "Diese Einschätzung ist durch ihre umfangreiche internationale Ausstellungstätigkeit, Festivalpräsenz sowie durch Auszeichnungen belegt."

cva/dpa