Philosophischer Fakultätentag
Schließung von Professuren gefährdet ganze Forschungsbereiche
Hochspezialisierte Disziplinen innerhalb der Geisteswissenschaften zeichnen sich vor allem durch ihre Forschungsleistungen und ihre Rolle in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses aus, nicht durch die Immatrikulationszahlen. Einsparmaßnahmen, die sich an der Nachfrage durch Studierende orientieren, treffen daher Fachbereiche, die meist bereits sowieso über begrenztes Personal verfügen und strukturell verletzlich sind. Mit dieser Feststellung kritisierte der Philosophische Fakultätentag (PhFT), der Zusammenschluss der philosophischen Fakultäten in Deutschland, am 18. März die aktuellen finanzpolitischen Entwicklungen an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Dort wurde im Februar angekündigt, das Institut für Archäologie in seiner derzeitigen Form nicht weiterzuführen und es ab Mitte der 2030er Jahre in ein "Institut für Altertumswissenschaften" zu überführen.
Der PhFT zeigte in seiner Stellungnahme Verständnis für die schwierige Situation der Hochschulen: "Aufgrund der massiven Kürzungen des Wissenschaftsetats durch das Land Berlin stehen die Hochschulen unter erheblichem Handlungsdruck, die Sparvorgaben umzusetzen." Deren wissenschaftliche Folgen seien allerdings mit Umsicht abzuwägen.
Wegfall von Professuren wirkt über Berlin hinaus
Die bisher publik gewordenen Überlegungen zu Sparmaßnahmen beträfen Fächer der Geisteswissenschaften, darunter Archäologie, Kunst- und Bildgeschichte, Asien- und Afrikawissenschaften sowie Kleine Fächer. Insbesondere letztere, so argumentiert der PhFT, würden durch den Wegfall von Professuren getroffen, da ganze Forschungsbereiche dauerhaft verloren gingen, wie beispielsweise bei der Architekturgeschichte. "Doch eine kunsthistorisch fundierte Architekturgeschichte ist eine zentrale Akteurin für die wissenschaftliche Beschäftigung mit urbanem Raum", so die Stellungnahme. "Ihr Wegfall würde daher nicht nur die Kunstgeschichte selbst, sondern auch benachbarte Disziplinen in Berlin schwächen."
Dies schade nicht nur der Berliner Forschungslandschaft. Gerade die archäologischen Fachbereiche seien durch feldarchäologische und interdisziplinäre Forschungsprojekte von internationaler Bedeutung, die nur aufrechterhalten werden könne, wenn die Sammlungen der HU weiter erschlossen und der Forschung zugänglich gemacht würden.
Der PhFT hat in seinem Statement zudem hervorgehoben, dass einige Studiengänge und Forschungszweige deutschlandweit nur in Berlin angeboten würden, darunter die Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas sowie einzelne Regionalbereiche der Asien- und Afrikawissenschaften: "Die hier vorhandene Expertise ist für gesellschaftliche und politische Debatten über die betreffenden Weltregionen von Bedeutung."
Mitarbeitende der Institute sollen einbezogen werden
Für die Entwicklung realistischer und langfristig tragbarer Maßnahmen empfiehlt der PhFT die Einbeziehung der Angehörigen der betroffenen Institute, da deren "wissenschaftliche Expertise für die Beurteilung fachlicher Strukturen unverzichtbar" sei. Zudem trage die HU als eine der führenden Universitäten Deutschlands besondere Verantwortung für die Berliner Wissenschaftslandschaft, an der sich die neue Perspektivkommission messen lassen müsse.
An die Verantwortlichen der HU appelliert der PhFT, den Fortbestand der betroffenen Fächer und die Funktionsfähigkeit bei allen strukturellen Entscheidungen zu gewährleisten. Der Berliner Senat wird dazu aufgerufen, die "notwendige Finanzierung der Berliner Universitäten sicherzustellen und die jüngsten Erfolge in der Exzellenzinitiative nicht durch eine kurzsichtige Finanzpolitik in Frage zu stellen".
Kürzungen aufgrund neuer Hochschulverträge
Die im Februar unterzeichneten neuen Berliner Hochschulverträge sehen einen stark gekürzten Finanzrahmen vor, der die Universitäten zu harten Sparmaßnahmen zwingt. In deren Zuge hat die HU die "Neuaufstellung der Archäologie" bekannt gegeben. Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung beruft sich das Universitätspräsidium auf die niedrigen Absolventenzahlen und die Drittmittelschwäche der Archäologie. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin hatte bereits Ende 2025 angekündigt, den Studiengang Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik auslaufen zu lassen. Beide Entscheidungen waren stark kritisiert worden. Eine Petition gegen die Schließung der Archäologie an der HU hat bis dato über 14.000 Unterschriften erreicht.
hae