Umfrage
Schwierigste Aufgabe für US-Universitäten sind Finanzen
Die größten Risiken für Hochschulen in den USA sind nach Ansicht ihrer Präsidentinnen und Präsidenten finanzielle Schieflagen, politische Einflussnahme und sinkende Immatrikulationszahlen. Das ergab eine Umfrage der Online-Zeitung Inside Higher Ed (IHE) in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Hanover Research, deren Ergebnisse am 10. März veröffentlicht wurden. An der Befragung zu unterschiedlichen Themen, darunter Politik, Finanzen und Künstliche Intelligenz (KI), nahmen 430 Hochschulleitungen von öffentlichen sowie privaten Einrichtungen in den USA teil.
Als größte Risiken der vergangenen zwölf Monate für die jeweils eigene Hochschule identifizierten die Präsidentinnen und Präsidenten mit 45 Prozent finanzielle Schwankungen und den Rückgang der Einnahmen, gefolgt von politischer Einflussnahme (43 Prozent) und dem demografischen Wandel, der sich negativ auf die Immatrikulationszahlen auswirke (35 Prozent).
Hochschulen planen nicht mehr langfristig
Trotz der finanziellen Herausforderungen blicken die meisten Hochschulleitungen laut IHE relativ positiv in die Zukunft. Für die kommenden drei Jahre erwarteten 86 Prozent eine stabile Finanzlage, für die nächsten zehn Jahre gaben dies immerhin noch 70 Prozent an.
Der Wandel der letzten Jahre wirke sich jedoch auf die grundsätzlichen strategischen Ausrichtungen der Hochschulen aus. So gaben 60 Prozent der Präsidentinnen und Präsidenten an, nur noch für die nächsten drei bis fünf Jahre zu planen. Nur 15 Prozent richteten ihre Institution strategisch für mehr als fünf Jahre aus.
Zudem würden die Studienmodelle stärker auf die Bedürfnisse von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern ausgerichtet. So denken der Studie zufolge 70 Prozent der Teilnehmenden darüber nach, kurzfristige Qualifizierungsprogramme einzuführen.
Negative Erwartungen der Hochschulleitungen wurden übertroffen
Die negativen Erwartungen der Hochschulleitungen in Bezug auf die Auswirkungen der Regierungslinie auf das höhere Bildungssystem seien im Vergleich zum Vorjahr übertroffen worden, schreiben die Autorinnen des Berichts. 2025 hatten 71 Prozent befürchtet, die zweite Amtszeit von Trump würde sich negativ auf die finanzielle Lage der Hochschullandschaft insgesamt auswirken. 2026 gaben 87 Prozent an, der Hochschulsektor leide finanziell unter der Regierung. Für die eigene Hochschule berichteten dies jedoch nur 63 Prozent.
In anderen Bereichen sind laut Studie ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Während 2025 noch 71 Prozent der Präsidentinnen und Präsidenten negative Folgen für die Freiheit der Forschung und die Diskussionskultur an den Hochschulen befürchteten, nahmen in diesem Jahr 78 Prozent Einschränkungen wahr. Sie berichteten zudem von einer höheren Geringschätzung der Hochschulbildung durch die Öffentlichkeit (Erwartung 2025: 79 Prozent, Erfahrung 2026: 84 Prozent). Auch die Einstellung zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion (Diversity, Equity and Inclusion, DEI) habe sich verschlechtert (Erwartung 2025: 80 Prozent, Erfahrung 2026: 85 Prozent).
Hochschulen gehen unterschiedlich mit Regierungslinie um
Laut IHE verfolgen die Hochschulleitungen unterschiedliche Strategien im Umgang mit der Regierungspolitik. Etwas mehr als die Hälfte (56 Prozent) gibt an, zwar notwendige Änderungen in der eigenen Hochschulpolitik durchzuführen, um vorgegebene Richtlinien zu erfüllen, aber gleichzeitig institutionelle Werte schützen zu wollen. 40 Prozent berichteten von "stillen" Anpassungen, die vorgenommen würden, ohne sie öffentlich zu kommentieren. Zwei Prozent sahen sich laut Studie in aktivem Widerstand zur Regierungslinie.
Den im Oktober 2025 von Bildungsministerin Linda McMahon vorgeschlagenen "Pakt für akademische Exzellenz in der Hochschulbildung" (Compact for Academic Excellence in Higher Education) lehnen der Studie zufolge 59 Prozent der Hochschulleitungen ab. 20 Prozent lehnten ihn in Teilen ab und sechs Prozent befürworteten ihn ganz oder teilweise. Gleichzeitig zeige sich jedoch, dass es durchaus Aspekte des "Pakts" gebe, denen viele Präsidentinnen und Präsidenten inhaltlich zustimmen. So möchten beispielsweise 53 Prozent nicht, dass Mitarbeitende stellvertretend für die Institution politische Ansichten äußern. 42 Prozent befürworteten Maßnahmen gegen eine Noteninflation und 33 Prozent sprachen sich für institutionelle Neutralität aus.
Bislang traf nach eigenen Angaben etwa ein Drittel der Hochschulen (32 Prozent) konkrete Maßnahmen, beispielsweise im Bereich der Regelungen für Redebeiträge auf dem Campus. Ein Viertel (26 Prozent) habe sich der institutionellen Neutralität verpflichtet. Angebote für Mitarbeitende und Studierende zum Umgang mit potentiell polarisierenden Debatten oder zu konstruktiver Diskussionskultur hätten 75 Prozent der Hochschulen eingeführt. Die größten Veränderungen im DEI-Bereich finden sich laut Studie bei Stipendien und finanziellen Unterstützungen, die an 45 Prozent der teilnehmenden Hochschulen gekürzt worden seien. 42 Prozent setzten zudem auf Änderungen im Marketing und auf den Websites.
KI als große Herausforderung für die Zukunft
Neben den genannten finanziellen und demografischen Aspekten sehen die Präsidentinnen und Präsidenten KI als größte Herausforderung der kommenden Jahre (48 Prozent) – nur 27 Prozent nannten politische Veränderungen als Risikofaktor für die Zukunft. Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent zeigte sich auf die Frage nach den Auswirkungen von KI auf die Hochschularbeit optimistisch. 36 Prozent gaben an, die Entwicklungen mit Sorge zu betrachten. Das ist eine leichte Erhöhung gegenüber dem Vorjahr (2025: 30 Prozent).
Insgesamt blicken die Hochschulleitungen laut Umfrage positiv auf den Umgang mit KI an der eigenen Institution. 55 Prozent sind der Meinung, ihre Einrichtung sei gut auf die Nutzung von KI vorbereitet. 41 Prozent gaben an, angemessene Governance-Strukturen aufgebaut zu haben, um einen effektiven und verantwortlichen Umgang mit KI zu gewährleisten. 2026 berichteten 71 Prozent der Hochschulleitungen, eine grundsätzliche KI-Strategie oder Arbeitsgruppe eingerichtet zu haben. 2025 waren es noch 52 Prozent. Genutzt werde KI vor allem als virtueller Chatbot (58 Prozent), für Verwaltungsprozesse wie Stundenplanung oder Zuweisung von Ressourcen (47 Prozent) und zur Forschungs- und Datenanalyse (45 Prozent).
Weniger positiv bewerteten die Teilnehmenden den Einfluss der Hochschulen auf die öffentliche Debatte um KI. Nur ein Prozent bewertete ihn als hoch. 32 Prozent sahen dagegen gar keinen Einfluss und 42 Prozent konstatierten einen leichten Einfluss.
Hohe Zufriedenheit trotz aller Schwierigkeiten
Bei allen Herausforderungen, die Präsidentinnen und Präsidenten an US-amerikanischen Hochschulen zu bewältigen haben, sind die allermeisten (92 Prozent) weiterhin zufrieden mit der eigenen Leitungsposition und fühlen sich von ihren Verwaltungsgremien grundsätzlich unterstützt (86 Prozent). 42 Prozent gehen davon aus, die Position noch mindestens weitere fünf Jahre zu bekleiden.
hae