Hertie School
Querelen um Hochschul-Präsidentschaftswahl
Der Roger-Williams-Straus-Professor für Sozialwissenschaften und Politikwissenschaftler, Professor Jan-Werner Müller, soll laut Empfehlung des Akademischen Senats der Hertie School neuer Präsident der Hochschule werden. Das berichtet der Tagesspiegel unter Berufung auf die Pressestelle Hertie School. Dies wurde seitens Table Media am 11. November in einer Meldung bestätigt. Hertie-Professorin Andrea Römmele habe nicht weiter auf der finalen Liste zur Senatsabstimmung gestanden, da sich eine Mehrheit der Interessengruppen der Hertie School für Müller ausgesprochen hatte. Römmele zeigte sich demzufolge zufrieden über den Auswahlprozess.
Müller wird voraussichtlich die Nachfolge von Professorin Cornelia Woll antreten, die seit 2022 Präsidentin der Hertie School in Berlin ist. Ihre Amtszeit endet offiziell im März 2026. Table.Media und Tagesspiegel hatten Ende Oktober übereinstimmend berichtet, dass die Findungskommission für die Präsidentschaftswahl unter der Leitung des Kuratoriumsvorsitzenden Professor Helge Braun, Präsident der Universität Lübeck, Woll nicht als Kandidatin nominiert habe.
Woll wurde demnach nicht zu den Anhörungen des Senats am 5. November eingeladen. Dies gehe aus einer E-Mail hervor, die Braun am 29. Oktober an die Mitglieder der privaten Hochschule verschickt habe. Er hatte in dieser die aktuelle Vizepräsidentin der Hertie-School, Professorin Andrea Römmele, als verbleibende Präsidentschaftskandidatin neben dem externen Kandidaten Müller, der an der Princeton University lehrt, genannt.
Laut Bericht des Tagesspiegels vom 7. November hat die Hertie School die Kandidaten Müller und Römmele am 5. November angehört.
Auf eine Anfrage von Forschung & Lehre erläuterte ein Sprecher der Hochschule am 10. November, dass das Verfahren zur Findung eines neuen Präsidenten mit der Empfehlung Müllers als Kandidaten durch den Senat noch nicht abgeschlossen sei. Es folgten nun Verhandlungen mit ihm und erst wenn ein Vertrag unterschrieben sei und auch der Aufsichtsrat der Hertie School seine Zustimmung gegeben habe, würde das Ergebnis offiziell verkündet.
Konflikte als Hintergrund der Nichtaufstellung Wolls?
Amtsinhaberin Woll gab gegenüber dem Tagesspiegel Ende Oktober an, dass sie eigentlich als Präsidentin weitermachen wolle. Die Satzung der Hertie School sieht allerdings vor, dass die Präsidentin oder der Präsident aus den Vorschlägen der Findungskommission gewählt wird. Andere Kandidaten und Kandidatinnen können sich daher nicht entgegen des Vorschlags der Kommission selbst zur Wahl stellen.
Zum Hintergrund der ausbleibenden Nominierung Wolls deutet Braun in seiner E-Mail an die Hochschulmitglieder laut Tagesspiegel "anhaltende Konflikte zwischen verschiedenen Interessengruppen" innerhalb der Hochschule an, die "einer positiven Lösung" bedürften. Hochschulintern würden Mängel am "Gemeinschaftsgeist" gesehen. Er betonte demnach allerdings auch Wolls "exzellente Reputation" sowie die gute Entwicklung der Hochschule unter ihrer Präsidentschaft.
Woll kritisierte, dass die "Konfliktlinien" nicht in einer Wahl geklärt würden und nur die Vizepräsidentin antreten dürfe. Dies nehme der Hochschulgemeinschaft die Möglichkeit, in einer Wahl über den Konflikt zu entscheiden. Zu Table.Media sagte Woll, dass die Entscheidung der Findungskommission ihrem "Wahlkampf ein brutales Ende" setze. Ihr sei mitgeteilt worden, dass man ihr nicht zutraue, die internen Konflikte befrieden zu können.
Laut Table.Media konnte die Hertie School während Wolls Präsidentschaft einen Zuwachs an Studierenden sowie an Drittmitteln verzeichnen. Auch die internationalen Kooperationen seien mehr geworden, so dass sich die Sichtbarkeit erhöht habe. Allerdings habe die Professorin für internationale politische Ökonomie auch unpopuläre Konsolidierungsmaßnahmen umsetzen müssen, die auf Kritik gestoßen seien.
Bereits Ende Oktober hatte ein Sprecher der Hertie School au eine Anfrage von Forschung & Lehre angegeben, dass das mehrstufige Auswahlverfahren zur Findung der künftigen Präsidentin oder des künftigen Präsidenten im Januar dieses Jahres gestartet wurde. Es werde voraussichtlich im Winter 2026 abgeschlossen sein.
aktualisiert am 11. November um 11:10 Uhr; erstmals aktualisiert am 10. November; zuerst veröffentlicht am 31.10.2025
cpy