Bauhaus-Universität Weimar
Universitäts-Versammlung wählt Kanzler Henrici ab
Im Rahmen der Universitätsversammlung am 22. Juni wurde Dr. Horst Henrici als Kanzler der Bauhaus-Universität Weimar angehört. Das Gremium hat der Abwahl mit der nach Thüringer Hochschulgesetz erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit zugestimmt, teilte die Universität auf Anfrage von Forschung & Lehre mit. Damit ende dessen Amtszeit mit Ablauf des heutigen Tags. Auch Hochschulpräsident Professor Peter Benz sei angehört worden. Er bleibe im Amt, da die erforderliche Mehrheit nicht erreicht worden sei.
Bereits Ende Mai hatte der Senat der Hochschule beschlossen, das Abwahlverfahren gegen den Verwaltungschef in Gang zu setzen. Von einem entsprechenden Verfahren gegen Universitätspräsident Professor Peter Benz hat das Gremium aus Mitarbeitenden, Studierenden sowie Professorinnen und Professoren abgesehen. In der Kritik stehen vor allem die angespannte Finanzlage der Hochschule sowie die Kommunikation und Entscheidungsprozesse dazu, erläutert die Universitätsleitung.
"Für die Zukunft wünsche ich der Universität Mut, Zusammenhalt und Erfolg bei den vor ihr liegenden Aufgaben."
Dr. Horst Henrici, Kanzler der Bauhaus-Universität Weimar
Nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses sagte Henrici: "Die Bauhaus-Universität Weimar war für mich über viele Jahre weit mehr als ein Arbeitsplatz. Für die Zukunft wünsche ich der Universität Mut, Zusammenhalt und Erfolg bei den vor ihr liegenden Aufgaben." Der Hochschulpräsident ergänzte: "Mit der heutigen Entscheidung endet eine mehr als elfjährige Amtszeit als Kanzler der Bauhaus-Universität Weimar. Dr. Horst Henrici hat die Universität in dieser Zeit in unterschiedlichen Entwicklungsphasen begleitet und Verantwortung übernommen."
"Mit der heutigen Entscheidung endet eine mehr als elfjährige Amtszeit als Kanzler der Bauhaus-Universität Weimar."
Professor Peter Benz, Hochschulpräsident der Bauhaus-Universität Weimar
Benz bedankte sich ausdrücklich bei Henrici. Er zeigte sich gleichzeitig erleichtert für das ihm entgegengebrachte Vertrauen: "Ich bin erleichtert und dankbar über das Votum der Universitätsversammlung. Zugleich verstehe ich das Ergebnis als Auftrag. Die Diskussionen der vergangenen Monate haben gezeigt, dass es Gesprächsbedarf gibt und dass Vertrauen durch Transparenz, Beteiligung und verlässliche Kommunikation immer wieder neu erarbeitet werden muss." Die eigentliche Arbeit beginne jetzt, fügte er hinzu.
Gegenmaßnahmen und externer Sachverständigenbericht
Nach Angaben der Universität zeichnet sich seit 2025 ein Haushaltsdefizit ab. Dies sei vor allem höheren Ausgaben in den Bereichen Personal und Infrastruktur sowie steigenden finanziellen Belastungen durch Inflation, Energiepreissteigerungen und Coronanachwirkungen geschuldet. Im Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) räumte Hochschulpräsident Benz im März ein, dass man "die Situation nicht frühzeitig vorhergesehen" habe, und dass man dies vielleicht hätte "besser machen müssen".
Zu den aktuell getroffenen Gegenmaßnahmen gehören laut öffentlicher Angaben der Universitätsleitung "eine zurückhaltende Mittelbewirtschaftung, Einschränkungen im Personalbereich bei Neueinstellungen und Weiterbeschäftigungen, die Reduktion von Dienstreisen und Sachausgaben sowie die Verschiebung nicht zwingender Investitionen".
Ziel der Maßnahmen sei es, die Kernaufgaben in Wissenschaft und Kunst, Forschung und Lehre bestmöglich zu schützen. Die Betreuungsquote an der Bauhaus-Universität liege nach wie vor über dem Bundesdurchschnitt. Eine Fusion von Hochschulen sei derzeit nicht vorgesehen, stattdessen strebe man engere Kooperationen mit Synergieeffekten an. Der Struktur- und Entwicklungsplan (STEP) 2030 ist zu diesem Zweck überarbeitet und mit einem konkreten Finanzplan hinterlegt worden.
Darüber hinaus haben externe Sachverständige einen Bericht erstellt, der zur Klärung und Beurteilung der Ursachen beitragen soll. Im Rahmen der heutige Universitätsversammlung wurde dieser vorgestellt. "Der Bericht der externen Sachverständigen bestätigt die schwierige finanzielle Lage der Universität. Diese ergibt sich aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren, die sich über Jahre kumuliert haben", teilte die Universität auf Anfrage mit. Dazu zählen externe Einnahmerisiken, außergewöhnliche Tarif- und Besoldungsentwicklungen, strukturelle Herausforderungen in der Personal- und Ressourcensteuerung, Defizite in Steuerung und Controlling sowie Wirkungen des internen Budgetierungs- und Zielvereinbarungssystems.
"Der Bericht der externen Sachverständigen bestätigt die schwierige finanzielle Lage der Universität."
Sprecherin der Bauhaus-Universität Weimar
Als kurzfristige Maßnahmen empfehlen die Sachverständigen laut Auskunft der Universität gegenüber Forschung & Lehre, die interne Mittelverteilung zu überprüfen, das Controlling durch engere, interne Kommunikation zu verbessern und eventuell die bestehende Stellenbesetzungssperre zeitlich auszuweiten. Mittelfristig sollte die Universität wieder eine Liquiditätsreserve aufbauen und Doppelstrukturen reduzieren.
Ausblick: Übergangsphase und Neubesetzung des Kanzleramts
Wie eine Sprecherin der Universität auf Anfrage von Forschung & Lehre mitteilte, verbleibt Benz als Präsident planmäßig bis 2029 weiter im Amt. An seiner Seite stehen die Vizepräsidenten Professor Guido Morgenthal (Forschung und Projekte) und Dr. Simon Frisch (Lehre und Lernen).
Das Amt des Kanzlers werde öffentlich ausgeschrieben. Bis auf Weiteres werde es eine Interimslösung unter Leitung von Morgenthal geben. Für die weitere Umsetzung der eingeleiteten und von den Sachverständigen empfohlenen Maßnahmen sei ein Expertenteam mit Beteiligten aus der Universität vorgesehen – möglicherweise ergänzt durch eine externe Beratung.
cva