Cyberangriff
Vermutlich LMU-Studierendendaten abgeschöpft
Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat am Samstag einen Datenschutzvorfall gemeldet. Unbekannte Cyberkriminelle seien bereits am 16. September in das IT-System der Hochschule eingedrungen und konnten auf Stammdaten von Studierenden zugreifen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Daten auch abgerufen wurden, so die Universität. Nach dem Bemerken des Hackerangriffs sei das betroffene System sofort heruntergefahren worden. Ein Koordinierungsstab unter der Leitung des Universitätspräsidenten Professor Matthias Tschöp sei eingerichtet worden und interne IT-Fachleute arbeiteten rund um die Uhr an der Behebung des Vorfalls. Außerdem laufen Ermittlungen durch das Bayerische Landeskriminalamt.
Bei den betroffenen Daten handele es sich um persönliche Daten von Studierenden, die diese im Rahmen der Einschreibung abgegeben haben. Dazu gehören die Namen der Studierenden, Post- und E-Mail-Adressen, Geburtsdaten und -orte sowie Bankdaten. Auch Krankenversicherungsnummern, BAföG-Nummern und Daten zu früheren Bildungsabschlüssen könnten betroffen sein, so die LMU. Nicht betroffen seien hingegen Prüfungsinformationen der LMU oder Angaben zu Studieninhalten und zu individuellen Leistungen. Die betroffenen Daten stünden der LMU auch weiterhin zur Verfügung und Manipulationen an ihnen hätten verhindert werden können.
Bisher unklar ist allerdings das Ausmaß des Vorfalls, wie die Universität mitteilt: Weder die Dauer des unbefugten Zugriffs sei aktuell bekannt noch, wie viele der aktuell über 52.000 Studierenden betroffen sind. Ob auch Daten von ehemaligen Studierenden betroffen sind, müsse noch geprüft werden. Die technische Aufklärung dauere an. Es gebe bisher keine Anhaltspunkte, dass Daten aus dem Angriff veröffentlicht oder missbräuchlich verwendet worden seien, Fachleute beobachteten dahingehend aber das sogenannte Darknet. Der Vorfall beeinträchtige den Studienbetrieb nicht, bereits abgegebene Immatrikulationen seien gesichert. Neue Einschreibungen seien derzeit nicht möglich, dies solle aber im Laufe der Woche behoben sein, alle Fristen würden verlängert.
Aktuell kein Zugriff auf Online-Vorlesungsverzeichnis
Neben dem gehackten Immatrikulationsserver seien auch einzelne, nicht betroffene Systeme heruntergefahren worden. Dadurch seien einige interne Dienste aktuell nicht verfügbar. Wie die Universität mitteilt, wird daran gearbeitet, dass diese sobald wie möglich wieder bereitgestellt werden können. Priorität hätten insbesondere das Online-Vorlesungsverzeichnis und das Campusportal der Medizinischen Fakultät. Personen, die möglicherweise von dem Datenhack betroffen sein könnten, sollen laut der LMU besonders aufmerksam sein, vor allem bei Kontaktversuchen und wenn ein Bezug zur Universität oder dem Studium hergestellt würde.
Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Bayern, Florian von Brunn, kritisiert laut Bericht der Tagesschau die Kommunikation der LMU zum Vorfall: Die Universität habe erst am Samstagvormittag Informationen zu dem Cyberangriff auf ihrer Website geteilt, obwohl sie diesen bereits drei Tage zuvor bemerkt habe. Laut Datenschutz-Grundverordnung hätte die Benachrichtigung der möglicherweise Betroffenen sofort erfolgen müssen. Die LMU solle offenlegen, wann sie die Studierenden tatsächlich informiert hat. Ursachen, Hergang und Verantwortlichkeiten müssten "jetzt auf den Tisch".
cpy